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Letzter Applaus für Johannes Paul II.

Zahlen über Zahlen. 300 00 Gläubige, berichteten am Freitag die Nachrichtenagenturen, hätten auf dem Petersplatz der Messe für Johannes Paul II. beigewohnt. Eine Million hätten rund um den Vatikan die Trauerfeierlichkeiten verfolgt. Zwei Millionen Pilger aus aller Welt seien extra zur Bestattung des Heiligen Vaters nach Rom gereist. Insgesamt drei, nach manchen Angaben sogar vier Millionen Menschen hätten in der italienischen Hauptstadt dem verstorbenen Papst die letzte Ehre erwiesen. Hunderte Millionen auf allen Kontinenten hätten für ihn gebetet. "Historische Beisetzung", schrieb die Deutsche Presse-Agentur, "Größte Trauerfeier der Geschichte" titelte die Tageszeitung Die Welt. Superlative über Superlative.

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Lassen wir die Kirche im Dorf. Unbestritten hat nur selten eine Veranstaltung der römisch-katholischen Kirche innerhalb so kurzer Zeit derart große Menschenmengen mobilisiert wie diese. Zur Seligsprechung von Mutter Teresa vor anderthalb Jahren fanden sich "nur" 300 000 Menschen in Rom ein, und das Ereignis war - anders als das Ableben des Papstes - lange vorher terminiert. Insofern darf die Beisetzung von Johannes Paul II. durchaus als Zeichen dafür gelten, welchen Aufmerksamkeitswert gerade dieser Papst genoss - sowohl als Religionsführer für die Anhänger seines Glaubens als auch als Medienstar, der es verstand, mit der Schaulust der weniger oder gar nicht Religiösen virtuos umzugehen.

Blickt man jedoch über die engen Grenzen des christlich-abendländischen Kulturkreises hinaus, ist es mit der vermeintlichen Einzigartigkeit des römischen Spektakels vom Freitag schnell vorbei. Als am 28. September 1970 völlig überraschend der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser einem Herzanfall erlag, strömten schätzungsweise zehn Millionen seiner Landsleute nach Kairo, um von ihm Abschied zu nehmen. Wer ohne Superlative nicht auszukommen glaubt, hier fände er tatsächlich einen, der nicht einmal nach Stalins oder Maos Tod überboten wurde.

Rom allein hat fast drei Millionen Einwohner, Italien rund 57 Millionen, Zigtausende Touristen sind auch ohne Papst-Begräbnis täglich zwischen Engelsburg und Trevi-Brunnen unterwegs. Daran zu erinnern, macht die Schar der Trauernden vom Freitag nicht nachträglich kleiner. Es stellt aber die Zahlen in einen angemessenen Rahmen.

Denn auch wenn sich in Rom Menschen aus vermutlich an die 200 Nationen ein Stelldichein gaben - in erster Linie war die Beisetzung Johannes Pauls II. zwangsläufig eine italienische Angelegenheit. Lediglich aus Wojtylas Heimat Polen war ein größerer Zustrom von Trauergästen zu beobachten. Die wenigen Spanier, Franzosen oder Deutschen, die sich nur des Verstorbenen wegen auf den Weg nach Rom gemacht hatten, fielen dagegen kaum ins Gewicht.

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An den Gedenkfeiern, die in ausländischen Metropolen am Freitag für den Verstorbenen abgehalten wurden, beteiligten sich in den meisten Fällen - Polen abermals ausgenommen - nur einige tausend Menschen. Wenn des Papstes gedacht wurde, dann vor allem vor dem Fernsehschirm. Das Bedürfnis, öffentlich Trauer zu bekunden, war vergleichsweise gering, oder es war bereits in den vergangenen Tagen befriedigt worden.

Der Prunk, mit dem sich einst chinesische Kaiser zu Grabe tragen ließen, lieferte ihren Untertanen noch über Jahre hinweg Gesprächsstoff. Die Fernsehbilder des am Freitag noch als "historisch" gepriesenen Leichenbegängnisses werden schon am Sonnabend veraltet sein, wenn im englischen Windsor eine Hochzeit ansteht. Auch dann wird ein Milliardenpublikum vor den Bildschirmen erwartet. Die Show muss weitergehen.

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