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Stellvertreterkrieg am Mittelmeer 18. Juli 2006. Israel setzt seine Angriffe sowohl
im Libanon als auch in Gaza unvermindert fort. Die libanesische Hisbollah schießt
weiterhin Raketen auf israelische Ziele ab. Im Mittelmeerland Libanon und in Gaza sind
große Teile der Infrastruktur zerstört. Mehr als 200 Libanesen sind gestorben, rund
Was will Israel erreichen? Die libanesische Hisbollah hatte wiederholt Raketen auf israelische Orte gefeuert. Mit dem Überfall auf eine israelische Patrouille, bei dem acht Soldaten getötet und zwei Soldaten entführt wurden, provozierte sie die anhaltende Militäroffensive. Die Regierung von Ehud Olmert und der Generalstab haben sich mehrere Ziele gesetzt: Die Freilassung der Geiseln und die Zerstörung der Hisbollah, insbesondere ihres Militärpotenzials. Libanons Bevölkerung soll sich gegen die Hisbollah wenden und diese als Machtfaktor ausgeschaltet werden. Die israelische Reaktion wird jedoch auch damit erklärt, dass der Generalstab das Ansehen des Militärs wieder her stellen will, das sie durch die Angriffe der Islamisten beschädigt sah. Welche Ziele verfolgt die Hisbollah? Die Hisbollah entstand nach der Besetzung des Südlibanon durch Israel 1982. Nach dem Abzug der Israelis 2000 rechtfertigte sie ihre Angriffe mit dem Kampf um die Rückgabe eines kleinen Gebietes um die sogenannten Sheba-Farmen. Den aktuellen Konflikt begründete die Hisbollah damit, dass sie die Freilassung von Libanesen und Palästinensern aus israelischer Haft erreichen wolle. Die Aktion wird als eine Geste der Solidarität gegenüber der Hamas gewertet: Nach der Entführung eines israelischen Soldaten durch die Hamas begann Israel die Offensive Sommerregen im Gaza-Streifen. Vermutet wird zudem, dass die Hisbollah testen wollte, wie die Regierung unter dem neuen Premier Ehud Olmert reagieren wird. Von wem erhält Hisbollah ihre Befehle und Waffen? Iran hat die Hisbollah mit begründet und finanziell sowie militärisch unterstützt. Auch Syrien leistete Hilfestellung - obwohl Damaskus durch Islamisten im eigenen Land bedrängt wird. Hisbollah hat sich jedoch inzwischen von Syrien und Iran emanzipiert, sie ist nach Ansicht von Experten kein reiner Befehlsempfänger. Was jedoch verbindet, ist der Kampf gegen Israel. Welche Chance hat Israel, die gesteckten Ziele zu erreichen? Aus der Sicht der israelischen Militärs bietet sich zwar die einmalige Chance, gegen die Hisbollah vorzugehen. Viele Libanesen distanzieren sich derzeit auch von der Hisbollah. Aber langfristig wird nach Ansicht von Experten der gegenteilige Effekt hervorgerufen: Je mehr zerstört wird, je mehr Menschen sterben, um so mehr sehen sich die Libanesen als Opfer Israels. Die Zentralregierung wird nicht gestärkt, sondern geschwächt: Sie war nicht fähig, die Hisbollah zu entwaffnen sowie die Armee an der Grenze zu Israel zu stationieren. Kann der Konflikt übergreifen? Eine Eskalation ist unwahrscheinlich, es sei denn, es kommt zu einem unglückseligen Zwischenfall. Syrien möchte zwar, dass der Nahost-Konflikt wieder auf die Agenda kommt - und damit auch die Zukunft der von Israel besetzten Golanhöhen. Doch aus dem aktuellen Konflikt will sich Syrien heraushalten. Israel hat kein Interesse, an einer dritten Front zu kämpfen. Die Schuld an der Eskalation wird der libanesischen Regierung gegeben, Syrien und Iran werden nur in Nebensätzen genannt. Iran bestreitet, direkt mit der Aktion der Hisbollah zu tun zu haben. Verbal jedoch provoziert die Führung: Parlamentschef Gholamali Haddadadel erklärte beie einer Demonstration, der Krieg gegen Israel zur Befreiung des palästinensischen Volkes habe erst begonnen. Und Staatspräsident Ahmadinedschad fügte hinzu: "Israel steht kurz vor dem Zusammenbruch." Welche Interessen hat der Iran in dem Konflikt? Iran sieht die Chance, dass die Vorgänge in Gaza und Libanon die Aufmerksamkeit vom Atomstreit ablenken und dass der Druck, den der Westen in dieser Frage auf Teheran ausübt, nachlässt. Außerdem benutzt Iran den Nahostkonflikt, um sich als Sachwalter moslemischer Interessen darzustellen. Welche Ansätze für eine Lösung wären denkbar und praktikabel? Ein Kompromiss ist derzeit wenig wahrscheinlich. Die Regierung in Beirut kann nichts tun, weil sie nicht über die entsprechenden Mittel verfügt. Das vorrangigste Ziel muss sein, einen Waffenstillstand zu erzwingen. Beide Seiten wollen oder können dies derzeit nicht. Nur eine dritte Kraft kann das erreichen: die USA, die EU und/oder die Uno. Die Stationierung einer internationalen Truppe wäre der erste Schritt, um die kämpfenden Parteien auseinander zu halten. Sie müssen auf unbestimmte Zeit bleiben. Parallel dazu müssen Verhandlungen im Rahmen einer umfassenden Nahostkonferenz aufgenommen werden. Die Alternative dazu: Die Kämpfe gehen weiter bis zur Erschöpfung beider Seiten. Wie sehen die militärischen Kräfteverhältnisse aus? Israel verfügt über Streitkräfte mit einer Stärke von 186 500 Soldaten (mit aktiven Reservisten). Die Bewaffnung setzt sich zusammen aus 3 960 Kampfpanzern, 405 Kampfflugzeugen und 209 Helikoptern. Dazu kommen 3 Korvetten, 3 U-Boote und 10 Schnellboote. Israel soll bis zu 200 Atombomben und Trägersysteme besitzen. Libanon hat 72 100 Soldaten unter Waffen und verfügt über 240 Kampfpanzer, 5 Kampfjets, 16 Helikopter und 20 Schnellboote. Dazu kommen die Hisbollah-Milizen, schätzungsweise 10 - 20 000 Mann. Die stärkste Waffe der Hisbollah sind ihre Raketen, angeblich 13 000 Stück. Größtenteils soll es sich um Katjuschkas mit 20 beziehungsweise 35 Kilometern Reichweite handeln, es soll aber auch weiter reichende Flugkörper geben. Die Fadrschr-3 hat 45 Kilometer Reichweite, die Fadschr-5 kann Ziele bis zu 75 Kilometer Entfernung treffen. Syrien besitzt Streitkräfte von 380 000 Mann Stärke (inklusive aktive Reservisten). Bewaffnung: 3 500 Kampfpanzer, 559 Kampfflugzeuge und 218 Helikopter. Die Marine besitzt 2 Korvetten und 8 Schnellboote. Iran verfügt über Streitkräfte mit einer Stärke von 400 000 Mann; hinzu kommen 120 000 Mann in den Revolutionsgarden. Bewaffnung: 1 682 Kampfpanzer, 288 Kampfjets, 397 Hubschrauber. In den Häfen liegen 5 Korvetten, 3 U-Boote und 37 Schnellboote. Seit 2004 verfügt der Iran über die Rakete Shahab-4. Mit einem Radius von 2 000 Kilometern könnten sie auch Israel erreichen. Atomwaffen besitzt der Iran nicht. Nach US-Geheimdienstinformationen ist das Land auch nicht in der Lage, in nächster Zukunft solche Waffen zu bauen. Letzte Aktualisierung: 20.07.2006, 11:12 Uhr |
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