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Südamerikanische Union    

Im Gespräch war auch der Name "Vereinigte Staaten von Südamerika". Bis auf weiteres aber geben sich die Akteure bescheiden: Südamerikanische Union soll der Integrationsblock heißen, den am 09.12.2004 die Staatschefs beziehungsweise ihre Stellvertreter aus allen zwölf Staaten Südamerikas im peruanischen Provinzstädtchen Ayachucho gründen werden. Zwischen der Karibikküste und Feuerland soll im Laufe der nächsten Jahre und Jahrzehnte der weltweit drittgrößte Regionalverbund nach der EU und der Nordamerikanischen Freihandelszone (Nafta) wachsen. 350 Projekte zum Auf- und Ausbau der Infrastruktur sind bereits vorgezeichnet, eine neue Entwicklungsbank soll den durchweg von hohen Auslandsschulden geplagten Mitgliedstaaten die nötigen Mittel zur Verfügung stellen.

Ort und Zeitpunkt der Gründungszeremonie sind - wie sollte es anders sein - mit historischer Symbolik befrachtet. In der Nähe von Ayacucho zerschlug am 9. Dezember 1824 eine kontinentale Streitmacht, in der Gauchos vom Río de la Plata Seite an Seite mit einheimischen Truppen und Lanzenreitern aus Venezuela kämpften, das letzte große spanische Kolonialheer in Südamerika. Genau 180 Jahre später wollen die zwölf Regierungen nun am selben Ort zu der damaligen, seither nie wieder erreichten Einheit zurückfinden. Die Union werde mehr sein als nur eine Freihandelszone: "eine echte Gemeinschaft der Nationen, die mit der Zeit ihre eigene Währung, ihr eigenes Parlament und ihre eigenen Gerichte haben wird", wie es Argentiniens Ex-Präsident Eduardo Duhalde, einer der Konstrukteure des Projekts, formulierte.

Treibende Kraft hinter den Integrationsbemühungen ist ein weiteres Mal Brasilien unter Präsident Lula da Silva. Bis ins letzte Viertel des vergangenen Jahrhunderts hinein hatte das einzige portugiesisch-sprachige Land des Kontinents, das allein 40 Prozent der südamerikanischen Wirtschaftskraft stellt, noch versucht, im Alleingang unter die Führungsmächte der Welt aufzusteigen. Das hatte zu heftigen Spannungen vor allem mit dem Nachbarn Argentinien geführt, der seinerseits eine Führungsrolle für das spanisch-sprachige Südamerika anstrebte. Zum Ziel kam - es bedarf kaum der Erwähnung - keiner der beiden Kontrahenten.

Aus der Erfahrung klüger geworden, setzten die einstigen Rivalen auf Kooperation. 1991 gründeten sie zusammen mit Uruguay und Paraguay den Gemeinsamen Südamerikanischen Markt (Mercosur). Dessen Stunde der Bewährung schlug zur Jahreswende 2001/2002, als Argentinien in die tiefste wirtschaftliche, politische und soziale Krise seiner Geschichte stürzte und binnen 14 Tagen drei Präsidenten verschliss. Für den großen Nachbarn wäre es ein Leichtes gewesen, das Chaos auszunutzen, doch Brasilien widerstand der Versuchung und lud sich durch eine behutsame Wechselkurspolitik einen Teil der argentinischen Last selbst auf. Diese Solidarität hat man in Buenos Aires bis heute nicht vergessen.

Die Führungsrolle Brasiliens und des Mercosur für die weiteren Integrationsschritte wird auch im anderen bereits bestehenden Regionalverbund, der Andengemeinschaft aus Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Peru und Venezuela, stillschweigend anerkannt. Ihnen hat Lula den Beitritt zum neuen Block mit wirtschaftlichen Zugeständnissen schmackhaft gemacht. Sehr zum Ärger der eigenen Industrie verpflichtete er sich, die brasilianischen Einfuhrzölle für fast alle Produkte aus der Andengemeinschaft binnen fünf Jahren abzubauen, während diese Staaten insgesamt 15 Jahre Zeit erhielten. Brasilien lässt sich die "geopolitische Fiktion", wie das konservative Blatt O Estado de São Paulo am Dienstag die Südamerikanische Union wütend titulierte, einiges kosten.

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