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Wenn der Mississippi rückwärts fließt 22.06.2005. Im Süden der USA, nur etwa fünfzig Kilometer von der Millionenstadt Memphis entfernt, steht die Erdkruste unter starker Spannung. Normalerweise ist das nur in Regionen zu beobachten, wo im Untergrund Kontinentalplatten gegeneinander schrammen. Das untersuchte Gebiet liege aber fernab von Plattengrenzen, schreiben Forscher um Robert Smalley von der University of Memphis im Fachmagazin Nature. Ihren Berechnungen zufolge ist im Süden des Bundesstaates Missouri etwa alle fünfhundert Jahre mit einem Erdbeben der Magnitude 7,6 oder mehr zu rechnen. Das letzte Beben liegt knapp zweihundert Jahre zurück. 1811 wurde die Gegend um die Stadt New Madrid von drei verheerenden Erdstößen heimgesucht. Der Mississippi floss danach zeitweise rückwärts. Wie groß die Gefahr ist, dass sich ein solches Beben in der nun dicht besiedelten Gegend wiederholt, war lange Zeit unklar. Geologische Untersuchungen zeigten zwar, dass es in den vergangenen 2 000 Jahren drei bis vier ähnlich starke Beben gegeben hat. Erste GPS-Messungen vor einigen Jahren ergaben keinen Hinweis auf Bewegungen in der Erdkruste. Das Team um Smalley wertete nun weitere GPS-Daten aus, die über vier Jahre hinweg aufgezeichnet worden waren. Sie ergaben, dass die Orte auf beiden Seiten der Störungszone sich etwa drei Millimeter pro Jahr aufeinander zu bewegen. Die dadurch aufgebaute Spannung liege in der gleichen Größenordnung wie bei der San-Andreas-Verwerfung in Kalifornien. Smalley vermutet, dass die jetzigen Bewegungen Nachwehen des Bebens von 1811 sind. Andere Forscher führen die Erdbeben von New Madrid auf die Entlastung der Erdkruste nach dem Schmelzen der Eiszeitgletscher zurück. Die Gletscher drangen vor zwanzigtausend Jahren bis nach Illinois vor, das nördlich von Missouri liegt. Nature, Bd. 435, S. 1037 und 1088 |
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