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THEORIE
Frühe Erde war feucht und kühl
09.05.2005. Die junge Erde, so die
verbreitete Meinung, war ein Glutofen heißen Gesteins. Forscher aber haben jetzt neue
Beweise für die Theorie vorgelegt, dass die Erde schon kurz nach ihrer Entstehung
Kontinente und große Ozeane besessen hat.
In ihrer Jugendzeit war die Erde, so glauben zumindest die meisten
Wissenschaftler, ein äußerst ungemütlicher Ort. Die geodynamischen Gewalten tobten,
Radioisotope setzten durch Zerfall große Energien frei, Meteoriten schlugen in schöner
Regelmäßigkeit Krater in den jungen Planeten. Die Entstehung einer stabilen Kruste war
unter diesen Umständen kaum möglich, so die gängige Meinung.
Doch im Hadaikum, dem ersten Erdzeitalter vor rund 4,6 bis 4 Milliarden Jahren, könnte es
durchaus auch mild zugegangen sein, lautet eine unter Geologen kontrovers diskutierte
These. Zwei Forscher stellen in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts "Science"
nun neue Daten vor, denen zufolge die Erde schon 200 Millionen Jahre nach ihrer Entstehung
ähnlich ausgesehen haben soll wie heute.
Bruce Watson vom Rensselaer Polytechnic Institute in Troy (USA) und Timothy Harrison von
der Australian National University in Canberra haben mit einem neu entwickelten Messgerät
die Kristallisationstemperatur von westaustralischen Zirkonkristallen gemessen.
Zirkonkristalle sind die ältesten bekannten Materialien der Erde, 400 Millionen Jahre
älter als die ältesten Gesteine. Sie geben deshalb einen guten Einblick in die früheste
Zeit der Erdgeschichte und wurden bereits dazu genutzt, die Entstehung und Bewegung der
Kontinente und Ozeane zu datieren.
Die Messungen von Watson und Harrison ergaben, dass sich der Zirkon bei Temperaturen von
ungefähr 700 Grad Celsius gebildet hat. "Das ist nicht mehr zu unterscheiden von den
Temperaturen, unter denen sich granitoider Zirkon heutzutage bildet", schreiben die
Wissenschaftler. Schon im Hadaikum müsse deshalb ein "regulierter Mechanismus"
zur Entstehung zirkonhaltigen Gesteins existiert haben.
Das bedeute, dass die Erde etwa 200 Millionen Jahre nach der Entstehung des Sonnensystems
feucht und womöglich sogar von Ozeanen bedeckt war, schreiben die Forscher in
"Science" (Bd. 308, S. 841). Schon vor 4,35 Milliarden Jahren bildeten sich
demnach Kontinentalplatten heran. Auch Lebewesen hätten unter diesen Umständen bereits
sehr früh entstehen können.
Quelle: Der Spiegel |
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