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Die geteilte Insel der Liebesgöttin

Thomas Schmid

02.09.2008. Die Insel ist zwar nur halb so groß wie Sachsen und hat nur eine Million Einwohner. Doch beschäftigt Zypern die Weltpolitik seit 44 Jahren. Nach bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen griechischen und türkischen Zyprioten wurden 1964 Blauhelme auf der Mittelmeerinsel stationiert. Die Insel ist seit 1974, seit der Invasion türkischer Truppen, die auf einen Putsch der griechischen Seite folgte, geteilt. Heute beginnen nun direkte Gespräche zwischen beiden Seiten, und die Chancen auf eine Wiedervereinigung der Insel standen noch nie so gut wie heute. Doch es gibt noch viele Hürden. Und allzu oft wurden Hoffnungen enttäuscht.

Jahrzehntelang scheiterte jeder Versuch, einen gemeinsamen Staat wiederherzustellen, an der türkischen Seite. Rauf Denktasch, langjähriger Präsident der international nicht anerkannten "Türkischen Republik Nordzypern", lehnte jeden Kompromiss ab. Doch dann sprachen sich im April 2004 bei einer Volksabstimmung im türkischen Norden 65 Prozent für den vom damaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan ausgehandelten Plan zur Wiedervereinigung der Insel aus. Offensichtlich hofften viele türkische Zyprioten, auf diesem Weg EU-Bürger zu werden.

Aber im griechischen Teil der Insel, der immer auf eine Wiedervereinigung gedrängt hatte, sprach sich am gleichen Tag überraschend eine Mehrheit gegen den UN-Plan aus. Eine Woche danach wurde Zypern als geteilter Staat in die EU aufgenommen. Völkerrechtlich gibt es zwar nur ein Zypern, und die griechisch-zypriotische Regierung ist formal für die ganze Insel zuständig. Doch hat sie im Norden nichts zu sagen. Dort sind über 40 000 Soldaten aus der Türkei stationiert. Nordzypern gilt völkerrechtlich als besetzter Teil Zyperns.

Das Zypernproblem ist auch eines der wichtigsten Hindernisse für einen Beitritt der Türkei zur EU. Diese wird nie akzeptieren, dass ein beitrittswilliges Mitglied einen Teil eines EU-Staates besetzt hält.

Im Februar dieses Jahres änderte sich die Situation erneut. Im griechischen Teil gewann Dimitris Cristofias von der linken Akel die Präsidentschaftswahlen und löste den Nationalisten Tassos Papadopoulos ab. Auf der türkischen Seite hatte Mehmet Ali Talat zwei Jahre zuvor den Betonkopf Denktasch abgelöst. Zum ersten Mal werden seither beide Teile der Insel von Präsidenten regiert, die sich explizit für eine Wiedervereinigung starkmachen. Im Frühling wurde im Zentrum der geteilten Hauptstadt Nikosia, gleich neben einer Bar, die den Namen Checkpoint Charlie trägt, ein neuer Übergang eröffnet.

Doch der Weg zum angepeilten bizonalen Staat mit einheitlicher Staatsbürgerschaft und einheitlicher Währung ist steinig, und der Teufel steckt im Detail. Umstritten sind die Grenzziehung, die Flüchtlingsrückkehr und vor allem die Rückgabe von Eigentum.

Der größte Widerstand gegen eine Wiedervereinigung der Insel kommt allerdings aus Ankara. Laut Verfassung Nordzyperns ist für dessen Sicherheit die Armee der Türkei verantwortlich. Dem Oberbefehlshaber der türkischen Soldaten auf der Insel ist die türkisch-zypriotische Polizei unterstellt. Der politische Handlungsspielraum des türkisch-zypriotischen Präsidenten ist durch die Interessen der türkischen Schutzmacht begrenzt. Der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan, der sein Land EU-tauglich machen will und deshalb die Wiedervereinigung Zyperns akzeptiert, wird von den kemalistischen Generälen bekämpft, die eine islamistischen Gefahr beschwören. Zypern, die Insel der Aphrodite, der Göttin der Liebe, ist damit, wie so oft in seiner Geschichte zum Faustpfand externer Mächte geworden.

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