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Ein Sünder in Rom 
Der Vatikan suspendiert Kurienprälat Stenico, weil er - vielleicht - homosexuell ist. Ein Lehrstück

Kordula Doerfler

14.10.2007. Die Geschichte hat alle Ingredienzien, die einen saftigen Skandal ausmachen, im erzkatholischen Rom noch dazu. Da gibt ein katholischer Priester vor laufender Kamera, wenn auch mit verfälschter Stimme und abgewandtem Gesicht, zu, Homosexualität nicht als Sünde zu betrachten. Mehr noch,: Er macht keinen Hehl daraus, dass er von sich selbst spricht. Drei weitere Geistliche bekennen sich zu ähnlichen Verfehlungen. Das Video, ausgestrahlt vor einigen Wochen auf einem Privatsender, sorgte zunächst nicht für allzu viel Aufsehen, obwohl es ein Tabu berührte.

Hinter den Mauern des Vatikans aber brach Hektik aus. Denn der Sündige wurde von Kollegen identifiziert, und das blieb nicht geheim. Der Heilige Stuhl bestätigte am Sonnabend, ein ranghohes Mitglied suspendiert und eine Untersuchung eingeleitet zu haben. Man werde den Fall mit der "gebotenen Diskretion und mit Respekt vor der Person behandeln, auch wenn diese Person Fehler begangen hat", hieß es offiziell. Schließlich geht es heute im Kirchenstaat anders zu als zur Zeit der Renaissance-Kardinäle, deren Hang zu sehr weltlichen Vergnügungen der Schriftsteller Luigi Malerba in seinem Roman "Le Maschere" (Die nackten Masken) höchst unterhaltsam beschreibt.

Alle Diskretion war vergebens. Wenig später wurde bekannt, um wen es sich handelt: Monsignore Tommaso Stenico, seit 36 Jahren im Dienst der Kirche, ein Kurienprälat dazu! Genüsslich breiteten die Zeitungen die Geschichte aus. Denn mit Homosexualität in den eigenen Reihen tut sich die katholische Kirche noch immer schwer. Gewiss, es gibt seit zwei Jahren eine achtseitige "Instruktion" über die Weihe von "Personen mit homosexuellen Tendenzen". Dort heißt es, man könne "jene nicht für das Priesterseminar und zu den heiligen Weihen zulassen, die Homosexualität praktizieren, tief sitzende homosexuelle Tendenzen haben oder eine sogenannte homosexuelle Kultur unterstützen".

Geklärt ist damit nicht viel, das Thema bleibt ein Tabu - zumal in Italien, wo die Kirche gegen die Legalisierung von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften Sturm läuft. Auch die Hoffnung, die delikate Angelegenheit aus der Welt geschafft zu haben, erwies sich als trügerisch: Der Suspendierte bestreitet mittlerweile nicht nur, homosexuell zu sein. Er behauptet sogar, bewusst Kontakte zum Milieu aufgenommen zu haben, um eine Attacke gegen die Kirche abzuwehren - und dabei sei er in eine Falle gelaufen. Er wisse von einem "diabolischen Plan von satanischen Gruppen", die es auf Priester abgesehen hätten. Ein Kreuzzug gegen dunkle Mächte also? Er habe auf das Problem der Homosexualität aufmerksam machen wollen, sagt der Monsignore. Dieses Ziel zumindest hat er erreicht.

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