banner_klein.jpg (6301 Byte)

Themen

Afrika
Amerika
Asien
Australien
Europa

Albanien
Andorra
Belgien
Bosnien
Bulgarien
Dänemark
Deutschland
Estland
Finnland
Frankreich
Griechenland
Großbritannien
Irland
Island
Italien
Kosovo
Kroatien
Lettland
Liechtenstein
Litauen
Luxemburg
Malta
Mazedonien
Moldawien
Monaco
Montenegro
Niederlande
Norwegen
Österreich
Polen
Portugal
Rumänien
Russland
San Marino
Schweden
Schweiz
Serbien
Slowakei
Slowenien
Spanien
Tschechien
Türkei
Ukraine
Ungarn
Vatikanstadt
Weißrussland
Zypern


"Warum nach Ungarn fahren?" 
Zwanzig Jahre nach der Grenzöffnung ist das Nachbarland für die Österreicher kaum von Interesse

Norbert Mappes-Niediek

27.06.2009.

Die Sonne scheint kräftig, und tüchtig lässt die Stadtkapelle Tuba und Trompete über den blumengeschmückten Hauptplatz von Jennersdorf dröhnen. Gleich drei Justizminister sind zu begrüßen: die von Österreich, Ungarn und Slowenien. Im Gasthaus eröffnen sie das "Symposium pannonischer Juristen", das neunzehnte schon. Juristen und Bläser kriegen Wiener Schnitzel mit Salat. Die Bedienung im Café um die Ecke kommt aus Szentgottard jenseits der Grenze und fährt täglich "zehn, zwölf Minuten" nach Jennersdorf. Das Töchterchen, siebeneinhalb, lernt schon Deutsch in der Schule. Alles geht leicht - zwanzig Jahre nachdem wenige Kilometer östlich von hier ungarische Grenzer die letzten Stacheldrahtverhaue zum österreichischen Nachbarn abbauten. Und doch ist alles ein bisschen anders gekommen als erwartet.

Für Joachim Tajmel, der hier groß geworden ist, war das Land jenseits des Grenzzauns immer interessant. "Mein Vater fuhr in den Siebzigerjahren schon rüber", erzählt der 50-Jährige, "Herbizide kaufen." Man kam hin, brauchte aber einen Anlass - und wegen der umständlichen Kontrollen meistens auch einen ganzen Tag.

Mit sechzehn fuhr Tajmel mit dem Fahrrad zum Plattensee. Fremd und auch ein wenig unheimlich war es: "Da sind wir kilometerlang an Abstellplätzen der sowjetischen Armee entlanggefahren." 1989, als die Grenze aufging, "passierte hier in Jennersdorf gar nichts", erinnert er sich. Man fuhr allerdings öfter rüber und kaufte den Ungarn den Käse weg - anfangs sehr zu deren Verdruss.

Solche Irritationen gibt es heute kaum noch, aber auch kaum noch Interesse. Vor anderthalb Jahren ist der Kontrollpunkt verschwunden. Rübergefahren wird eher weniger. Tajmels Sohn, heute 20, hatte eine Geigenlehrerin von drüben, die ihre Schüler aus Österreich und Ungarn regelmäßig einlud. "Aber entwickelt hat sich da nichts", wundert sich der Vater; der Sohn orientiert sich eher nach Westen - genau wie die Ungarn auch. Bei organisierten Treffen riecht es immer ein wenig nach "Delegation" und "Völkerfreundschaft". "Der Friseur, die Kosmetikerin, der Zahnarzt sind für die Jennersdorfer noch die wichtigsten Gründe, über die Grenze zu fahren", sagt Vater Tajmel. Die Preise, sogar die Geschäfte, sind hüben und drüben inzwischen gleich. Warum also nach Ungarn fahren?

In diesen Wochen macht der Grenzverkehr in Österreich wieder Schlagzeilen. In Wien ist die Zahl der Hauseinbrüche in den vergangenen fünf Monaten um 70, in der Steiermark um 48 Prozent gestiegen. "Es sind zurzeit vor allem Banden aus Rumänien, Georgien, Moldawien", sagt Helmut Greiner vom Bundeskriminalamt. Auch Jennersdorf war betroffen: Eine Gang aus Rumänien montierte die gesamte EDV-Anlage der Hauptschule ab.

Die Forderung der Rechtsparteien, die Grenze wieder dicht zu machen, stößt trotzdem auf wenig Widerhall. Die rumänische Bande wurde geschnappt - per Schleierfahndung. Aber ganz so wie früher ist es nicht mehr. "Früher hat hier niemand die Haustür abgeschlossen", erzählt Joachim Tajmel. "Umstellen mussten wir uns schon."

Der Grenzraum, hat der Wiener Wirtschaftshistoriker Dieter Stiefel analysiert, litt früher an der Grenze und leidet heute an der Öffnung. Statt in ostösterreichischen Kleinstädten zu investieren, gehen die Unternehmer lieber gleich über die Grenze. Eine Weile boomte hier der Handel, weil Ungarn, Tschechen und Slowenen einkaufen kamen. Aber jetzt haben sie ihre eigenen Verbrauchermärkte.

Wo die Nachbarn dies- und jenseits der Grenze sich gegenseitig brauchen, nutzen sie einander. Wo nicht, haben sie wenig miteinander zu tun. Streit gibt es selten. "Aber dass jetzt zusammenwachsen würde, was zusammengehört", sagt Beatrix Vreca, die als Historikerin im nahen Bad Radkersburg das Stadtmuseum managt, "das kann man vergessen."

Zurück nachoben.gif (60 Byte)

Wörterbuch
Synonyme
Woxikon - Online Wörterbuch

a
Navigation


Web erdkunde-wissen.de

Allgemeine Informationen
Link-Datenbank
Kommentierte Links

Pol. System, Einreise & Botschaften
Währung
Klima, Flora & Fauna
Geographie & Fahne
Geschichte & Gegenwart
Bevölkerung
Wirtschaft & Militär
Industrie, Rohstoffe & Landw.
Außenwirtschaft
Verkehr, Umwelt & Energie
Wohlstand & Sicherheit
Entwicklungshilfe
Reiseinformationen

Bildung, Soziales & Kultur
Essen & Trinken
Hintergrundberichte
Medien & Kommunikation

Literatur
Länderfotos
Nationalhymnen

--> Erdkunde
--> Service
--> Seiteninternes

Kommunikation
Gästebuch
Kontakt
Impressum
Suchmaschine

Google
Web http://www.erdkunde-wissen.de

(C) erdkunde-wissen.de. Konzept, Gestaltung und Redaktion: erdkunde-wissen.de. Nachdruck, Weiterverarbeitung, Weitergabe an Dritte sowie Veröffentlichung nur mit schriftlicher Genehmigung. Keine Haftung für falsche Angaben, keine Gewähr über die Richtigkeit der Informationen. Haben Sie Fragen, Anregungen oder Kritik? Mailen Sie uns einfach.