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Problem in Springerstiefeln

Frank Herold

03.06.2009. Viktor Orban, der Chef der rechtskonservativen Fidesz-Partei, hat unmittelbar vor den Europawahlen zwei Probleme. Das eine sind die Umfragen, das andere sind Geister, zu deren Erscheinen er selbst beigetragen hat und die inzwischen zu Monstern herangewachsen sind.

Nach dem Fiasko der Linken, die Ungarn mit ihrem wirtschaftsliberalen Kurs in den Staatsbankrott manövrierte, steht die Fidesz-Partei vor einem erdrutschartigen Sieg. Die Umfragen sehen sie zwischen 60 und 70 Prozent. Orban treibt nun die Sorge um, viele seiner Wähler würden zu Hause bleiben, weil die Rechte ja sowieso gewinnt. So könnte der Sieg unter Umständen doch nicht überwältigend genug ausfallen, um Orbans Lieblingsidee zu verwirklichen: vorgezogene Neuwahlen zum Sturz der Linken.

Das zweite Problem trägt Springer-Stiefel und schwarze T-Shirts, die Großungarn zeigen - also mit Regionen, die heute in der Slowakei, der Ukraine, Rumänien und Serbien liegen. Es sind die Anhänger einer faschistoiden Partei, die sich "Bewegung für ein besseres Ungarn" oder kurz "Jobbik" nennt. Ihre Kandidaten haben gute Chancen, ins Europaparlament einzuziehen.

Im Stil unterscheidet sich die extreme Rechte von der "Salonrechten" Orbans. Bei den Inhalten ist die Trennung weit weniger scharf. Mehr noch: Der 1963 geborene Orban, der seine Karriere in Wendezeiten als politisches Wunderkind der liberalen Budapester Intelligenzia begann, führte seine Fidesz rasch nach rechts in einen autoritären, radikalen Antikommunismus. In seinem Kampf gegen die Linke ist ihm fast jedes Mittel recht: Populismus ebenso wie Flirts und Bündnisse mit Rechtsaußen. Deutlich wurde das 2006 bei den Feiern zum 50. Jahrestag des Ungarn-Aufstandes. Damals demonstrierten Fidesz und Jobbik Schulter an Schulter.

Im Augenblick, kurz vor der Abstimmung, meidet Orban die Nähe. Auch er wäre auf die Milliarden der EU angewiesen, um das Land zu konsolidieren. Eine Partei, die die EU schmäht und offen xenophob und antisemitisch wie "Jobbik" ist, kann er deshalb an seiner Seite vorübergehend nicht brauchen.

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