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Ukraine bedeutet Grenzland. Es bildete den Kern des ersten slawischen Staates, der Kiewer Rus (9. bis 12. Jahrhundert). Unter Jaroslaw dem Weisen (1024 bis 1054) erlebte das Reich seine Blütezeit, zerfiel danach in kleine Fürstentümer, die dem Ansturm der Mongolen im 13. Jahrhundert machtlos gegenüberstanden. Die Herrschaft der Goldenen Horde wurde durch Polen und Litauer im 14. und 15. Jahrhundert beendet. Mit der Union von Brest 1596 wurde neben der orthodoxen eine griechisch-katholische Kirche geschaffen. Diese konfessionelle Teilung des Ukrainertums wirkt bis heute nach. Aufstände ukrainischer Kosaken gegen Polen führten zum Bündnis mit Rußland, das den Schutzvertrag von Perejaslawl 1654 als "ewige" Untertanenschaft der Ukrainer auslegte. Das Land wurde mehrmals geteilt: zwischen Polen-Litauen und Rußland 1667,; infolge der polnischen Teilungen (1772, 1793 und 1795) fällt der Hauptteil an Rußland, die Westukraine an Österreich-Ungarn. Die 1918 proklamierte unabhängige Ukrainische Republik mußte auch Sowjetrußland im Vertrag von Brest-Litowsk anerkennen. 4 nationale Regierungen kämpften mit den Bolschewiki bis zum Ende des Bürgerkrieges 1920. Im Frieden von Riga 1921 fiel die Westukraine an Polen bis 1939, der östliche Teil war schon 1920 mit der Sowjetmacht verbündet und war 1922 Gründungsmitglied der UdSSR. Widerstand und Opposition im Land erstickte Stalin in den 30er Jahren gnadenlos mit Deportationen, Hinrichtungen und der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft (etwa 6 Millionen Tote). Im Zweiten Weltkrieg wurden 2 Millionen Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt. Der Holocaust setzte der jahrhundertealten Geschichte der ukrainischen Juden ein Ende. Die Deutschen hinterließen ein zerstörtes Land mit Millionen Kriegsopfern. Um den ukrainischen bewaffneten Widerstand gegen die Sowjetisierung zu brechen, befahl Stalin abermals Verhaftungen, Hinrichtungen und Deportationen. 1945 arrondierte Moskau das Staatsgebiet durch die vormals ungarische Karpato-Ukraine und schenkte dem Land 1954 die Krim. Der GAU von Tschernobyl 1986 richtete das Interesse der Welt auf die Ukraine. Mit der Perestroika formierten sich nationale Oppositionsgruppen. Ukrainisch wurde 1990 Staatssprache. 1991 erklärte das Land seine Unabhängigkeit, die KP wurde verboten. Erster gewählter Präsident wurde der Vorsitzende des Obersten Sowjet, Leonid Krawtschuk. Bis 1994 war der Westen primär an der Abrüstung der im Land gelagerten 176 Interkontinentalraketen interessiert. Die Ratifizierung des START-I-Abkommens und des Atomwaffensperrvertrages führte zu beträchtlichen Wirtschaftshilfen der Weltbank, der EU, Japans und vor allem der USA. Außenpolitische Erfolge - Grundlagen-, Grenz- und Freundschaftsverträge mit allen Nachbarstaaten einschließlich des Abkommen über die Schwarzmeerflotte und der Anerkennung der Krim als ukrainisches Staatsgebiet durch Rußland - können nicht über innenpolitisches Versagen hinwegtäuschen: ausbleibende und halbherzige Wirtschafts- und Gesellschaftsreformen, Korruption und Kriminalität haben das Land in die Krise geführt. Anhaltende Gefahr eines Auseinanderbrechens der Ukraine, die in 4 rivalisierende Teile zerfällt: den von den Russen dominierten Osten mit dem Kohlenbecken Donezk; die auf Abtrennung sinnende, ebenfalls vorwiegend russisch bewohnte Krim; das Rüstungszentrum Dnjepropetrowsk, dessen Manager Schlüsselpositionen in Kiew innehaben und die katholische, national gesinnte Westukraine mit dem Mittelpunkt Lwiw stellen weitere Konflikpotentiale dar. Die Staatsanwaltschaft ermittelt erneut wegen des Verdachts eines Giftanschlags auf Oppositionskandidat Viktor Juschtschenko. Die Akten seien wieder geöffnet worden, nachdem Wiener Ärzte bei dem Politiker eine schwere Dioxinvergiftung diagnostiziert hatten, gab die Kiewer Staatsanwaltschaft am 11.12.2004 bekannt. Nach eingehender Untersuchung waren die Ärzte der Wiener Privatklinik Rudolfinerhaus zu dem Befund gekommen, dass Juschtschenko im September vermutlich absichtlich vergiftet worden sei: Es bestehe "kein Zweifel, dass eine Vergiftung mit Dioxin vorliegt", sagte Chefarzt Michael Zimpfer. Zimpfer äußerte den Verdacht, dass Juschtschenko Opfer eines gezielten Anschlags geworden sei: "Wir schließen ab mit der Zusatzdiagnose ,Verdacht auf Fremdverschulden."
Ein Dreivierteljahr nach der ukrainischen "Revolution in Orange" hat Präsident Viktor Juschtschenko seine Regierungschefin Julia Timoschenko am 08.09.2005 im Streit entlassen. Mit Timoschenko muss auch ihr ärgster Widersacher, der Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrates, Pjotr Poroschenko, seinen Posten räumen, entschied der Staatschef. Er ernannte den Wirtschaftsexperten und früheren Vizeregierungschef Juri Jechanurow zum geschäftsführenden Ministerpräsidenten und beauftragte ihn mit der Kabinettsbildung. Seine Entscheidung begründete Juschtschenko damit, dass ein halbes Jahr vor der Parlamentswahl im März 2006 beide Seiten mehr gegeneinander als miteinander gearbeitet hätten. Er sei die wechselseitigen Korruptionsvorwürfe leid gewesen. Einen Hintergrundbericht dazu finden Sie hier. Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko will die Nominierung des pro-russischen Politikers Viktor Janukowitsch für das Amt des Regierungschefs nicht akzeptieren. Dessen Koalition sei unter Bruch der Verfassung gebildet worden, erklärte Juschtschenko am 13.07.2006 in einer Mitteilung an das Parlament. Zugleich deutete er an, dass er möglicherweise Neuwahlen ansetzen werde. Gut zwei Wochen nach der Parlamentswahl in der Ukraine hat Präsident Viktor Juschtschenko am 17.10.2007 zu erkennen gegeben, dass er dem Parlament Julia Timoschenko als künftige Regierungschefin vorschlagen wird. Er werde der Rada die in der Koalitionsvereinbarung zwischen den pro-westlichen Parteien Block Julia Timoschenko und Unsere Ukraine vereinbarte Kandidatur zur Abstimmung vorlegen, hieß es in der Erklärung Juschtschenkos. Die beiden Parteien, die nur mit sehr knappem Vorsprung bei den Wahlen gesiegt hatten, schlossen eine Koalitionsvereinbarung, die darauf hinausläuft, dass Timoschenko Regierungschefin wird. Der Block Julia Timoschenko und Juschtschenkos Unsere Ukraine kamen zusammen auf 228 der 450 Sitze im Parlament. Die pro-russische Partei der Regionen von Premier Viktor Janukowitsch ist dagegen stärkste Einzelpartei, sie kam auf 175 Sitze. Hintergrundberichte
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