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In Europa leben nur noch im Kaukasus mehr ethnisch unterschiedliche Völker zusammen. Auf dem Balkan treffen slawische und romanische Einflüsse, Orient und Okzident, Religionen und Sprachen zusammen. Der Vielvölkerstaat Jugoslawien, den der Partisanengeneral Josip Broz, genannt "Tito", nach 1945 mit eiserner Hand 35 Jahre lang zusammenhielt, zerfiel nach Titos Tod 1980 in ein Staaten-Puzzle mit ethnischen Grenzen. Der Krieg jeder gegen jeden (1991- 95) wurde mit äußerster Brutalität geführt und gipfelte in zahllosen Massenmorden und der ethnischen Vertreibung Hunderttausender. Kriege dieser Art haben Geschichte auf dem Balkan. In der Schlacht auf dem Amselfeld 1389 zerstörten Türkenheere erstmals die Träume der Serben von einem Großreich; jahrhundertelang beherrschten die Osmanen den Balkan. Erst 1882 entstand wieder ein Königreich Serbien, 1910 dann das Königreich Montenegro. Die Balkan- Kriege 1912 und 1913 führten mit zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs, an dessen Ende 1918 die Proklamation des "Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen" stand. Die Dominanz der Serben als stärkster Bevölkerungsgruppe führte zu Unruhen, die 1928 in der Ermordung des kroatischen Oppositionsführers Stjepan Radic gipfelten. 1929 setzte König Alexander I. (1934 ermordet) die Verfassung außer Kraft und teilte den in "Königreich Jugoslawien" umbenannten Staat ohne Rücksicht auf ethnische Gegebenheiten in 9 Verwaltungsgebiete auf. Der Einmarsch deutscher Truppen (1941) im Zweiten Weltkrieg verschärfte die Konflikte. In dem mit Hitlers Hilfe ausgerufenen "Unabhängigen Staat Kroatien" entfesselte die faschistische "Ustascha" unter Ante Pavelic blutige Exzesse gegen Serben und Juden. Die serbischen "Tschetniks" kollaborierten zeitweilig mit der Wehrmacht, um ihrem Ziel eines großserbischen Staates näherzukommen. Als Führer des 1942 gegründeten "Antifaschistischen Rats der Volksbefreiung Jugoslawien" gewann schließlich der Kommunist Tito die Sympathien der Bevölkerung. Bei den Wahlen im November 1945 siegte die kommunistische Volksfront mit 90% der Stimmen. 1946 wurde die "Föderative Volksrepublik Jugoslawien" ausgerufen, die sich keineswegs als Satellit der Sowjetunion vereinnahmen ließ. Die nach Titos Tod ausbrechenden Unruhen in der Kosovo- Region (1981) zeigten schnell die Fragilität des Vielvölkerstaates. Nach blutigen Zusammenstößen zwischen Polizei und serbischen Freischärlern in der Krajina riefen 1991 Slowenien, Kroatien, Mazedonien, 1992 Bosnien- Herzegowina die Unabhängigkeit aus. Der starke Mann in Belgrad, Sozialistenführer Slobodan Milosevic, verfolgte zunächst großserbische Pläne; mit Hilfe der Bundesarmee verhalf er den "Tschetniks" dazu, ein Drittel des kroatischen Territoriums (Krajina, Ostslawonien) und fast 70% des bosnischen Staatsgebietes zu besetzen. Gegen die im April 1992 proklamierte "Bundesrepublik Jugoslawien" verhängten UNO und Europäische Union Sanktionen. Wirtschaftliche Schwierigkeiten (hohe Arbeitslosigkeit und Inflation) zwangen Milosevic zu einer Kursänderung: 1994 schränkte er die Unterstützung der bosnischen Serben ein. Das im Dezember 1995 unter Vermittlung der Vereinigten Staaten abgeschlossene Abkommen von Dayton (Ohio) sah eine friedliche Lösung der Territorialkonflikte mit Kroatien und Bosnien- Herzegowina vor; nacheinander wurden Wirtschaftssanktionen und Waffenembargo gegen Jugoslawien aufgehoben, im Juni 1998 wegen des Kosovo- Konflikts erneut verhängt.

Acht Jahre nach dem Ende des Kroatien-Krieges mit 20 000 Todesopfern haben sich die Präsidenten von Kroatien und Serbien-Montenegro am 10.09.2003 gegenseitig für begangene Gräueltaten entschuldigt. Als Präsident von Serbien und Montenegro entschuldige er sich "für jedes Übel", das einem Kroaten angetan worden sei, sagte Svetozar Marovic in Belgrad. Sein Kollege Stipe Mesic entschuldigte sich seinerseits für kroatisches Unrecht.

Die Montenegriner haben sich in einer Volksabstimmung am 21.05.2006 für die Unabhängigkeit vom Staatenbund mit Serbien ausgesprochen. Einen Tag nach dem Unabhängigkeits- referendum in Montenegro bestätigte die staatliche Wahlkommission in Podgorica eine Mehrheit für die Trennung von Serbien-Montenegro und die Gründung eines unabhängigen Staates.

55,4 Prozent der Wähler sprachen sich am Sonntag demnach für die Souveränität ihres Landes aus. 44,6 Prozent stimmten der Kommission zufolge mit Nein. Das endgültige Ergebnis werde sehr nahe an diesem Resultat liegen, teile die Kommission mit. Die Wahlbeteiligung habe ein Rekordniveau von 86,3 Prozent erreicht. Die Abstimmung sei frei und fair sowie ohne Zwischenfälle verlaufen. Aufgerufen waren rund 480 000 Wahlberechtigte.

Serbien werde als Rechtsnachfolger von Serbien-Montenegro in allen internationalen Organisationen bleiben, sagten Experten dem Belgrader Radiosender B92. Das sei in der Gründungsurkunde des jetzt beendeten Staatenbundes vorgesehen, die unter Vermittlung der Europäischen Union entstanden war.

Zum ersten Mal seit den NATO-Luftangriffen von 1999 sind am 24. Juli 2006 in Wien die Staats- und Regierungschefs von Serben und Albanern zu direkten Gesprächen über die Zukunft des Kosovo zusammengekommen. Auf serbischer Seite nahmen Staatschef Boris Tadic und Ministerpräsident Vojislav Kostunica teil. Die albanische Seite ist durch Präsident Fatmir Sejdiu und Regierungschef Agim Ceku vertreten. Bei dem eintägigen Treffen unter Leitung des UN-Sonderbeauftragten Martti Ahtisaari geht es erstmals um Kernfragen des künftigen Status der Region.

Der EU-Sonderkoordinator für den Stabilitätspakt Südosteuropa, Erhard Busek, rechnet mit einer Unabhängigkeit des Kosovo. "Das ist zwar ein langwieriger Prozess, aber letztendlich wird die Unabhängigkeit kommen", sagte er dem "Tagesspiegel". Bis es soweit sei, müsse die Europäische Union in dem Balkanstaat schrittweise mehr Verantwortung übernehmen, weil die Vereinten Nationen dort an ihre Grenzen stießen. "Außerdem liegt das Kosovo nun einmal in Europa", sagte der Österreicher. "Die Sache ist also unser Problem."

Das Kosovo gehört völkerrechtlich bis heute zu Serbien, steht aber seit 1999 unter UN-Verwaltung. Die mehrheitlich albanischstämmige Bevölkerung will die Unabhängigkeit.

Die demokratischen Parteien in Serbien haben die Parlamentswahlen in Serbien gewonnen, haben eine klare Regierungsmehrheit jedoch verfehlt. Das berichteten das Wahlforschungsinstitut Cesid und mehrere Parteien am 21.01.2007 übereinstimmend in Belgrad. Danach kommt das demokratische Lager auf rund 47 Prozent, der nationalistische Block auf rund 35 Prozent der Stimmen. Offen sei, ob die der demokratischen Fraktion zugerechneten Liberalen die Fünf-Prozent-Hürde schaffen. Auch die Mandate der Minderheiten waren noch nicht bekannt. Die extrem nationalistischen Radikalen (SRS), dessen Vorsitzender Vojislav Seselj sich vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal verantworten muss, erhielten mit 28,5 Prozent die meisten Stimmen. Doch können sie mit ihrem einzigen Koalitionspartner, den Sozialisten des inzwischen gestorbenen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic mit über sechs Prozent, keine Mehrheit bilden. Auf dem zweiten Platz landeten mit knapp 23 Prozent die Demokraten (DS) des Staatspräsidenten Boris Tadic. Dritter wurde die DSS des amtierenden Ministerpräsidenten Vojislav Kostunica mit etwa 17 Prozent. Sein bisheriger Koalitionspartner G17 erreichte knapp sieben Prozent.

Ein Kriegsverbrecher-Tribunal in Belgrad hat am 10.04.2007 gegen vier frühere serbische Milizionäre wegen ihrer Beteiligung an dem 1995 in Bosnien verübten Massaker an tausenden muslimischen Männern Haftstrafen von bis zu 20 Jahren verhängt. Die Angeklagten der paramilitärischen Einheit "Skorpione" wurden demnach für schuldig befunden, die internationalen gesetzlichen Bestimmungen verletzt zu haben, indem sie "sechs muslimische Gefangene töteten". Dies sei ein "Kriegsverbrechen gegen die Zivilbevölkerung", erklärten die Richter. Die Anklage hatte bis zu 40 Jahren Haft gefordert. Ein fünfter Angeklagter wurde freigesprochen.

Der frühere Kommandant der Einheit, Slobodan Medic, und sein wichtigster Komplize Branislav Medic wurden zu je 20 Jahren Haft verurteilt: Der Kommandant habe drei Mitangeklagte und zwei weitere Männer aufgefordert, die Gefangenen zu töten und ihre Leichen wegzubringen, damit es so aussehe, als seien sie im Kampf gefallen, sagte Richterin Gordana Bozilovic-Petrovic. Zwei weitere Männer wurden zu 13 und fünf Jahren Haft verurteilt, ein fünfter Mann aus Mangel an Beweisen frei gesprochen. Die Anklage beruhte auf einer erschütternden Video-Aufzeichnung der Erschießung von sechs muslimischen Jungen und Männern, auf dem die fünf Milizionäre zu sehen waren.

Insgesamt wurden in Srebrenica bis zu 8000 muslimische Männer und Jungen umgebracht. Das Massaker von Srebrenica wurde zwar schon mehrfach in Anklagen vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag verfolgt, bislang jedoch nicht vor Gerichten in Serbien. Indessen ordnete ein weiteres Gericht in Serbien die Neuverhandlung eines Verfahrens wegen Kriegsverbrechen bei der Belagerung der kroatischen Stadt Vukovar 1991 an.


Hintergrundberichte:

12.06.2009 Besuch in der traurigen Villa von Titos Witwe - Serbien befreit Jovanka Broz aus der Isolation
21.01.2008 Der scharfe Rechte mit dem grimmigen Blick - Tomislav Nikolic greift in Serbien nach dem Präsidentenamt

 

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