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Deutscher Name Offizieller Name Nationalfahne
Sealand Sealand sealand.png (2139 Byte)

 

Internationales Kfz-Kennzeichen kein Olympiazeichen keine Internationale Domäne keine
Bevölkerung < 10 Nationalfeiertag

2. September

Internationale Vorwahl

keine
Zeitzone MEZ Hauptstadt keine Typische Volksmusik -
Landessprache Englisch
Landesfläche 0,000611  km²

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Man muss die Immobilie schon sehr lieben, um sie schön zu finden: eine stählerne, etwas rostige Plattform, 47 Meter lang und 13 Meter breit, die auf zwei dicken Betonpfeilern rund elf Kilometer vor Englands Küste in der Nordsee thront - unverbaubarer Meerblick garantiert. Sealand heißt das monströse Gebilde, das von nur wenigen Leuten bewohnt wird und sich selbst als kleinster Staat der Welt betrachtet.

Der Staat steht jetzt zum Verkauf. Achtstellig sollte das Gebot schon sein, wusste die britische "Times", nicht viel für ein komplettes Fürstentum nebst eigener Währung, eigener Fahne und einer Nationalhymne, die "E mare libertas" heißt und die Freiheit der Meere preist. Dank seiner exponierten Lage in internationalen Gewässern bietet Sealand außer Ruhe und Beschaulichkeit auch gewisse steuerliche Vergünstigungen; Zölle und ähnliche Unannehmlichkeiten sind hier unbekannt. Der Staat auf zwei Beinen ist eine Freihandelszone, unterworfen nur den eigenen hausgemachten Gesetzen.

Ursprünglich diente die Plattform freilich anderen Zwecken: Die britische Regierung ließ sie im Jahr 1942 zum Zwecke der Verteidigung gegen deutsche Angriffe errichten. Rund 200 Soldaten sollten hier mit Radar und schwerer Artillerie den Zugang zur Themse-Mündung sichern. Nach dem Ende des Krieges wurde "Roughs Tower" von den Militärs verlassen und stand lange Jahre leer, bis am 2. September 1967 der Ex-Major Paddy Roy Bates mit seiner Familie die künstliche Insel eroberte. Er erklärte sie kurzerhand zu seinem Eigentum und sich selbst zum Fürsten und nannte sein neues Reich eben Sealand. Die Neugründung war auch insofern praktisch, als er von den britischen Behörden gerade wegen des Betriebs eines Piratensenders gesucht wurde, doch Sealand lag außerhalb britischen Territoriums, und britisches Recht galt demzufolge hier auch nicht. Die Briten sahen das zwar ganz anders, doch einschlägige Gerichte gaben dem selbsternannten Roy of Sealand bei diversen Prozessen immer wieder Recht und erklärten sich für nicht zuständig. Ein Versuch, das Fürstentum 1968 militärisch zurück zu erobern, scheiterte kläglich. Die Marine drehte bei, nachdem Fürst Roy ein paar Warnschüsse abgefeuert hatte; offenbar war man sich auch unter den Militärs der Rechtslage nicht ganz sicher.

Unangefochten von solchen Zwischenfällen hat sich Sealand im Laufe der Jahre etabliert. 1974 schuf Fürst Roy eine Verfassung für sein Reich, führte den Sealand-Dollar als eigene Währung ein, ließ Briefmarken drucken und eigene Pässe, von denen rund 300 offiziell ausgegeben worden sind, aber zehntausende gefälschte im Umlauf sind, weil sie sich so gut für kriminelle Transaktionen eignen. Sealand hat eine eigene Regierung, der seit 2003 Prinz Michael von Sealand vorsteht, der Sohn des alten Roy. Das Amt sollte in der Familie bleiben, zumal es schon einmal Ärger mit einem Premier gegeben hatte: Der Deutsche Alexander Achenbach, der 1975 zum Außenminister ernannt worden war, putschte drei Jahre später gegen den Fürsten und konnte nur mit Waffengewalt besiegt werden.

Ansonsten ist der Streit um den Status des künstlichen Inselstaates mittlerweile etwas abgeebbt; auch dass er sich in der jetzt auf zwölf Seemeilen ausgedehnten britischen Hoheitszone befindet, stört keinen mehr. Sealand hat seinerseits die Hoheitsgewässer erweitert und könnte genauso gut behaupten, dass England sich in seinen Gewässern befindet. Welche Art Business man in Sealand betreibt, bleibt ein wenig im Dunklen. Zuletzt war von Internetfirmen die Rede, deren Geschäfte unter anderem als sealändischem Recht wohl eher schwierig wären. "Das Potenzial des gesamten Unternehmens ist enorm", heißt es etwas mystisch.

"Wir besitzen diese Insel seit nunmehr 40 Jahren, und mein Vater ist 85 Jahre alt", zitierte die "Times nun den Regierungschef Michael von Sealand. Vielleicht sei es Zeit für eine Verjüngung. Und es ist wirklich eine einmalige Gelegenheit: Nach heutigem Seerecht sind derartige Staatengründungen nicht mehr möglich.

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