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Havarie auf Atom-U-Boot 
Bei einer Testfahrt kommen 20 Menschen um. Erinnerungen an das Ende der "Kursk" werden wach

Christian Esch

09.11.2008. Mindestens 20 Menschen sind bei der Havarie eines russischen Atom-U-Bootes umgekommen. Es handelt damit sich um das schwerste Unglück dieser Art seit dem Untergang der "Kursk" vor acht Jahren. Wie die russische Flotte mitteilte, geschah das neue Unglück in der Nacht zu gestern auf hoher See im Fernen Osten des Landes. Danach wurde bei einer Testfahrt irrtümlich das Feuerlöschsystem aktiviert und so das Gas Freon freigesetzt. Weitere 21 Menschen seien verletzt worden. Die "Nerpa" konnte aus eigener Kraft zu einem Militärhafen nahe Wladiwostok zurückkehren, die Strahlungswerte, hieß es, seien normal.

Das gerade erst fertig gestellte Kampf-U-Boot "Nerpa" (Robbe) der "Hecht"-Klasse sollte erst Ende des Jahres der Flotte übergeben werden. Aus Anlass der Testfahrt befanden sich fast dreimal so viele Menschen an Bord wie im Normalbetrieb vorgesehen: 208, unter ihnen 81 Militärangehörige. Unter den Todesopfern sind nach Angaben der Flotte 17 Zivilisten. Die meisten sind offenbar Mitarbeiter der Werft in Komsomolsk am Amur, wo die "Nerpa" gebaut wurde.

Weshalb das Gas austrat und die Besatzung keine Gasmasken trug, ist unklar. Präsident Dmitri Medwedew beauftragte Generalstaatsanwalt Juri Tschaika und Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow, den Fall lückenlos aufzuklären. Die Anweisung wurde am Sonnabend um 23.30 Uhr veröffentlicht - nur drei Stunden, nachdem das Unglück laut Angaben der Flotte geschehen war. Offenbar ist man im Kreml bemüht, die seinerzeit im Umgang mit der "Kursk"-Katastrophe begangenen Fehler zu vermeiden. Damals hatte die Führung die Bevölkerung zögernd und falsch informiert. Es waren alle 118 Menschen an Bord der "Kursk" umgekommen.

Die "Nerpa" ist mit rund 12 000 Tonnen Verdrängung, 114 Metern Gesamtlänge und 73 Mann vorgesehener Besatzung kleiner als die "Kursk" und zugleich wesentlich moderner. So modern allerdings, wie man es von einem erst noch in Dienst zu stellenden U-Boot erwartet, ist sie nicht. "Gebaut wird sie schon seit 1991", sagte der Militärexperte Alexander Golz der Berliner Zeitung. "Ich war 2000 an Bord, und da arbeitete der Atomreaktor schon einige Jahre. Außerdem hieß es damals, sie sei zu 85 Prozent fertig. Aber dann ging das Geld aus". Die Systeme an Bord seien teils abgenutzt, und die langen Bau-Unterbrechungen hätten neue Probleme geschaffen, etwa durch die Abwanderung von qualifiziertem Personal. Als Gerücht bezeichnete Golz Presseberichte, wonach die "Nerpa" der indischen Marine überstellt werden solle.

Admiral Sureesh Mehta, Oberkommandierender der indischen Flotte, hatte diese Überstellung laut der Tageszeitung Kommersant noch im August bestätigt; die Rede war von einem Leasing-Vertrag über zehn Jahre für einen Preis von 650 Millionen Dollar. Verteidigungsminister Serdjukow dagegen stritt den Handel im September ab. "Wir liefern keine Atom-U-Boote", sagte er damals.

Indien bemüht sich schon seit langer Zeit, mit russischer Hilfe seine Flotte aufzubauen, und lässt etwa den russischen Flugzeugträger "Admiral Gorschkow" für sich umrüsten. Ob das Geschäft aber je abgeschlossen wird, ist wegen Verzögerungen und höherer Kosten unsicher geworden.

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