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Präsident provoziert den Westen
Christian Esch
26.08.2008. Trotz aller Warnungen und Proteste des
Auslands hat Russlands Präsident Dmitri Medwedew gestern die abtrünnigen georgischen
Provinzen Südossetien und Abchasien als unabhängige Staaten anerkannt.
Damit hat sich die Krise zwischen dem Westen und Moskau deutlich verschärft.
Medwedew folgte mit der Anerkennung überraschend schnell den Empfehlungen
beider Kammern des russischen Parlaments vom Montag. Die Entscheidung fiel nach einer
Sitzung des ussischen Sicherheitsrates in der Präsidentenresidenz in Sotschi. In einem
weiteren Affront gegen den Westen sagte der Kreml einen für Mitte Oktober geplanten
Besuch von Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer in Moskau ab. Russland werde seine
Zusammenarbeit mit der Nato in verschiedenen Bereichen aussetzen, sagte der russische
Nato-Botschafter Dmitri Rogosin.
Während in Abchasien und Südossetien die Erklärung Medwedews gefeiert wurde, äußerten
westliche Politiker harte Kritik. Die Entscheidung des russischen Präsidenten
widerspreche dem Prinzip der territorialen Integrität, einem grundlegenden Prinzip
des internationalen Völkerrechts und sei deshalb absolut nicht akzeptabel, sagte
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Mit
ungewöhnlich deutlichen Worten stellte sie zudem die Kooperation mit Russland in Frage.
Die Entscheidung berühre die territoriale Unversehrtheit Georgiens, sagte
auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD).
Merkel schloss Konsequenzen für die erst vor wenigen Wochen begonnenen Verhandlungen mit
Russland über ein gemeinsames Partnerschafts- und
Kooperationsabkommen mit der Europäischen Union nicht aus, falls Russland nicht einlenke.
Auch Nato-Generalsekretär de Hoop Scheffer reagierte mit scharfer Ablehnung. Dies
ist ein direkter Verstoß gegen zahlreiche Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zur
territorialen Integrität Georgiens Resolutionen, die Russland selbst mitgetragen
hat, sagte er. Das russische Handeln der vergangenen Wochen stelle Russlands
Bekenntnis zu Frieden und Sicherheit im Kaukasus in Frage.
Ähnlich äußerte sich US-Außenministerin Condoleezza Rice. Dies ist keine leichte
Wahl, aber die einzige Möglichkeit, Menschenleben zu bewahren, begründete Medwedew
in einer Fernseherklärung seine Entscheidung. Er warf der georgischen Regierung vor,
Anfang August in Südossetien einen Völkermord geplant zu haben. Sie habe versucht,
Südossetien um den Preis der Vernichtung eines ganzen Volkes anzugliedern.
Nach dem, was in Zchinwali passiert ist und in Abchasien geplant war, hätten
die Völker Südossetiens und Abchasiens das Recht, ihr Schicksal selbst zu
entscheiden.
Schon Anfang der 1990er-Jahre habe Russland eine Vernichtung der Völker durch
die georgische Führung gestoppt. Russland habe bis zum jüngsten Einmarsch georgischer
Truppen in Zchinwali an der territorialen Unversehrtheit Georgiens und an Verhandlungen
festgehalten selbst nach der einseitigen Erklärung der Unabhängigkeit des
Kosovo. Eine gewaltfreie Lösung des Konflikts sei jedoch von der georgischen
Regierung nicht geplant gewesen.

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