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"Acht Jahre als Galeerensklave" 
Russlands Präsident gibt die letzte Pressekonferenz seiner Amtszeit - und kritisiert erneut den Westen

Doris Heimann

15.02.2008. So klingt jemand, der sich innerlich von einem Amt verabschiedet, aber nicht von der Macht. "Ich habe acht Jahre wie ein Galeerensklave geschuftet, von morgens bis abends. Mit dem Resultat bin ich zufrieden." Russland Präsident Wladimir Putin trug seine schwarz-weiß-beige-gestreifte Lieblingskrawatte und wirkte sehr souverän, als er sich einem vierstündigen Fragemarathon mit mehr als 1 300 Journalisten stellte.

Die Jahrespressekonferenz des Kremlchefs hat Tradition, doch diesmal war der Andrang besonders groß: Voraussichtlich ist es Putins letzte Veranstaltung dieser Art im Amt des Präsidenten. Die persönliche Zukunft des erst 56-jährigen Staatschefs, der bei den Präsidentenwahlen am 2. März laut Verfassung nicht noch mal antreten darf, stand denn auch im Vordergrund des Interesses. Putin beteuerte, er sei nie in Versuchung gekommen, für eine dritte Amtsperiode zu kandidieren. Es gäbe zwar verschiedene Abhängigkeiten, wie etwa das Rauchen, und gemeinhin werde gesagt, die Abhängigkeit von der Macht sei die größte, so der Kremlchef. "Aber ich habe diese Abhängigkeit selbst nie verspürt." In einem ungewohnt sentimentalen Duktus fügte Putin hinzu: "Wenn Gott mir solches Glück gegeben hat, zum Guten dieses Landes zu arbeiten, dann ist das schon eine große Belohnung." Er halte es nicht für angemessen, weitere Belohnungen zu fordern.

Ganz so bescheiden sind Putins Zukunftspläne aber doch nicht. Sollte sein Favorit, der jetzige Vize-Premier Dmitri Medwedew, die Präsidentenwahl am 2. März gewinnen, werde er selbst in den Sessel des Premiers wechseln, bekräftigte Putin. "Der Regierungschef hat genug Vollmachten. Dmitri Medwedew und ich werden das schon aufteilen - wenn der Wähler es erlaubt." Beobachter in Moskau gehen davon aus, dass Putin auch als Premier die dominante Rolle spielen wird. Sein Schützling Medwedew gilt als eher weiche Persönlichkeit. Putin empfahl den 42-jährigen Juristen als "reifen Politiker" und "guten, würdigen Präsidenten".

An dem Sieg des Kreml-Favoriten besteht kaum ein Zweifel: In Umfragen führt Medwedew mit 52 bis 63 Prozent. Ernsthafte Rivalen gibt es nicht. Ex-Premier und Kreml-Kritiker Michail Kasjanow war von der Wahlkommission aus technischen Gründen ausgeschlossen worden. Putin verwahrte sich gegen die internationale Kritik an den Wahlen. "Die Tatsache, dass die Vorbereitungen im ganzen Land ruhig und ohne Diskussionen ablaufen, ist nicht auf einen Mangel an Demokratie in diesem Land zurückzuführen", sagte er. Es sei vielmehr so, dass eine Mehrheit der Russen seinen Kurs unterstütze. Mit Spott überzog der Kremlchef die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die sich nach diversen Behinderungen geweigert hatte, eine Wahlbeobachter-Delegation zu entsenden. "Die wollen ein Jahr früher kommen oder drei Wochen vorher - das hätten sie wohl gerne" sagte Putin. "Da können sie genauso gut ihren Frauen beibringen, Kohlsuppe zu kochen." Eine russische Redensart, die soviel bedeutet wie: sich an einer unnützen Aufgabe versuchen.

Außenpolitisch blieb Putin bei seinem harten Kurs. Sollte die Ukraine der Nato beitreten oder militärische Anlagen westlicher Länder auf ihrem Gebiet errichten, müsse Russland "Raketen auf solche Ziele ausrichten, von denen wir unsere nationale Sicherheit bedroht sehen". Die für das Wochenende erwartete Unabhängigkeitserklärung des Kosovo kritisierte der russische Präsident als "unmoralisch und illegal". Seit über 40 Jahren weigere sich der Westen, die türkisch verwaltete Republik Nordzypern anzuerkennen. "Ist es Euch Europäern gar nicht peinlich, mit doppeltem Maß zu messen?" Erklärungen, das Kosovo sei ein Sonderfall, seien schlichtweg "Geschwätz". Russland werde im Fall einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung des Kosovo reagieren, erklärte Putin.

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