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Putin und die vaterländische Kunst Katja Tichomirowa 22.10.2007. Dieser Tage erschien in der Rossiskaja Gaseta ein offener Brief an den "sehr verehrten Wladimir Wladimirowitsch Putin". Im Namen aller Künstler Russlands fordern in diesem Brief der Präsident des russischen Kulturfonds, Nikita Michalkow, und der Präsident der russischen Akademie der Künste, Surab Zereteli, Wladimir Putin müsse Russlands Staatsoberhaupt bleiben. Wörtlich heißt es in dem Brief: "Die russische Akademie der Künste wendet sich noch einmal mit der Bitte an Sie, für eine weitere Amtsperiode auf Ihrem Posten zu verbleiben." Abertausende russischer Künstler aus allen Teilen des Landes forderten dies, behaupten die Verfasser, denn nur eine Fortsetzung der segensreichen Arbeit Putins garantiere Stabilität und Erblühen der vaterländischen Kunst und die Bewahrung des kulturellen Erbes. Besonders ausgeprägt sei der Wunsch nach einer dritten Amtsperiode Putins unter "der Jugend, die ernsthaft bemüht ist um die Zukunft Russlands, die ohne Sie als Präsident nicht denkbar ist". Nicht Abertausende, aber doch eine ganze Reihe russischer Künstler haben sich nun an den Chefredakteur der Rossiskaja Gaseta gewandt und ihn aufgefordert, an gleicher Stelle publik zu machen, dass sie mit dem oben zitierten "Aufruf zum Verfassungsbruch" (eine dritte Amtsperiode ist nicht vorgesehen) nichts zu tun haben. Von den Unterzeichnern des offenen Briefes fühlen sie sich nicht vertreten. Tatsächlich vertreten der Regisseur Nikita Michalkow und der Bildhauer Surab Zereteli zuvörderst sich selbst. Die Apotheose Putins ist ein zynisches, aber lukratives Geschäft. Surab Zereteli etwa erstellt im Staatsauftrag vaterländische Kunst wie die monumentale Statue Peters des Großen in Moskau oder die Wandmalereien in der Christi Erlöser Kathedrale. Nikita Michalkow, der unlängst in Venedig für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde, produziert und gestaltet inzwischen vornehmlich Historienfilme. Der jüngste trägt den Titel "1612" und hat den russisch-polnischen Krieg zum Inhalt. Pünktlich am 4. November, zum Tag des Sieges über Polen, der in Russland als Tag der Nationalen Einheit begangen wird, kommt das Schlachten-Epos in die Kinos. All dies ist, wenn nicht ohnehin im Auftrag erstellt, wohlgelitten. Unter die Zensur dagegen fallen Werke international renommierter russischer Künstler, die sich wahlweise der Blasphemie oder der Pornografie schuldig gemacht haben. Die in der Pariser Galerie Maison Rouge geplante Ausstellung "Soz-art. Politische Kunst in Russland" konnte nur in einer Rumpffassung stattfinden, weil die Zensurbehörde einem Großteil der Werke die Ausreise verweigert hatte. Gleiches hatte zuvor schon die Städtische Galerie Dresden erfahren. |
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