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Mit der Teilung des Frankenreiches 843 fielen die Gebiete südlich der Schelde an Frankreich, die späteren Niederlande an das fränkische Mittelreich Kaiser Lothars. Von 1363 an lösten Herzog Philipp der Kühne von Burgund und seine Nachfolger die Niederlande durch Heirat, Kauf, Erbschaft und Eroberung langsam aus dem Heiligen Römischen Reich und gliederten sie weitgehend Burgund an, das durch die Heirat von Maria von Burgund mit dem späteren Kaiser Maximiliam I. 1477 habsburgisch wurde. Die Habsburger setzten die Politik der Selbständigkeit der neuen Gebiete gegenüber dem Reich fort und Maximiliam I. faßte diese 1512 im Burgundischen Kreis als einen der 10 Kreise des Deutschen Reiches zusammen, der musterhaft verwaltet wurde und den Kaiser Karl V. durch Friesland (1524), Flandern (1526), Utrecht und Overijssel (1528) sowie Geldern (1543) erweiterte. Karl V. übertrug die Niederlande 1555 seinem Sohn Philipp II. und damit der spanischen Linie der Habsburger. Von Madrid aus versuchte Philipp, die ständische Verfassung des "aufmüpfigen neuen Anhängsel" zu zerschlagen und das Vordringen der Reformation zu verhindern. Als niederländische Protestanten gegen Inquisitionsedikt und neue Bistümer 1566 mit einem Bildersturm opponierten, ließ Philipp die Unruhen durch den Herzog von Alba blutig niedergeschlagen. Die Hinrichtung Graf Egmonts, der die Adelsopposition gegen die spanische Generalstatthalterin Margerete von Parma angeführt hatte, war 1568 Initialzündung für den bis auf kurze Perioden des Friedens 80jährigen Unabhängigkeitskampf gegen Spanien. Die 7 nördlichen Provinzen (Union von Utrecht) sagten sich 1581 vom spanischen König los und riefen 1587 die Republik der Vereinigten Niederlande aus. Spanien konnte die wallonischen Südprovinzen bis 1585 zurückerobern. Die ursprünglich militärische Grenze zwischen den Gebieten wurde seitdem auch kulturelle und politische Trennlinie. Die Anerkennung der Unabhängigkeit und damit die formelle Ausgliederung der Niederlande aus dem Heiligen Römischen Reich erfolgte jedoch erst 1648 im Westfälischen Frieden. Als See-, Handels- und Kolonialmacht (1602 Gründung der Ostindischen, 1621 der Westindischen Compagnie) erlangten die Niederlande im 17. Jahrhundert eine Vormachtstellung in Europa. Die religiöse Toleranz, die zahlreiche Einwanderer in die Niederlande lockte, stand in krassem Gegensatz zu den Grausamkeiten der Niederländer in ihren Kolonien. Die Brutalität, mit der sie entlegene Völker unterwarfen, stellte sogar den Rigeriomismus der britischen Kolonialisten in den Schatten. Holländische Sklavenhändler waren auch 200 Jahre Marktführer im transatlantischen Menschenhandel - mit Segen der calvinistischen Kirche. In den Seekriegen des 18. Jahrhundert ging die niederländische Hegemonie an England verloren, Krieg mit Frankreich schwächte auch das politische Gewicht auf dem Kontinent, der Niedergang setzte ein. Kurzfristig verloren die Niederlande unter der Napoleonischen Herrschaft ihre Unabhängigkeit. Der Wiener Kongreß vereinte 1815 die ehemalige Republik mit den südlichen Provinzen zum "Königreich der Vereinigten Niederlande". Schon 1830 kam es wegen konfessioneller Gegensätze, der Sprachpolitik und des autokratischen Regierungsstil König Wilhelms I. in Brüssel zum Aufstand und auf der Londoner Konferenz wurden 1831 die katholischen Südprovinzen als Königreich Belgien von den Niederlande getrennt. Das niederländische Königshaus mußte sich 1848 zudem der Forderung nach Liberalisierung beugen: kraft einer Verfassung wurden die Niederlande parlamentarische Monarchie, dennoch gab es zunächst nur "parlamentarische Strömungen", die erste politische Partei bildete sich erst 1879. Bedacht auf ihre strikte Neutralität, konnten die Niederlande als Handelsnation vom Ersten Weltkrieg profitieren. Sie machten gute Geschäfte mit beiden Seiten. Im Zweiten Weltkrieg nahm Hitler auf die Neutralität keine Rücksicht. Bereits am 10. Mai 1940 überfiel die deutsche Wehrmacht die Niederlande. Königsfamilie und Kabinett flüchteten nach Großbritannien und errichteten in London eine Exilregierung. Der Krieg war nach 5 Tagen beendet. Die deutschen Besatzer richteten eine Zivilverwaltung unter Reichskommisar Arthur Seyß-Inquart ein, die das "Potential an Menschen und Gütern" ausschöpfen sollte. Die Judenverfolgung rief zwar Proteste hervor, trotzdem konnte "Endlöser" Adolf Eichmann sich freuen: "In Holland ging alles wie am Schnürchen." Die Kollaboration eines beträchtlichen Teils der Nation mit den Nazis gilt als schwärzeste Phase der niederländischen Geschichte. Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor erklärte die niederländische Exilregierung im Dezember 1941 Japan den Krieg. Niederländisch-Antillen (Indonesien) wurde japanisch besetzt. Im September 1944 begann die Befreiung der Niederlande durch alliierte Truppen. Nach der Kapitulation Japans im August 1945 konnten die Niederlande ihre Herrschaft in Indonesien nicht wieder etablieren. 1949 mußten sie Indonesien nach einem rücksichtslosen Kolonialkrieg in die Unabhängigkeit entlassen. 1975 wurde auch Surinam unabhängig. An der Stelle der Neutralität trat nun die Einbindung in das westliche Bündnis und europäischen Einigungsprozeß. 1976 stand die niederländische Monarchie unter Druck, nachdem die Verwicklung Prinz Bernhards in einen Korruptionsskandal (Lockheed-Affäre) die Antiroyalisten mobilisiert hatte. Kronprinzessin Beatrix heiratete 1966 den Deutschen Claus von Amsberg und trat nach Abdankung ihrer Mutter Juliana 1980 das Amt an. Die niederländische Toleranz genießt nicht bei allen Nachbarn ungeteilte Wertschätzung. Vor allem bei den Franzosen sind die Niederlande wegen ihrer liberalen Rauschmittelgesetze als Drogenland in Verruf geraten. Seit niederländische Blauhelme im bosnischen Srebrenica einem Massaker von Serben an Bosnier tatenlos zusahen, hat die Reputation der Streitkräfte stark gelitten. Im Gegensatz zu den guten wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu Deutschland steht der "Moffenhaat" (Haß auf die Deutschen), der auch ein halbes Jahrhundert nach dem Ende des 2. Weltkrieges noch hier und da präsent ist. |
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