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Das Wetter ist meist unwirtlich auf der Insel am Nördlichen Polarkreis; die von Gletschern bedeckte Fläche ist größer als im Rest Europas; Erdbeben und Vulkanausbrüche sind keine Seltenheit- wie etwa 1996 mit schmelzendem Gletschereis und Aschefontänen. Sieht man von diesen Unbilden ab, lebt es sich gut auf Island. Die Einwohner müssen nicht zum Militär (es gibt keine isländischen Streitkräfte, nur ein NATO- Stützpunkt mit 2500 US- Soldaten); das Gesundheits- und Sozialsystem ist eines der fortschrittlichsten in Europa (fast 45% des Staatshaushalts werden dafür aufgewandt); kaum ein Isländer muß in Armut leben; sogar die Umwelt ist kaum belastet, denn Wasserkraftwerke und Geothermik produzieren nur wenig Schmutz. So sind die Isländer denn auch zufrieden und von Natur aus friedlich. Nur einen Punkt kennen sie keine Nachsicht: wenn es um die Haupterwerbsquelle geht, von der fast das gesamte Land lebt: den Fischfang. Da legen sich schon mal die acht Küstenschutzboote Islands mit der gesamten königlichen Marine Großbritanniens an (Kabeljaukrieg von 1975), und das werden in mehreren Schritten die Hoheitsgewässer auf 200 Seemeilen erweitert. Den anderen Fischfangnationen behagt das keineswegs, aber einen bewaffneten Konflikt mit Island will deswegen auch niemand anfangen. Innenpolitisch dominieren Toleranz und Ausgleich. Wer beispielsweise nicht der lutherischen Staatskirche angehört und keine Kirchensteuern zahlt, muß einen ähnlich hohen Beitrag an die Universität oder an einen Stipendienfonds entrichten. Außer den amerikanischen Soldaten und einer Handvoll Flüchtlinge gibt es kaum Ausländer auf der Insel. Landessprache ist Isländisch, nahe verwandt mit dem Norwegischen. Doch fast jeder Einwohner spricht auch Englisch, einmal weil das Fernsehen zu zwei Dritteln englische und amerikanische Produktionen in Original mit Untertiteln ausstrahlt, zum anderen wegen der guten Schulbildung: Es herrscht Schulpflicht vom 6. bis zum 15. Lebensjahr, und auch die höheren Schulen des Landes und die Universität von Reykjavik verzeichnen hohe Einschulungs- bzw. Einschreibquoten. In entlegenen Gegenden sorgen Wanderlehrer dafür, dass die Kinder eine gute Ausbildung erhalten. Einer der berühmtesten Isländer ist der Schriftsteller Halldór Laxness. Für sein Lebenswerk wurde er 1955 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Die Insel war der rechte Ort für den Anfang vom Ende des Ost- West- Konflikts: 1986 trafen sich Ronald Reagan und Michail Gorbatschow zum Gipfel in Reykjavik. |
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