Europa

Der Bereich des Festlandes, den wir als “Europa” bezeichnen, erstreckt sich über etwas mehr als ein Fünftel der Fläche Eurasiens. Obwohl der europäische Bereich damit nur einen Teil der 55 Millionen km² umfassenden Landmasse einnimmt, wird er als eigenständiger Kontinent betrachtet. Diese Auffassung hat kultur-historische Gründe, die sich bereits in der Namensgebung wiederspiegeln.

Der altgriechische Begriff “Europe” setzt sich aus den Worten “eurys” für “weit” und “ops” für “Sicht” zusammen. Frauen, die diesen Vornamen erhielten, galten also als besonders weitsichtig oder bekamen Weitsicht gewünscht. Wie sehr Theorie und Praxis dabei jedoch auseinander drifteten, wird am Beispiel der phönizischen Königstochter Europe deutlich.

Der einzige weibliche Nachkomme des Herrscherpaares Agenor und Telephassa war von außerordentlicher Schönheit und erregte damit sowohl die Aufmerksamkeit als auch die Begierde von Göttervater Zeus. Um sich der Angebeteten zu nähern, nahm er die Gestalt eines weißen Stieres an. Nachdem Europe das zutrauliche Tier zunächst gestreichelt und mit Blumen umkränzt hatte, begann sie schon bald, auf ihm zu reiten. Auf diese Gelegenheit hatte Zeus gewartet. Er durchschwamm mit Europe die Phönizischen Gewässer und gelangte auf die Insel Kreta, wo er seine wahre Gestalt annahm. Gegen den Willen der Entführten zeugte er mit ihr Minos, Rhadamanthys und Sarpedon.

Während Europes Brüder vergeblich nach ihr suchten, heiratete sie den auf Kreta herrschenden König Asterios. Da das Paar keine eigenen Kinder bekommen konnte, adoptierte Asterios die Söhne Europes und sicherte dem zuerst geborenen Minor damit die Thronfolge. Wie so oft hatte Zeus auf Umwegen sein eigentliches Ziel erreicht: einer seiner leiblichen Nachkommen regierte die Insel, auf der der Göttervater selbst geboren worden war.

Bildquelle: ©Gerd Altmann/pixelio.de

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