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"Gallia est omnis divisa in partes tres" - so beginnt Cäsars Bericht "De bello Callico" über die Eroberung Galliens von 58 bis 51 v. Chr. Nach dem Krieg gab es diese 3 Teile Galliens nicht mehr, das Land war vereinigt. Es wäre übertrieben, darin die Geburtsstunde der französischen Nation zu sehen, aber immerhin gab es nun in etwa die Grenzen, die durch Jahrhunderte Frankreich markieren sollten. Im 5. Jahrhundert strömten zahlreiche Stämme aus Germanien ein und vermischten sich mit den Bewohnern. Der Franke Chlodwig I. begründete das Fränkische Reich und nahm um 500 das Christentum an. Karl Martell vollbrachte eine für die Zukunft Europas entscheidende Tat, als er 732 bei Tours und Poitiers die Araber so vernichtend schlug, daß sie sich letztlich hinter die Pyrenäen zurückzogen und diese nie wieder überschritten. Pippin der Jüngere begründete 751 die Dynastie der Karolinger. Sein Sohn Karl - den die Deutschen Karl den Großen und die Franzosen Charlesmagne nennen - vereinte das Frankenreich mit Sachsen, Bayern und Oberitalien. Anno 800   ließ er sich vom Papst zum Kaiser krönen. Unter Karls Enkeln wurde das Reich wieder geteilt. Noch bevor die Karolinger 987 ausstarben, brachen für Frankreich unruhige Zeiten an, einzelne Herzogtümer und Grafschaften gingen eigene Wege. Die Wikinger verunsicherten die Küsten Westeuropas und eroberten im Norden die Normandie; Eleonore, die Herzogin von Aquitanien, heiratete den späteren englischen König Heinrich II. und verstärkte so den Einfluß der Engländer im Land. Der Aufstieg der Kapetinger war verbunden mit einem kulturellen Höhenflug. Hinzu kamen religiöse Erneuerungsbewegungen. Den größten Zulauf hatten die Katharer. Sie drohten, die Kirche zu spalten, so daß der Papst schließlich zum Kreuzzug gegen sie aufrief. Sie wurden weitgehend zerschlagen, alle Quellen gezielt zerstört. Ähnlich wie den Katharern erging es 100 Jahre später den Tempelrittern. Philip der Schöne, König von Frankreich, benötigte viel Geld und warf deshalb ein Auge auf den reichen Orden. Er beschuldigte dessen Mitglieder der Unzucht und Blasphemie. Sie wurden verurteilt, viele verbrannt und das Vermögen eingezogen. Hartnäckigster Gegner Frankreichs waren die Engländer. Neben der Pest, die schrecklich wütete, war der Hundertjährige Krieg (1339 - 1453) gegen England die zweite Geißel im Lande. Da schien nur noch ein Wunder zu helfen. Es ereignete sich in Gestalt eines Mädchens aus Lothringen: Jeanne d'Arc oder Johanna von Orleans. Schön und keuch - so wollte sie Frankreich retten und den Dauphin krönen. Beides gelang ihr. Daß sie danach der Ketzerei angeklagt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, ist der menschliche Teil der Legende. An ihrem Ruhm und der späteren Heiligsprechung änderte das nichts. Jeanne d'Arc ist bis heute eine der Lichtgestalten Frankreichs. Unter Ludwig XI. blühte das Land auf. Doch neues Unheil drohte. diesmal kam es aus Deutschland und nannte sich Reformation. Der Glaube spaltete das Land, er spaltete Familien. Schreckliche Metzeleien ("Bartholomäusnacht" in Paris) waren die Folge. Der Protestant Heinrich IV. mußte katholisch werden, um den Thron besteigen zu können ("Paris ist eine Messe wert"). Doch ihm gelang es schließlich, die Religionskriege zu beenden. Die Nachfolger Heinrichs stärkten das Königtum weiter, gelenkt von den Kardinälen Richelieu und Mazarin. Frankreich wurde von Paris aus zentral verwaltet, alle Macht lag beim König, das Zeitalter des Absolutismus brach an. Den Höhepunkt erreichte der Absolutismus unter Ludwig XIV., dem "Sonnenkönig". Er verlegte den Hof ins prunkvolle Versailles und begann Händel mit den Hugenotten. Die antworteten mit einer Massenflucht ins protestantische Ausland. Die kostspieligen Kriege hatten das Land erschöpft und die Staatsfinanzen zerrüttet. Die Bauern und Arbeiter waren verarmt, das Bürgertum wollte mehr Mitbestimmung, die Monarchie hatte ihre Faszination verloren. Es kam zu Unruhen. Am 14. Juli 1789 stürmte eine aufgebrachte Menge die Bastille, das Symbol der alten Willkürherrschaft. Die Revolution war da. Die siegreichen Revolutionäre - angetreten mit der Devise "Liberte, Egalite, Fraternite" krempelten alles um und führten eine neue Zeitrechnung ein, schafften die Religion ab, verpaßten dem Land die Aufteilung in Departements und erfanden die Guillotine. Innerhalb kurzer Zeit wurde aus der Befreiung eine Schreckensherrschaft. Der König mitsamt seiner Gattin Marie Antoinette wurde 1793 öffentlich hingerichtet. Doch 1799 mußten die Führer selbst, Danton und Robespierre, die Guillotine besteigen und ihr Leben lassen. Dem nachfolgenden 5köpfigen Direktorium mangelte es an Persönlichkeiten, es verzettelte sich in äußeren Kämpfen und wurde am 9. November 1799 durch einen Staatsstreich vom Konsulat abgelöst. Erster Konsul: Napoleon Bonaparte. Als Feldherr hatte er sich bereits einen Namen gemacht, jetzt mußte er sich als Staatsmann bewähren. Er baute zahlreiche Straßen, deren Verlauf noch heute gilt, und führte ein neues bürgerliches Gesetzbuch ("Code civil") ein, das ebenfalls noch heute gültig ist. 1804 krönte er sich zum Kaiser und schickte sich an, Westeuropa zu erobern, zunächst sehr erfolgreich. Gestoppt werden konnte Napoleon vor Moskau. Dann ging es Schlag auf Schlag: Niederlage in der Völkerschlacht von Leipzig, Verbannung nach Elba, Rückkehr von Elba und noch einmal der Versuch, die Macht zurückzuerorbern, Niederlage bei Waterloo, Exil auf St. Helena, Tod. 1870, nach dem verlorenen Krieg gegen Preußen, wurde der Kaiser Napoleon III. (ein Neffe Napoleon Bonapartes) abgesetzt und die Dritte Republik wurde ausgerufen. In Europa hatten sich mittlerweile zwei Machtblöcke gebildet - einerseits der Dreierbund Deutschland, Italien und Österreich-Ungarn, andererseits die Triple-Entente aus Frankreich, Großbritannien und Rußland. Es kam zum 1. Weltkrieg, bei dem allein Frankreich 1.6 Millionen seiner Menschen verlor. Als Hitler seine Expansionsgelüste in die Tat umzusetzen begann, gehörte Frankreich zu den Mitunterzeichnern des Münchener Abkommens: Für die Franzosen war der 2. Weltkrieg nach knapp 11 Monaten vorüber - mit nur einem Drittel der Verluste des 1. Weltkrieges. Frankreich wurde zunächst im Norden, später ganz von deutschen Truppen besetzt. In Vichy regierte Marschall Phillippe Petain das Land - ein Regime von Hitlers Gnaden. Andere Franzosen gingen in den Untergrund und kämpften in der Resistance weiter. Charles de Gaulle vereinigte vom Londoner Exil Teile der Streitkräfte unter seiner Führung und beteiligte sich 1944 aktiv an der Befreiung des Landes. Als eine Reaktion auf Vichy und persönliche Machtfülle einzelner wurde nach dem Krieg die Vierte Republik geschaffen. Doch die Vielzahl der Regierungskrisen und die Teilnahme der stets gleichen Politiker an ständig neu- und umgebildeten Regierungen diskretierten das Regime erheblich. Dazu kam, daß die Kolonien ihre Unabhängigkeit anstrebten. 1954 verloren die Franzosen Indochina, 1956 wurden Marokko und Tunesien selbständig. Und in Algerien, daß als Mutterland galt, entbrannte der Freiheitskampf der FLN. Wiedermal war der Retter in der Not Charles de Gaulle. Mit Sondervollmachten für 6 Monate ausgestattet, führte er 1958 per Volksabstimmung eine neue Verfassung ein und beendete 4 Jahre später den Krieg in Algerien. Die Fünfte Republik war geschaffen. Erster Präsident war Charles de Gaulle. Im Frühjahr 1968 brachen in Paris Studentenunruhen aus, Arbeiter schlossen sich an. De Gaulle setzte Neuwahlen an und gewann noch einmal. Doch zehn Monate später verlor er eine Vertrauensabstimmung und zog sich aus der Politik zurück. Er starb 1970. De Gaulles Nachfolger Georges Pompidou und Valerie Giscard d'Estaing setzten seine Politik fort. Eine neue Ära brach 1981 mit der Wahl von Francoise Mitterand an. An der französischen Außenpolitik änderte Mitterand wenig. Im Inneren wurde jedoch ein ganzes Bündel von Reformen eingeleitet, zahlreiche Großbetriebe und Banken wurden verstaatlicht. Angesichts der zunehmend problematischen wirtschaftlichen Situation sah sich die Regierung jedoch bald zu einer Kehrtwende gezwungen, viele Betriebe wurden wieder privatisiert. Die 80er Jahre waren geprägt vom Aufstieg des Front national unter Jean-Marie Le Pen und von der schrittweisen Dezentralisierung des Landes. Im Mai 1995 wurde Chirac Präsident. Es folgten unruhige Zeiten: Eine Serie von Terroranschlägen islamischer Fundamentalisten in Paris verunsicherte die Bevölkerung, lange dauernde Streiks zuerst der Staatsbediensteten, dann der Fernfahrer, legten fast das gesamte Land lahm und beeinträchtigten auch die Wirtschaft in den Nachbarländern. Chirac glaubte klug zu handeln, als er die Nationalversammlung auflöste und 1998 Neuwahlen ausschrieb; er wollte ein klares Mandat für seinen unliebsamen Sparkurs. Die Franzosen spielten nicht mit und wählten die Sozialisten, die mit ihren Ansichten denen von Chirac entgegenstanden.

Bei einem nationalen Protesttag gegen die Reformpolitik der konservativen Regierung haben am 04.10.2005 in Frankreich hunderttausende Menschen demonstriert. In den Großstädten war der öffentliche Nahverkehr durch Arbeitsniederlegungen deutlich beeinträchtigt, auch ein erheblicher Teil der Bahnverbindungen fiel aus. An den Pariser Flughäfen mussten hunderte Flüge gestrichen werden. Viele Bedienstete bei Behörden und in Schulen legten die Arbeit nieder. Trotz der Beeinträchtigungen unterstützte die Bevölkerung den Aktionstag. Nach Umfragen hielten 72 bis 74 Prozent die Streiks für gerechtfertigt. Ministerpräsident Dominique de Villepin hat mit einer Lockerung des Kündigungsschutzes die Gewerkschaften gegen sich aufgebracht. Die Arbeitnehmervertreter fordern zudem von der Regierung einen Stopp der Privatisierungen von Staatsfirmen.

25 000 Polizisten waren in Frankreich in der Silvesternacht 2005/2006 im Einsatz, um ein Wiederaufflammen der schweren Jugendunruhen vom Oktober und November zu verhindern. Dennoch wurden 425 Autos von Krawallmachern in Brand gesteckt. Das waren deutlich mehr als vor einem Jahr, teilte Polizeichef Michel Gaudin am Neujahrsmorgen mit. Unruhen wie im Herbst blieben aber aus. Die Polizei nahm 362 Menschen fest, 27 Beamte wurden verletzt. Präsident Jacques Chirac machte die Unruhen zu einem Thema seiner Neujahrsansprache. Er forderte die Bürger auf, sich stärker gegen Rassismus zu engagieren und den jungen Leuten aus den Einwanderervororten eine Chance zu geben.

Auf der Flucht vor der Polizei sind Jugendliche am 10.04.2007 in einer Pariser Vorstadt in ein Krankenhaus eingedrungen und haben die Patienten in Angst und Schrecken versetzt. Nach Auseinandersetzungen zwischen zwei rivalisierenden Banden in Corbeil-Essonnes seien rund 40 Jugendliche in die dortige Klinik eingedrungen, teilten Polizei und Krankenhausverwaltung in der Stadt südlich von Paris mit. Sie seien über Treppen und Gänge in unterschiedliche Abteilungen gelangt,von der Polizei verfolgt. Sieben Jugendliche wurden festgenommen.


Hintergrundberichte:

11.07.2008 Begräbnis erster Klasse - Familientreffen bei Nicolas Sarkozy: Was von der neuen Mittelmeerunion zu erwarten ist
26.11.2007 Explosion der Wut - Nach dem Tod zweier Jugendlicher in einem Pariser Vorort kommt es zu Krawallen
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