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Explosion der Wut Axel Veiel 26.11.2007. Ausgerechnet in Villiers-le-Bel musste es passieren. Eine dieser heruntergekommenen Pariser Vorstädte ist das, wo mit Schränken und Kartons vollgestopfte Balkons erahnen lassen, welch drangvolle Enge in den Zimmern dahinter herrscht, wo die verschlossenen Mienen der Menschen verraten, dass sie viel schlucken müssen im Leben, dass sich Wut und Enttäuschung angestaut haben. Wer hier strandet, bringt es meist nicht weit, zumal wenn er wie ein Afrikaner oder Araber aussieht, sagen Sozialarbeiter. Und dann stoßen hier zwei junge Schwarze mit einem Streifenwagen der Polizei zusammen, die in Vorstädten wie Villiers-le-Bel als Statthalter des verhassten Staates gilt, und sterben noch am Unfallort. "Da hat sich dann die ganze Wut ausgedrückt", sagt Omar Sehhouli, der Bruder eines der Opfer. Hunderte von vermummten Jugendlichen zogen in der Nacht zum Montag mit Steinen, Eisenstangen und Molotowcocktails durch die nächtlichen Straßen, schlugen entzwei und zündeten an, was immer den Weg säumte: Mülleimer, Telefonkabinen, Autos, Garagen, Werkstätten, die Feuerwehrwache, einen Bahnhof, zwei Polizeireviere, Dutzende von Geschäften. Ein Kommissar, der den Unfall aufnehmen wollte, wurde krankenhausreif geschlagen. Gegen Mitternacht bekämpften die Löschkräfte mehr als 50 Brände. Die Polizei rief nach Verstärkung. Am Montagmorgen zählten die Sicherheitskräfte 26 verletzte Kollegen und 28 ausgebrannte Autos. Aber sie zählten zu früh. Am Abend kam es erneut zu Straßenschlachten mit Jugendlichen. Dabei wurden acht Polizisten durch Schrotkugeln verletzt. Wieder brannten mehrere Autos. Dabei hatte sich die Besatzung des Streifenwagens nach ersten Ermittlungen am Sonntagnachmittag nichts zuschulden kommen lassen. Als tragischer Verkehrsunfall stellt sich dar, was die beiden Motorradfahrer das Leben kostete. Zeugen gaben zu Protokoll, Moushin (15) und Larami (16) seien auf einer Kawasaki mit Vollgas durch Villiers-le-Bel gedonnert, bis sie frontal mit einem Streifenwagen zusammengestoßen seien, der ohne Blaulicht gefahren sei, etwa 40 bis 50 Stundenkilometer schnell. Die Nachricht hat im Pariser Regierungspalast die Alarmglocken schrillen lassen. So ähnlich hatte im Herbst 2005 schließlich angefangen, was dann zu wochenlangen Krawallen und der Verhängung des Ausnahmezustands führen sollte. Die Krise in der Vorstädten sei nicht entschärft, räumt Ministerpräsident Francois Fillon am Montag ein. Die Sorge steht ihm ins Gesicht geschrieben, dass erneut ein Flächenbrand entstehen könnte. Francois Pupponi, der Bürgermeister einer Nachbargemeinde, rechnet sogar fest damit. Dabei hat sich in den Vorstädten in den vergangenen Monaten durchaus einiges zum Besseren gewendet. Hundert Millionen Euro für Hilfsorganisationen hat Paris bewilligt, 30 Milliarden Euro für die Stadterneuerung bereitgestellt. Eliteschulen haben, begabte Gettokinder aufgenommen. 80 000 Jugendliche können sich von Tutoren bei der Alltagsbewältigung helfen lassen. Aber all dies kann nicht wettmachen, was ein arabisch aussehender Jugendlicher am Tag nach den Ausschreitungen "die Verachtung" nennt, die ihm entgegenschlage. Am Unfallort steht er, dort wo das Motorrad lag. Rachid heißt er. Schwarze Locken quellen unter der Kapuze des Sweatshirts hervor. Von Sarkozy habe er gehört, dass die Franzosen mehr arbeiten sollten, um mehr zu verdienen, sagt Rachid. Als Arbeitsloser fühle man sich da doch wie der letzte Dreck. |
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