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Um das Amt gesimst 01.04.2008. Spätestens seit der finnische Ministerpräsident Matti Vanhanen vor Jahresfrist seiner Freundin per SMS ("Das war's") den Laufpass gab, weiß man auch im Ausland, dass das Verschicken von SMS im Nokia-Land ein Nationalsport ist - und dass auch ein hohes politisches Amt nicht vor Torheiten bewahrt. Jetzt ist Finnlands bisheriger Außenminister, der Konservative lkka Kanerva, zum Thema geworden. Anfang März erklärte die 29-jährige Striptease-Tänzerin Johanna Tukiainen in der Klatschzeitschrift Hymy (Lächeln), Kanerva habe sie und ihre Schwester innerhalb weniger Wochen mit rund 200 SMS bombardiert. Kanerva stritt dies zunächst vehement ab, aber kaum jemand glaubte ihm. Schließlich hatte er sich schon früher als fleißiger Verfasser anzüglicher SMS-Mitteilungen geoutet. Vor seiner Ernennung zum Außenminister im Jahr 2007 machte der 60-Jährige Schlagzeilen, weil er weiblichen Bekanntschaften aus einem Nachtclub in Estlands Hauptstadt Tallinn zahlreiche heiße Botschaften geschickt hatte. Während Kanerva sich auf internationalem Parkett sicher und gewandt bewegt und auch neben seiner Kollegin Condoleezza Rice in Washington eine gute Figur machte, hat ihn in der SMS-Affäre das Gespür für den Umgang mit Krisen und den heimischen Medien wohl gänzlich verlassen. Immer seltener beantwortete er Fragen dazu mit einem Lächeln. Es sei nur um Geschäftliches gegangen, die Stripperin hatte bei seiner Geburtstagsparty auftreten wollen, behauptete er zunächst, und "aus Spaß" habe er dabei auch nach ihrer Unterwäsche gefragt. Spätestens auf der nächtlichen Pressekonferenz nach dem jüngsten EU-Gipfel jedoch in Brüssel zeigte ein reumütiger Kanerva mit seiner Entschuldigung, dass ihm der Spaß an der Geschichte vergangen war. Auch Jyrki Katainen, Vorsitzender der konservativen Sammlungspartei, machte aus seinem Ärger keinen Hehl: "Bis zu einem gewissen Punkt ist das ganze noch amüsant, aber jetzt ist es nicht mehr sehr lustig", klagte Katainen kurz vor Ostern. Mit geballten Fäusten verfolgten die Parteigranden wochenlang das Schauspiel, kritisierten regelmäßig das mangelnde Urteilsvermögen des Außenministers, sprachen ihm aber lange das Vertrauen aus - und hofften wohl auf ein baldiges Ende der Affäre. Die Ankündigung von Hymy, einige zweideutige Textnachrichten zu veröffentlichen, dürfte diese Hoffnung zunichte gemacht haben. Katainen hatte schließlich genug und feuerte gestern seinen Außenminister, der sich erst einmal krank meldete. Die Nachfolge tritt Kanervas Parteikollege Alexander Stubb an. Dessen jüngstes Buch könnte sogar als Aufmunterung für den scheidenden Vorgänger dienen. Titel: "Lächele, Du bist in der EU!" |
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