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"Schrecklich, beschämend, traurig" 
Nordiren reagieren entsetzt auf ausländerfeindliche Angriffe auf Rumänen in Belfast. Politiker versprechen Schutz

Barbara Klimke

18.06.2009. Nordirland erlebt eine neue Welle gewaltsamer Übergriffe, die diesmal von Rassisten ausgehen. 115 rumänische Einwanderer haben sich in Belfast in der Nacht zu Dienstag in eine Kirche flüchten müssen, weil sie beschimpft und belästigt wurden und Neonazis ihre Wohnungen attackierten. Inzwischen sind sie in einem städtischen Freizeitheim untergebracht. Nordirlands Vize-Ministerpräsident Martin McGuiness sprach von "schrecklichen Szenen" und nannte die Vorgänge beschämend.

Die rumänischen Familien, die sich im Süden Belfasts, nahe dem Universitätsviertel, von Neonazis bedroht fühlten, hatten am Dienstag zunächst Zuflucht in einem Haus gesucht, das zu klein für alle Bedrängten war. Sie standen hilflos auf der Straße, als ihnen der Pastor der Belfast City Church eine Unterkunft in seiner Gemeinde anbot; die Polizei eskortierte die Rumänen, unter ihnen ein wenige Tage altes Baby, in die Kirche. Die Familien seien entsetzt und verstört gewesen, berichtete Pastor Malcom Morgan dem Radiosender BBC. "Es ist ein trauriges Zeugnis für unsere Gesellschaft. Aber hoffentlich können wir ihnen eine andere, mitfühlende Seite Nordirlands zeigen." Der Pfarrer sprach von einer "kleinen Gruppe rassistischer Verbrecher", die hinter den Anschlägen stehen. Premierminister Gordon Brown sagte, die Behörden müssten alles tun, um die Familien zu schützen.

Ein Zusammenhang mit paramilitärischen Gruppen in Nordirland gilt als unwahrscheinlich. Zwei loyalistische Organisationen verurteilten die rassistischen Übergriffe und schlossen eine Verwicklung ihrer Anhänger aus. Bereits bei einem Fußball-WM-Qualifikationsspiel im März zwischen Nordirland und Polen war es in Belfast zu Randalen mit rassistischen Tendenzen gekommen. Die Situation eskalierte in dieser Woche: Als sich Nachbarn und Anwohner mit den rumänischen Familie solidarisierten und eine Demonstration gegen Ausländerfeindlichkeit organisierten, wurden sie von rechtsextremen Jugendlichen, die Naziparolen grölten, mit Flaschen und Steinen angegriffen.

Die Polizei, die Videomaterial auswerten lässt, geht davon aus, dass es sich um örtliche rassistische Jugendliche, nicht um organisierte kriminelle Gruppen handelt. Polizeichef Robert Murdie appellierte an die Bevölkerung, die Angreifer nicht zu decken: "Wir sollten uns alle schämen, dass solche Übergriffe in unserer Mitte stattfinden, nicht nur in Belfast, sondern in Nordirland", sagte er. Belfasts Bürgermeisterin kündigte einen harten Kurs gegen die Gewalttäter an, die Mitbürger terrorisieren. Eine der Frauen, die in der Kirche Zuflucht suchten, sagte, sie habe um ihr Leben gefürchtet; sie wolle lieber zurückgehen nach Rumänien, statt in Nordirland zu bleiben.

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