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Deutsche Demokratische Republik Kurzinfo: Das staatssozialistische Experiment auf deutschem Boden zeigte sich den politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Anforderungen eines modernen Industriestaates in Europa nicht gewachsen und scheiterte nach 40 Jahren. Die Geschichte der DDR ist eine Abfolge von Krisen. Die ostdeutsche Wirtschaft war durch die gewaltigen Kriegszerstörungen, die ungünstige Struktur von Industrie und Landwirtschaft, durch Demontagen der Sowjets (rund 1000 Betriebe und das zweite Eisenbahngleis wurden abgebaut) und Reparationen aus laufender Produktion (bis 1953) benachteiligt. Die Lieferungen an die UdSSR führten zur Umstellung der Produktion auf Bedürfnisse sowjetischer Abnehmer, ein Problem, das seit 1990 die Vereinigung noch immer mitbestimmt. Eine oft unkoordinierte Wirtschaftsplanung mit Zwei-, Fünf- und Siebenjahresplänen sowie die Finanzierung der Besatzungskosten und der schnelle Aufbau militärischer Verbände (Kasernierte Volkspolizei, Grenztruppen, Kampfgruppen, Nationale Volksarmee 1956, Wehrpflicht 1962) verschärften die Wirtschaftsprobleme. Die Umwälzung der Eigentumsverhältnisse führte in eine Versorgungskrise, die sich am Funken einer Erhöhung der Arbeitsnormen zum Streik der Bauarbeiter in Ostberlin entzündete und zum landesweiten Aufstand ausweitete (17. Juni 1953). er wurde durch Sowjetpanzer niedergeschlagen. Mindestens 50 Menschen wurden getötet oder hingerichtet. Die vermeintliche gefestigte Macht der SED, u.a. durch einen wachsenden Staatsicherheitsapperat, war nur durch dauernde Präsenz sowjetischer Truppen zu sichern. Nach dem Tode Piecks (1960) übernahm Walter Ulbricht auch den Vorsitz im neu geschaffenen Staatsrat und vereinigte damit als Staats- und Parteichef eine große Machtfülle in seiner Person. Der offiziell angekündigte Übergang zum Sozialismus und die Kollektivierung der Bauern ließen den Flüchtlingsstrom nach Westdeutschland anwachsen. Zwischen 1949 und 1961 verließen 2,7 Millionen Menschen das Gebiet der DDR.Um dem Ausbluten zu begegnen, ließ Ulbricht am 13. August 1961 eine Mauer quer durch Berlin ziehen und riegelte die Grenzen nach Westdeutschland ab. Nach dem Sturz der Stalinisten und nachfolgender Sowjetintervention in der CSSR 1968 gelang es der in der DDR nachgewachsenen Politikergeneration mit Moskauer Billigung durch Leonid Breshnew, Ulbricht durch Erich Honecker als Parteichef abzulösen. Es begann die "Trabbi-Wirtschaft" mit ausgeprägter Sozial- und Konsum-Politik zur Verteilung des Mangels für alle: Wohnungsbau, mehr langlebige Konsumgüter wie das Volksauto "Trabant", Beibehaltung der letztlich ruinösen Preissubventionen, autarkorientierte Industriepolitik nach der Ölkrise 1973. Dem Drang nach diplomatischer Anerkennung (Aufnahme in die UNO gleichzeitig mit der BRD 1973) und Eigenständigkeit unterstrich eine revidierte Verfassung von 1974, aus der jeglicher Hinweis auf eine Wiedervereinigung getilgt wurde. Anfang der 70er Jahre schien sich eine kulturelle Liberalisierung anzudeuten, die aber bei ersten Anzeichen von Kritik durch Repressionsmaßnahmen wieder zurückgenommen wurde: Ausbürgerung Wolf Biermanns 1976, Verhaftung Rudolf Bahros 1977, Schließung des SPIEGEL-Büros in Ost-Berlin nach Veröffentlichung eines oppositionellen Reform,-Manifestes 1978. Viele Bürger arrangierten sich mit den Zuständen durch Flucht in private Nischen oder nahmen Vorteile der Arbeitsplatzssicherheit wahr. Die innere Stabilität war jedoch trügerisch: Jugendliche, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen begehrten zunehmend auf. Steigende Milliardenschulden im Ausland signalisierten, daß die DDR weit über die eigenen Verhältnisse lebte, die Führung suggerierte aber der Bevölkerung einen generellen Aufschwung bei bescheidenerem Wohlstand. Die finanziellen Schwierigkeiten konnten bis 1989 nicht mehr überwunden werden, obwohl der bayrische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß 1983/84 fast 2 Milliarden DM Kredite westdeutscher Banken vermittelte. Die Perestroika in der östlichen Führungsmacht UdSSR veranlaßte die Partei-Konservativen in der DDR nicht zu grundlegenden Reformen, sondern nur zu einer neuen, milderen Reiseverordnung (14. Dezember 1988). Hunderte DDR-Bürger flüchteten im Sommer 1989 in die westdeutschen Botschaften in Prag, Budapest und Warschau. Als Ungarn am 2. Mai 1989 den Eisernen Vorhang an der Grenze zu Österreich öffnete, begünstigte es damit wieder eine Massenflucht (225.000 von Januar bis November 1989), die, wie 1961, aber diesmal endgültig, das System ins Wanken brachte. Als die SED im Mai 1989 auch noch die Kommunalwahlen fälschte und Sowjetchef Gorbatschow den Einsatz von Truppen zur Aufrechterhaltung der Regime in Osteuropa ablehnte (6. Juli 1989), verlor der SED-Staat seine Legitimation und Existenzgarantie. Trotz der machtvollen Montagsdemonstrationen seit 4. September 1989 mit Forderungen nach Reise-, Presse- und Versammlungsfreiheit und dem Entstehen von Bürgerbewegungen feierte die Staatsführung mit großem Pomp den 40. Jahrestag der Gründung der DDR. Ehrengast Gorbatschow belehrte die Reformunwilligen der SED: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben". Am 18. Oktober 1989 trat Erich Honecker als SED-Generalsekretär und DDR-Staatschef zurück, Egon Krenz wurde sein Nachfolger. Am 4. November 1989 demonstrierten Hunderttausende auf dem Berliner Alexanderplatz gegen das SED-Regime. Politbüromitglied Günter Schabowski verkündigte am 9. November 1989 unversehens die Öffnung der Berliner Mauer. An "Runden Tischen" einigten sich Bürgerbewegungen, Parteien und SED-Regierung auf Reformen, Kontrollen des Staatssicherheitsdienstes und die ersten freien Wahlen zur Volkskammer am 18. März 1990, die Lothar de Maiziere, gestützt auf eine "Allianz für Deutschland" (CDU, Demokratischer Aufbruch, Deutsche Soziale Union) sowie auf SPD und Liberale, zum Ministerpräsidenten wählte. Seine Regierung führte die Vereinigungsverhandlungen mit der Bundesrepublik. (Aus SPIEGEL-Almanach 1999) Die Entwicklung Deutschlands nach 1989 erklicken Sie bitte hier. |
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