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Vom Leibwächter zum Premier 
Bojko Borissow ist klarer Wahlsieger in Bulgarien

Norbert Mappes-Niediek

07.07.2009.

Bomberjacke, Dreitagebart, ein gehäkeltes schwarzes Läppchen auf dem fast kahlen Schädel - wie ein designierter Premierminister kommt Bojko Borissow nicht eben daher. Eher wie die Mischung aus Cop und Schläger, mit denen US-Fernsehsender die Jugend unterhalten. Tatsächlich stammt der heute 50-Jährige aus dem berüchtigten Security-Business, Firmen, die im wilden Sofia der 90er-Jahre andere Firmen schützten - meist voreinander. Am Sonntag aber ging Borissow, Gründer der konservativen Gerb-Partei und Bürgermeister von Sofia, als Sieger aus den Parlamentswahlen in Bulgarien hervor. Gestern kündigte er schnelle Koalitionsverhandlungen an. Er werde die nächste Regierung anführen, erklärte Borissow, wirksam gegen die Korruption vorgehen und die Wirtschaftskrise bekämpfen.

Noch in den 90er-Jahren galt der ehemalige Karate-Trainer und Offizieranwärter in Bulgarien als ein Halbkrimineller. Er gründete 1989 seine private Sicherheitsfirma Ipon. Neben Neureichen waren der abgesetzte kommunistische Machthaber Todor Schiwkow und Ex-König Simeon II. seine prominentesten Kunden. Simeon machte, als er Premierminister wurde, Borissow 2001 zum Polizeichef von Sofia.

Wer Borissow etwas fragt, muss zwar meistens mit einer geknurrten Antwort vorlieb nehmen. Aber das ist nicht viel mehr als eine Masche. Jeder soll begreifen: Boiko ist ein Mann der Tat, kein Mann des Wortes wie die geschwätzige Konkurrenz. Wendet sich der Frager dann gelangweilt ab, verwandelt sich Borissow urplötzlich in einen ganz normalen Politiker: Er wird eloquent, fast freundlich, will überzeugen. Als er 2005 Bürgermeister von Sofia wurde, hofften die einen, der Schwarzenegger-Verschnitt werde nun "ordentlich aufräumen". Die anderen fürchteten, nun würden die Hooligans in der Stadtverwaltung Einzug halten. Beides blieb aus. Wie im Gespräch, wandelte sich der Bürgerschreck auch in der Wirklichkeit zu einem Normalo.

Zu höheren Ehren strebt Borissow, seit er 2006 seine eigene Partei gründete. Die "Bürger für eine europäische Entwicklung Bulgariens", abgekürzt Gerb (Wappen), erschreckten zwar zunächst mit wilden Law-and-Order-Parolen, sogen dann aber mit einer klaren pro-europäischen Linie gerade die enttäuschten - und durchaus bürgerlichen - Wähler der alten antikommunistischen Parteien auf.

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