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Zwei Jahrtausende lang war Belgien Spielball und Zankapfel der europäischen Mächte. 1648 wurden die nördlichen Niederlande unabhängig, damit war in etwa die belgische Nordgrenze definiert. 1713 fielen nach dem Spanischen Erbfolgekrieg die - damals spanischen - südlichen Niederlande an die österreichischen Habsburger, damit wurde die Südgrenze zu Frankreich festgelegt. Die erste Unabhängigkeitserklärung 1790 hatte wenig Erfolg: Belgien wurde von 1794 bis 1815 von den Franzosen besetzt. 1815 erfolgte der Zusammenschluß mit den Niederlanden zum "Königreich der Niederlande" mit starker konfessioneller Spaltung. Septemberrevolution 1830 und nachfolgende Unabhängigkeitserklärung des belgischen Landesteiles mit Segen der Großmächte und Neutralitätsverpflichtung, die von Deutschland in beiden Weltkriegen grob verletzt wurde. Die Privatkolonie des belgischen Königs Kongo wurde von 1908 an staatlich verwaltet. Nach Anlehnung an Frankreich ab 1936 erneut Neutralitätspolitik, innenpolitische Schwächung durch Sprachenstreit und wechselnde Koalitionsregierungen, Aufkommen von Bewegungen mit faschistoiden Zügen. 1940 von deutschen Truppen besetzt, 1944 von den Alliierten befreit. Aufgabe der Neutralität 1945 und engste Integration in die Westbündnisse. 1960 Verlust der Kolonie Belgisch-Kongo. Seitdem mehrfach Wirtschafts- und Strukturkrisen sowie verschärfter Sprachenstreit, der 1992/93 zur Verfassungsänderung und starker Regionalisierung des Landes führte. Die Streitigkeiten zwischen Wallonen und Flamen um die föderale Staatsform gehen weiter. Separatisten und Ausländerfeinde sind seit Anfang der 90er Jahre in Flandern stark aufgekommen. Gefährlicher für den Staat ist der Verlust des Vertrauens der Menschen in die Obrigkeit nach der schleppenden Untersuchung der Skandale um die Kinderschänderbande von Marc Dutroux. Hinzu kommen Justizskandale und Wirtschafts- sowie parteipolitische Mord- und Korruptionsaffären. Problematisch ist auch die hohe Verschuldung. Liberale, Sozialisten und Grüne verständigten sich am 7.7.1999 in Brüssel auf ein Regierungsprogramm. Der designierte liberale Ministerpräsident Guy Verhofstadt wurde am 12.7.1999 von König Albert II. vereidigt. Aus der Parlamentswahl vom 13.6.1999 waren die Liberalen mit 23 der 71 Sitze erstmals als stärkste Kraft hervorgegangen. Die neue Ampelkoalition plant u.a. die Senkung der Einkommensteuer und zum Ausgleich den Verkauf von Staatsbetrieben. Zum ersten Mal seit über 40 Jahren sind die Christsozialen des bisherigen Regierungschefs Jean-Luc Dehaene nicht mehr an der Macht. Ihre Wahlniederlage (22 Sitze, 7 Mandate) wurde u.a. als Reaktion der Bevölkerung auf den Skandal um dioxinverseuchte Lebensmittel gedeutet. In Belgien stehen die Bemühungen um die Bildung einer neuen Regierung offenbar vor dem Scheitern. Flämische Medien berichteten am 22.08.2007, der von König Albert II. mit der Regierungsbildung beauftragte Wahlsieger Yves Leterme, Chef der flämischen Christdemokraten (CDV), werde das Handtuch werfen. Es war ihm in zweieinhalb Monaten nicht gelungen, unter den flämischen und wallonischen Parteien eine mehrheitsfähige Koalition zusammenzubringen. Die monatelange politische Krise in Belgien treibt nun auch die Bürger auf die Straße: Etwa 35 000 Menschen demonstrierten am 20.11.2007 in den Straßen Brüssels friedlich für die Einheit des vom Sprachenstreit zerrissenen Landes. Flamen und Wallonen marschierten gemeinsam durch die Hauptstadt Brüssel und bekundeten ihre Absicht, eine Spaltung des Landes in Flandern und Wallonien zu verhindern. "Für die Einheit" war auch auf dem Spruchband an der Spitze des Demonstrationszuges in den drei Sprachen Niederländisch, Französisch und Deutsch zu lesen. Die seit Monaten ergebnislosen Verhandlungen zur Regierungsbildung haben Spekulationen über ein Auseinanderbrechen des Königreichs ausgelöst. Besonders umstritten ist eine Staatsreform, vor allem flämische Nationalisten fordern mehr Zuständigkeiten für die Regionen. In Brüssel ist das traditionelle Neujahrsfeuerwerk wegen der anhaltend angespannten Sicherheitslage abgesagt worden. Die Bedrohung durch terroristische Anschläge bestehe weiter, wie Regierungsbeamte in der belgischen Hauptstadt am 30.12.2007 erklärten. Ein beliebter Weihnachtsmarkt im Stadtzentrum soll deswegen am Silvesterabend bereits um 18 Uhr schließen, anstatt die ganze Nacht geöffnet zu bleiben. Eine nahe gelegene Eislaufbahn soll abends ebenfalls geschlossen werden. 14 Terrorismus-Verdächtige waren kurz vor Weihnachten festgenommen worden. Für das ganze Land gelten seitdem verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Die Verdächtigen waren unter dem Vorwurf festgenommen worden, sie hätten versucht, den Al-Kaida-Anhänger Nizar Trabelsi aus dem Gefängnis zu befreien. Nach 24 Stunden wurden sie jedoch wegen mangelnder Beweise wieder auf freien Fuß gesetzt. Flughäfen, Bahnhöfe und Weihnachtsmärkte wurden daraufhin besonders streng überwacht. Hintergrundberichte:
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