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Sie liegen paradiesisch schön im Südpazifik - 5 Inseln und 29 Atolle, rund 3200 km südwestlich von Hawaii. Aber die Postkartenidylle einer mikronesischen Inselwelt, mit weißem Strand, Palmen und türkisgrüner See Traumziel vieler Urlauber, hat auf den Marschallinseln tiefe Risse: die Atolle Bikini und Eniwotek dienten den USA zwischen 1946 und 1958 als Gelände für Atombombentests. Insgesamt 63mal stiegen über den beiden Atollen die pilzförmigen Explosionswolken in den Himmel, darunter auch die mächtigste von US-Forschern je gezündete Wasserstoffbombe mit der 1000fachen Sprengkraft der Hiroshima-Bombe. Zusätzlich wurden 3 Tests unter Wasser durchgeführt.Die mikronesischen Bewohner, zumeist Fischer, tragen bis in die Gegenwart an den Folgen der US-Waffenversuche, die auch die größte Lagune der Welt, Kwajalein (Raketenzielgebiet) und weitere Inseln einbezogen. Durch die Tests radioaktiv hoch belastet, verloren die Bewohner nicht nur ihre Heimat - Eniwetok blieb bis 1980, Bikini sogar bis 1997 unbewohnbar; allein für die Entseuchung Bikinis mußten die USA etwa 100 Millionen Dollar aufwenden. Die Einwohner nahmen auch an medizinischen Experimenten der US-Regierung teil, vermutlich ohne über gesundheitliche Folgen aufgeklärt zu werden: dazu zählten Injektionen mit hochradioaktiven Substanzen, genetische Versuche und Knochenmarktransplantantionen. Japanische Wissenschaftler veröffentlichten Anfang 1995 eine Untersuchung, der zufolge 40% der ehemaligen Bewohner des Atolls Rongelap an Krebs erkrankt waren. Mit den Altlasten aus den Anfängen des Atomzeitalters haben Mensch und Natur bis heute zu tun: So weisen Pflanzen - Kokosnüsse vor allem - immer noch eine hohe Konzentration an radioaktivem Cäsium-137 aus, in Beton eingegossener Atommüll gibt Strahlung ab. Gleichwohl erklärten 6 wissenschaftliche Expertenteams Bikini zu Beginn des Jahres 1997 für "im Grundsatz wieder bewohnbar". Nun möchten Tourismusmanager, vor allem Sporttaucher aus aller Welt auf das Atoll locken. Die USA entließen die Marshallinseln 1986 in die Unabhängigkeit - die finanziellen Folgen der Atomtests reichen weit in die Zukunft: Entschädigung und medizinische Versorgung der Bevölkerung kosten Millionen. 1994 bot die US-Regierung dem Inselstaat 160 Millionen Dollar für die Baugenehmigung einer unterirdischen Atommülldeponie an. Ohnehin bleiben die Inseln auf US-Hilfe angewiesen. Der Export von Kopra und Fisch bringt nicht genug Geld in die Kassen. Auch die Einkünfte aus dem Tourismus sind bislang bescheiden, gerademal 9.000 Reisende kamen 1997 - die Inseln sind schwer zu erreichen und touristisch kaum erschlossen. Behalten Klimaforscher recht mit ihrer These vom Treibhauseffekt, haben die Bewohner der Marshallinseln im Jahr 2100 gravierendere Sorgen , als den Ausbau der Touristik zu forcieren: bei einem möglichen Anstieg des Meeresspiegels um etwa einen Meter wären große Teile ihres Paradieses im Pazifik versunken. Aktuelle Entwicklung: Im Oktober 2001 lief das "Free Association"-Abkommen von 1986 aus, mit dem sich das Land militärisch wie außenpolitisch an die USA koppelte, die den Inselstaat im Gegenzug bis dahin ,mit 1,1 Mrd. US$ unterstützen. Nun muß der Vertrag neu verhandelt werden und die USA wollen weniger Geld bereitstellen - schlechte Aussichten für die Wirtschaft, die durch Mißmanagement, gescheiterte Tourismus-Projekte, Korruption und fehlende Beratung durch die Geldgeber praktisch brach liegt. Viel zu spät erkannte die Regierung, daß eine selbsttragende Wirtschaft nötig ist. "Wir sind völlig abhängig von den USA, auch in unserem Denken und Fühlen" sagt Außenminister Alvin Jacklick. Noch kommen 80% des Staatshaushaltes aus den USA, die US-Regierung ist der größte Arbeitgeber. Einheimische Unternehmer gibt es kaum, nur mit Kopra und der Fischerei ist etwas Geld zu verdienen. |
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