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Ohne Abrakadabra 
Tadschikistans Präsident hat die Zauberei, das Wahrsagen und teure Hochzeiten verboten

Frank Herold

21.01.2008. In seiner väterlichen Fürsorge für das Wohl des Volkes hat Emomali Rahmon, Staatspräsident der im Herzen Asiens gelegenen Gebirgsrepublik Tadschikistan, jüngst eine weitere - nach seiner Ansicht - weise Entscheidung getroffen. Nach dem Verbot von Goldzähnen, teuren Hochzeiten und Beerdigungen sowie der Handys für Minderjährige trat zum Jahresbeginn ein Gesetz in Kraft, das Schwarze Magie, Hexerei und Wahrsagerei unter Strafe stellt.

Das rasante Wachstum der Berufsgruppe der Sterndeuter und Zauberer habe diese Maßnahme notwendig gemacht, heißt es offiziell. Mehr als 5 000 Menschen verdienen laut Polizeiangaben ihren Lebensunterhalt, indem sie magische Rituale abhalten, die ihren Mitbürger Glück verheißen oder einen Blick in die Zukunft gestatten. Die Dunkelziffer liegt nach Ansicht von Experten weit höher. Wer auf frischer Tat ertappt wird, muss nun mit Strafen zwischen 150 und 200 Euro rechnen. Das entspricht in etwa dem durchschnittlichen Jahreseinkommen eines Tadschiken.

Was wie die neueste Laune eines bizarren Herrschers aussieht, hat für viele Tadschiken weitreichende Folgen. Große Teile der Bevölkerung sind durch die tiefe wirtschaftliche Not und Jahre des Bürgerkrieges traumatisiert. Das Gesundheitswesen jedoch ist weitgehend zusammengebrochen. In dieser Situation spielen Hexen und Zauberer die Rolle von Psychotherapeuten. Das Pseudoreligiöse ihrer Rituale ist jedoch der islamischen Geistlichkeit des Landes ein Dorn im Auge. Diese wiederum braucht Rahmon als Stütze seiner Herrschaft.

Letztlich ebenso rational ist der Hintergrund des Verbots von Luxus-Hochzeiten und -Beerdigungen. Weit mehr als eine Milliarde Euro wurde in Tadschikistan im vergangenen Jahr dafür ausgegeben. Der Staatshaushalt beläuft sich nur auf etwa eine Milliarde Euro. Die Gästeliste solcher Festivitäten kann leicht 1 000 Personen erreichen, denn die Veranstaltungen ziehen sich über Tage hin. Gefeiert wird die Brautwerbung, der Auszug der Braut aus dem Elternhaus, die Ankunft in der neuen Familie, die Vorstellung des Brautschmucks und vieles mehr. Rund 500 000 Kühe und Schweine sollen jährlich bei Familienfesten geschlachtet werden.

Dieses Prassen und das Verschleudern von Unsummen kann sich allerdings nur eine kleine Schicht leisten. Insgesamt gehört das Land zu den ärmsten der Welt. Um den Unmut über die auch noch zunehmende soziale Ungleichheit zu dämpfen, verfügte Rahmon im vergangenen Jahr, 200 Gäste, zwei warme Gerichte und ein Hochzeitskonvoi von vier Fahrzeugen seien auch genug.

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