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Korea hat es seit je verstanden, seine kulturellen und ethnischen Eigenheiten zu bewahren, obgleich das Land stets vielfältigen Einflüssen aus dem Ausland (China, Japan) ausgesetzt war. Sie wurden zwar meist angenommen, aber mit dem eigenen Erbe verbunden. Schon im 7. Jahrhundert wurden drei rivalisierende Königtümer zu einem Reich zusammengefaßt, das allerdings politisch unter chinesischem Einfluß stand. So auch die Yi-Dynastie, die von 1392 bis 1910 regierte und zunächst von der Ming-Dynastie (1368 bis 1644) und dann von der Qing-Dynastie (1644 bis 1911) in China abhängig war. Mit Hilfe der Chinesen wurden mehrere japanische Eroberungsversuche abgewiesen. 1876 erzwang sich Japan im Vertrag von Kanghwado Handelsrechte; nach dem chinesisch-japanischen Krieg von 1894 wurde Korea zum japanischen Protektorat. Im Zweiten Weltkrieg wurden viele Koreaner zur Zwangsarbeiter nach Japan verschleppt. Nach Ende des Krieges wurde Korea in eine sowjetisch und eine amerikanisch beeinflußte Zone geteilt. Die Demarkationslinie verlief entlang dem 38. Breitengrad. Schon 1948 stellte sich heraus, daß alle Wiedervereinigungsversuche hoffnungslos waren. Im Süden konstituierte sich die Republik Korea, die USA begannen mit dem Rückzug ihrer Truppen. Am 25. Juni 1950 überschritten nordkoreanische Truppen die Demarkationslinie und erzielten rasche Erfolge. Auf Beschluß des Sicherheitsrates der UNO starteten UNO-Truppen, hauptsächlich Amerikaner, unter General Douglas McArthur im September einen Gegenangriff und erreichten bereits im November die chinesische Grenze. Doch wieder wendete sich das Kriegsglück. Die Chinesen griffen in die Kämpfe ein, drängten die Amerikaner zurück und eroberten am 4. Januar 1951 erneut Soul. Im Gegenzug trieben die Amerikaner wiederum die Chinesen und Nordkoreaner bis zum 38. Breitengrade zurück: Dort verharrten die Kämpfe in einem Stellungskrieg. Erst am 27. Juli 1953 wurde ein Waffenstillstandsabkommen unterschrieben. Am 38. Breitengrad wurde eine entmilitarisierte Zone festgelegt. Der Wiederaufbau in Südkorea begann mit amerikanischer Hilfe. Erster Präsident wurde Syngman Rhee, der jedoch 1960 nach einer Reihe von   Studentendemonstrationen, die ihn der Korruption verdächtigten, resignierte und zurücktrat. Danach folgten Militärputsche und Militärdiktaturen. Dennoch machte Südkorea wirtschaftlich große Fortschritte und wandelte sich - besonders unter General Chun - vom Agrar- zum Industriestaat. Mitte 1987 erklärte sich Chun - nach wochenlangen Demonstrationen - bereit, die Verfassung zu ändern und seinen Nachfolger direkt vom Volk wählen zu lassen. Die Wahl gewann Roh Tae Woo und im Land kehrte Ruhe ein. Nur die Studenten protestierten weiter für Demokratie und forderten außerdem größere Anstrengungen zur Wiedervereinigung sowie eine Reduzierung der in Südkorea stationierten    amerikanischen Truppen. 1990 begannen zwar Gespräche auf hoher Ebene mit Nordkorea, doch bislang zeichnen sich keine nennenswerten Erfolge ab. Seit Mitte der 90er Jahre wird Südkorea von einem riesigen Korruptionsskandal erschüttert, in dessen Strudel auch ehemalige Präsidenten und Minister geraten. Präsident Kim Young Sam mußte sich beim Volk entschuldigen und die Regierung umbilden. Im Dezember 1997 wählten die Koreaner Kim Dae Jung zu ihrem neuen Präsidenten - einen charismatischen Demokraten, der zuvor jahrelang inhaftiert oder ins Exil verbannt worden war. Gleich nach seiner Wahl kündigte er neuerliche Anstrengungen zur Verbesserung der Beziehungen mit Nordkorea an. Erstmals seit 55 Jahren wollen sich die nord- und südkoreanischen Staatschefs im Juni 2000 zu politischen Gesprächen treffen. Das wurde am 09.04.2000 in beiden Hauptstädten bekannt.

Nach dem historischen Gipfeltreffen zwischen Süd- und Nordkorea in Pjöngjang, über dessen Ergebnisse wenig bekannt wurde, haben die beiden bisherigen Erzrivalen ihre gegenseitigen Propaganda-Attacken eingestellt. Südkoreas Verteidigungsminister Cho Sung Tae wies nach Angaben eines Sprechers in Soul die Truppen an der Grenze am 16. Juni 2000 an, jede Art von Schmähkampagnen gegen den kommunistischen Norden über Lautsprecher oder elektrische Signale zu stoppen. Damit habe der Süden auf entsprechende Schritte Nordkoreas reagiert.

Bei der größten Massenflucht aus dem stalinistischen Nordkorea seit dem Ende des Korea-Kriegs vor mehr als 50 Jahren sind am 28.07.2004 erneut mehr als 200 Nordkoreaner nach Südkorea gelangt. Eine Chartermaschine mit den Flüchtlingen landete auf dem Flughafen der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Insgesamt wurden damit binnen zwei Tagen 468 Nordkoreaner aus einem südostasiatischen Drittstaat nach Südkorea ausgeflogen. Die Regierung in Seoul bezeichnete das Thema als "sensibel" und verhängte Geheimhaltung darüber, über welches Drittland die Menschen flohen. Vermutlich handelt es sich um Vietnam.

Als Reaktion auf die Massenflucht von Nordkoreanern nach Südkorea hat die Regierung in Pjöngjang ein innerkoreanisches Treffen boykottiert. Das Ministerium für Wiedervereinigung bedauerte am 03.08.2004 die Entscheidung Nordkoreas. Südkorea hatte bereits mit einem Boykott gerechnet, da Pjöngjang auf die Einladung erst gar nicht reagiert hatte.

Erstmals seit mehr als einem Jahr haben sich nord- und südkoreanische Grenzsoldaten wieder einen Schusswechsel geliefert. Soldaten Nordkoreas feuerten am 06.08.2007 in Richtung eines südkoreanischen Grenzpostens. Das teilte ein Sprecher des südkoreanischen Verteidigungsministeriums mit. Als Reaktion auf die Maschinengewehrsalven hätten südkoreanische Soldaten zehn Warnschüsse abgegeben. Ob die Nordkoreaner absichtlich schossen oder nicht, war zunächst unklar. Bei dem Vorfall wurde demnach niemand verletzt.

Zu dem Zwischenfall kam es am frühen Nachmittag (Ortszeit) bei Inje etwa 165 Kilometer nordöstlich von Seoul, wie der Sprecher sagte. Nach den Warnschüssen sei von den Nordkoreanern über Lautsprecher eine Entschuldigung verlangt worden, doch diese hätten darauf nicht reagiert, erklärte ein Sprecher des südkoreanischen Militärs. "Wir wissen momentan nicht, ob die Nordkoreaner das Feuer versehentlich oder absichtlich eröffnet haben", sagte er.

Seit dem interkoreanischen Gipfel von 2000, der eine Annäherung beider Seiten einleitete, waren derartige Vorkommnisse sehr selten. Das kommunistische Nordkorea und das kapitalistische Südkorea befinden sich aber offiziell noch im Kriegszustand, da sie nach dem Korea-Krieg (1950-1953) kein Friedensabkommen geschlossen hatten. Ende Juli waren Gespräche wegen anhaltender Differenzen über den Grenzverlauf zwischen den beiden Ländern gescheitert.

Südkoreas kommender Präsident Lee Myung Bak will den Druck auf Nordkorea erhöhen. Auf der ersten Pressekonferenz nach seinem Wahlsieg am 20.12.2007 forderte der konservative Politiker gestern in Seoul, Pjöngjang müsse im Gegenzug für Wirtschaftshilfen aus Südkorea sein Atomprogramm komplett abbauen. Außerdem werde er Nordkorea zur Einhaltung der Menschenrechte auffordern. "In den innerkoreanischen Beziehungen sollten wir nicht vor Kritik zurückschrecken", sagte Lee.


Hintergrundberichte:

22.06.2009 Der irre Cousin - Die Menschen in Südkorea lassen sich von den Drohungen aus Pjöngjang nicht beeindrucken. Doch der Norden spaltet ihre politischen Lager
13.08.2004 Raumschiff Yeongi-Gongij - Südkorea hat beschlossen, sich bis 2014 eine neue Hauptstadt zu bauen

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