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Raumschiff Yeongi-Gongij

Südkorea hat beschlossen, sich bis 2014 eine neue Hauptstadt zu bauen

12.08.2004. Bis zum Jahr 2014 soll Südkorea eine neue Hauptstadt bekommen. Die Arbeiten zum Bau in der 160 Kilometer südlich von Seoul gelegenen Region Yeongi-Gongij würden in drei Jahren beginnen, kündigte Präsident Roh Moo Hyun jetzt an. Roh will damit die für Koreas Demokratie zur Belastung gewordene Verquickung von politischen Eliten, Großkonzernen und Verwaltung aufbrechen. Die neue Hauptstadt soll für Entzerrung sorgen und zugleich die Kraft des überbevölkerten Großraums Seoul in die Provinzen verteilen. Außerdem kann man dem ewigen Konkurrenten Japan so eins auswitschen: Denn dort wird seit Jahrzehnten über die Anlage einer rein politischen Hauptstadt debattiert. Doch bisher reichten die Bindekräfte Tokios aus, solchen Plänen einen Riegel vorzuschieben.

Denn die Erfahrung mit Hauptstädten, die Politik und Staatsverwaltung künstlich entfernen von den wirtschaftlichen und kulturellen Zentren, ist eher ernüchternd: Bonn wurde als "Raumschiff" verspottet, erst seit dem Umzug nach Berlin wird wirklich über Reformen des Staates gestritten. Canberra ist selbst manchem Australier nicht als Hauptstadt bekannt. Niemals sorgte das Wegsperren der Politiker und Verwaltungschefs dafür, dass die besser kontrolliert wurden. Auch die Paradeneuehauptstadt an sich, Brasilia, ist trotz der als Welterbe anerkannten Stadtplanung und Architektur erst zum Erfolg geworden, als Wirtschaft und Kultur nachzogen. Doch nun hat Brasilia zwar im kleineren Maßstab, aber grundsätzlich genau die Probleme, denen man einst aus Rio entfloh.

Die beste Kontrolle der Staatsspitze ist nicht die Verlegung in die Provinz, sondern sind eine freie Presse, freie Gerichte, freie Wahlrecht. Das alles hat Korea, inklusive scharfes Antikorruptionsgesetz. Es muss nur durchgesetzt werden. Das spart auch Geld - immerhin 32 Milliarden Euro soll die neue Hauptstadt kosten.

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