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Rund eine Milliarde Muslime in aller Welt blicken tagtäglich nach Saudi-Arabien, denn dort liegen die beiden heiligen Städte des Islams, Mekka und Medina. In Mekka wurde um 570 der Prophet Mohammed geboren und lebte dort, bis er sich 622 gezwungen sah, nach Medina zu fliehen. Als er 632 starb, hatte er die zerstrittenen Beduinenstämme der arabischen Halbinsel durch die neue Religion geeint. Die atemberaubende Expansion des Islams begann. Keine Nation signalisiert schon im Namen so offenkundig die Macht- und Besitzverhältnisse im Lande: Saudi-Arabien ist praktisch Privatbesitz einer Herrscherfamilie; die rund 5000 Prinzen der Saudi-Dynastie und ihre Angehörigen leben in märchenhaftem Luxus. Über allen thront der König. Die Quelle ihres Reichtums liegt seit Ewigkeiten unter dem Sand. Die Familie der Al Saud tauchte zum ersten Mal vor rund 250 Jahren in der Geschichte Arabiens auf. Mohammed Ibn Saud, einer von vielen Stammesfürsten im von Rivalitäten und Fehden zerstrittenen Arabien, ging um 1750 eine Allianz mit dem Religionsgelehrten Mohammed Ibn Abd el-Wahhab ein, dessen Lehre von strengem Monotheismus gekennzeichnet ist. Nachdem die Türken die ersten beiden saudischen Staaten zerstört hatten (1818 und 1892), gelang es dem saudischen Herrscher Abd el-Asis II. - bekannt als Ibn Saud - erneut ein großes Territorium zu erobern. Einer seiner Helfer: der legendäre Engländer Lawrence von Arabien. 1932 wird der Staat offiziell zum Königreich Saudi-Arabien erklärt. Um diese Zeit wird das Öl entdeckt. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg exploriert, kapituliert es das rückständige Königreich in die Neuzeit. Politisch ist das Königreich bald der zuverlässigste Partner der USA in der sich schnell verändernden Welt des Nahen Ostens. An den Kriegen gegen Israel beteiligt sich Saudi-Arabien vor allem mit Milliarden von Petrodollars. Nach der Ölkrise 1973/74 steht Saudi-Arabien im Zenit seiner Macht und Milliarden; ohne die Koalition USA/Saudi-Arabien geht im Nahen Osten nichts. Zugleich aber regte sich auch Widerstand gegen die Verwestlichung der saudiarabischen Gesellschaft: 1979 besetzten 500 religiöse Eiferer die große Moschee von Mekka, 161 Menschen werden getötet. Ähnlich Ungeheuerliches geschah im Golfkrieg von 1991: Saudi-Arabien, Aufmarschgebiet der alliierten Streitkräfte gegen den Irak, sah sich plötzlich von weiblichen US-Soldaten verteidigt - als Land, in dem Frauen das Autofahren verboten ist. |
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