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Selten verlief die Geburt eines Staates so blutig. Während Pakistans Mohammed
Ali Jinnah und Indiens Jawaharlal Nehru 1947 in
Karatschi und Delhi das Entstehen Pakistans feierten, fielen ihre beiden Völker, hier
Hindus, dort Muslime, in einem beispiellosen Blutrausch übereinander her. Seitdem
herrscht tiefe Feindschaft zwischen den Staaten. 4 Kriege verlor Pakistan in den folgenden
Jahrzehnten gegen Indien - und dann auch noch einen Teil des ursprünglichen,
zweigeteilten Staatsgebietes. 1971 erklärte sich der
östliche Teil des Landes nach einem blutigen Bürgerkrieg unter dem Namen Bangla Desh
für unabhängig. Unter General Mohammed Ayub Khan ab 1958
erlebte das Land einige Reformen, doch er wurde 1969 zum
Rücktritt gezwungen. Die ersten freien Wahlen sahen Zulfikar Ali Bhutto als
Sieger. Doch nach einer schweren Wirtschaftskrise und blutigen Unruhen übernahm 1977 das Militär erneut die Macht: General Zia ul-Haq
ließ Bhutto hinrichten. 1988 stürzte Zia
mit dem Flugzeug ab - vermutlich ein Attentat. Nachfolger Ishaq Khan setzte ein
Regierungskarussell in Bewegung. 2 Jahre lang durfte die Bhutto-Tochter Benazir
regieren, dann wurde sie vom Präsidenten entlassen, der gleich auch noch das Parlament
auflöste. Dem Sieger der Neuwahlen, Mian Nawaz Sharif, gab er bis zur Entlassung
ein Jahr mehr Zeit. Dann war Benazir Bhutto noch einmal dran - und 1997 schließlich wieder Sharif, der seinerseits dafür
sorgte, daß daraufhin ein ihm ergebener Präsident gewählt wurde. Im Streit um das
einstige Fürstentum Kaschmir, der schon viermal zu bitteren Waffengängen mit Indien
führte (das letztmals im Mai/Juni 1999), ist die Apokalypse
jederzeit denkbar. Denn neben Indien verfügt nun auch Pakistan über Atomwaffen, die
Gegner stehen sich seit 50 Jahren unversöhnlich gegenüber. Im Oktober 1999 putschte das
Militär, setzte den Ministerpräsidenten ab und erklärte den Ausnahmezustand. Fast einen
Monat nach dem unblutigen Umsturz in Pakistan wurde der frühere Regierungschef Nawaz
Sharif (49) am 11.11.1999 in Islamabad der kriminellen
Verschwörung und des Hochverrats angeklagt. Darauf steht in Pakistan die Todesstrafe.
Ziel der Verschwörung sei laut Anklage die Ermordung des Armeechefs und neuen Machthabers
Pervez Musharraf sowie 200 weiterer Insassen eines Verkehrsflugzeuges gewesen.
Nach Angaben des Militärs wurde der Maschine von Musharraf am 12.10.1999 die
Landeerlaubnis in der südlichen Hafenstadt Karachi verweigert, obwohl ihr der Treibstoff
auszugehen drohte. Unmittelbar danach stürzte Musharraf die Regierung Sharif;
die Streitkräfte nahmen den Ministerpräsidenten in Haft. Der Militärputsch wurde
international verurteilt. Die Atommächte Indien und Pakistan haben die Einrichtung eines Roten Telefons zur Vermeidung von Konflikten vereinbart. Zwischen den Außenministerien beider Länder werde eine sichere Hotline hergestellt, erklärten die Delegationen der lange Zeit verfeindeten Nachbarstaaten am 20.06.2004 zum Abschluss zweitägiger Verhandlungen in der indischen Hauptstadt Neu Delhi. Zugleich bekannten sich Indien und Pakistan zu ihrem Moratorium für Atomtests. Dieses werde nur dann aufgehoben, wenn sich ein Land in seiner Souveränität bedroht fühle. Die Atommächte Indien und Pakistan haben am 05.08.2004 mit Gesprächen über einen Truppenabzug von einem seit Jahrzehnten umstrittenen Himalaja-Gletscher in der Kaschmir-Region begonnen. Die für zwei Tage angesetzten Verhandlungen zwischen Pakistans Verteidigungsminister Hamid Nawaz Khan und seinem indischen Kollegen Ajai Vikram Singh in indischen Neu-Delhi zielen auf die Entmilitarisierung des Gletschers. Ein Kricketspiel der beiden Nationalmannschaften stand beim ersten Indienbesuch des pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf seit vier Jahren auf dem Programm. Gemeinsam mit Indiens Premierminister Manmohan Singh begrüßte er am 17.04.2005 die rund 30 000 Zuschauer im Stadion in Delhi. Der Besuch, den Musharraf im Vorfeld als historisch bezeichnet hatte, brachte weitere Fortschritte auf dem Weg zum Frieden zwischen den "Erzfeinden" Indien und Pakistan. Sie vereinbarten, die Handels- und Verkehrsbeziehungen auszubauen und sich um eine Lösung des Kaschmirkonflikts zu bemühen. Zehntausende Tote und Verwüstungen über Landesgrenzen hinweg: Nach dem verheerenden Erdbeben in Südasien am 08.10.2005 wird das Ausmaß der Katastrophe immer erschreckender. Allein in Pakistan kamen nach Schätzungen vermutlich mehr als 41 000 Menschen ums Leben. Im Norden Indiens starben mindestens 850 Menschen. Rund um den Globus setzte eine Welle der Hilfsbereitschaft ein. Einen Hintergrundbericht dazu finden Sie hier. Nach Protesten von Menschenrechtsorganisationen will Pakistans Regierung vergewaltigten Frauen die Klage gegen ihre Peiniger erleichtern. Sie billigte am 02. August 2006 einen Gesetzentwurf, diese Frauen von der Pflicht befreit, vor Gericht ihre Unschuld beweisen zu müssen. Pakistan und Indien haben am 01.01.2007 Listen über ihre Atomanlagen ausgetauscht. Die 1988 ausgehandelte und 1991 in Kraft getretene Abmachung über den Listenaustausch am Neujahrstag soll Angriffe der beiden verfeindeten Länder auf atomare Anlagen des Gegners verhindern, teilte das pakistanische Außenministerium mit. 2005 wurde zudem eine Telefonhotline eingerichtet, um einen Atomkonflikt zu verhindern. Indien und Pakistan führten in der Vergangenheit drei Kriege gegeneinander, zwei davon um die umstrittene Region Kaschmir im Himalayagebiet. Pakistans Oberster Gerichtshof hat am 28.09.2007 eine Kandidatur von Militärmachthaber Pervez Musharraf für eine weitere Amtszeit als Präsident auch ohne vorherigen Rücktritt als Armeechef für rechtens erklärt. Die gegen die Kandidatur eingereichten "Beschwerden wurden per Mehrheitsentscheidung abgewiesen", sagte Rana Bhagwandas, der in dem Richterausschuss den Vorsitz innehatte. Die Entscheidung sei mit sechs zu drei Stimmen getroffen worden, fügte der Richter hinzu. Die Beschwerden waren von Oppositionsparteien und vom Anwaltsverband des Landes eingereicht worden. Die Opposition kündigte an, Berufung gegen das Urteil einzulegen. Musharraf, der 1999 mit einem Putsch an die Macht kam, will sich am 6. Oktober für eine weitere fünfjährige Amtszeit als Präsident wiederwählen lassen. Dabei setzt er auf bestehende Mehrheiten im Parlament und in den vier Provinzversammlungen, wo die Wahl stattfindet. Kritiker verlangten, dass er vor einer Kandidatur als Generalstabschef zurücktreten solle. Außerdem sollten noch in diesem Winter anstehende Parlamentswahlen abgewartet werden, damit die Präsidentenwahl auch die tatsächlichen Mehrheitsverhältnisse im Lande widerspiegele. Das Oberste Gericht Pakistans will sich mit der Amnestie befassen, die Präsident Pervez Musharraf der unter Korruptionsverdacht stehenden früheren Regierungschefin Benazir Bhutto gewährt hat. Man werde prüfen, ob irgendein Regierungsmitglied aus dem Dekret Vorteile ziehe, erklärte das Gericht am 12.10.2007. Nach neun Jahren an der Spitze der Streitkräfte ist Pakistans Präsident Pervez Musharraf als Armeechef zurückgetreten. In der Garnisonsstadt Rawalpindi übergab der 64-Jährige das Amt am 28.11.2007 an den früheren Spionagechef Ashfaq Kiyani. "Morgen werde ich keine Uniform mehr tragen", sagte Musharraf vor mehreren hundert Gästen. Der Staatschef soll am Donnerstag für eine weitere Amtszeit - erstmals in Zivil - vereidigt werden. Generalstaatsanwalt Malik Muhammad Qayyum kündigte an, Musharraf werde den Ausnahmezustand in Kürze aufheben. Der Westen begrüßte den Rücktritt, forderte aber die Aufhebung des Ausnahmezustandes. Als Musharraf am Morgen das Hockeystadion von Rawalpindi betrat, spielte die Kapelle die traditionelle schottische Abschiedshymne Auld Lang Syne. Eine Ehrengarde begleitete den scheidenden Armeechef und seinen Nachfolger zu ihren Plätzen. "Diese Armee ist mein Leben, sie ist meine Leidenschaft", sagte Musharraf, der eine Schärpe über seiner khakifarbenen, von zahlreichen Orden geschmückten Uniform trug. Er habe die Armee "geliebt" und sei angesichts des Abschieds "ein bisschen traurig", sagte Musharraf, der 46 Jahre lang in der Armee diente. Mit seinem Rücktritt als Oberbefehlshaber der Atomstreitmacht beugte sich Musharraf internationalem Druck vor allem aus den USA. Er war seit dem 7. Oktober 1998 Generalstabschef und hatte ein Jahr später, am 12. Oktober 1999, mit einem unblutigen Putsch die Macht in Pakistan übernommen. Am Donnerstag soll er in Zivil als Präsident vereidigt werden. Die Regierungskoalition in Pakistan hat am 06.08.2008 die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen den umstrittenen Präsidenten Pervez Musharraf beschlossen. Informationsministerin Sheri Rehman sagte nach einem Treffen der Koalitionsparteien in Islamabad, der entsprechende Entwurf für das Parlament sei vorbereitet worden. Einen Hintergrundbericht finden Sie hier. Die pakistanische Regierung hat die radikal-islamische Organisation Tehrik-e-Taliban offiziell verboten. Wie ein Sprecher des Innenministeriums am 25.08.2008 in Islamabad mitteilte, wurden die Bewegung des Extremisten-Führers Baitullah Mehsud zur «terroristischen Vereinigung» erklärt. Die in den Stammesgebieten im Nordwesten des Landes aktive Organisation gilt als pakistanischer Ableger der in Afghanistan aktiven Taliban und Dachorganisation der militanten Islamisten in Pakistan. Hintergrundberichte:
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