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Seit Nordkorea im Oktober 2002 zugeben musste, dass es entgegen einem Abkommen mit den USA von 1994 weiter an Atomwaffen forscht, spitzt sich die Lage fast täglich zu. Zuletzt wies Nordkorea UNO-Waffeninspekteure aus und verlangte von den Amerikanern einen Nichtangriffspakt.

Diese Strategie der schrittweisen Provokation könnte jedoch am Ende dazu führen, dass jemand an der hochgerüstetsten Grenze der Welt die Nerven verliert. Eine militärische Auseinandersetzung auf der koreanischen Halbinsel hätte fürchterliche Folgen,   Schätzungen gehen dabei von bis zu einer Million Toten aus.

Beiderseits der 255 Kilometer langen Grenze zwischen Nord- und Südkorea stehen zwei Millionen Soldaten. 37 000 US-Soldaten sind in Südkorea stationiert. Der kommunistische Norden hat 16 000 Artilleriegeschütze auf den mit Amerika verbündeten südlichen Nachbarn gerichtet. 600 Raketen sind zudem übers Land verteilt. Die Region gleicht einem Pulverfass. Damit nicht genug: Das Regime von Diktator Kim Jong Il verfügt auch noch über zwei Atomsprengköpfe.

Derzeit versucht vor allem Südkorea alles, um die Krise per Diplomatie zu beseitigen. Die rege Reisediplomatie der Südkoreaner hat einen sehr ernsten Hintergrund. Wiedervereinigungsminister Jeong Se Hyun macht vom Ende der Atomkrise nichts weniger als "das Überleben des koreanischen Volkes" abhängig. Wohl nicht zu Unrecht: Diktator Kim drohte unlängst, sollte Nordkorea angegriffen werden, würde Seoul "in einem Meer von Feuer versinken".

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Atomkraftwerk Jongbjon

Die Krise ausgelöst hat wohl ein nordkoreanischer Überläufer, der dem Süden ein geheimes Forschungsprogramm verraten hat. Das war jedoch ein Verstoß gegen den Vertrag von 1994. Dieser verbot Nordkorea jede weitere Kernwaffenforschung und verpflichtete es, die Plutonium-Anlagen in Jongbjon einzumotten.

Als Ersatz versprach Washington zwei Leichtwasser-Reaktoren, mit denen man zwar Energie, aber kein waffenfähiges Material erzeugen kann. Bis dahin sollten 500 000 Tonnen Heizöl jährlich über Energienöte hinweghelfen. Nach Nordkoreas Atomwaffen-Geständnis stellten die USA die Öllieferungen aber empört ein. Nordkorea fuhr daraufhin Jongbjon wieder hoch. Für die USA eine neue Provokation - die UNO vermutet dort "genug angereichertes Plutonium, um drei Atombomben innerhalb weniger Monate herzustellen".

Experten glauben, dass das Regime in Pjöngjang - von ständiger Paranoia vor den imperialistischen Feinden an seinen Grenzen gefangen - die Atomwaffenforschung als billigste und einfachste Form der Abschreckung betreibt. Und sie diene als Trumpfkarte im Pokerspiel mit den Amerikanern: eine mögliche Lösung in diesem riskanten Spiel könnte nämlich lauten: Nordkorea mottet Jongbjon wieder ein und bekommt dafür das ersehnte Heizöl geliefert.

Die Strategie der Erpressung hat ja schon einmal geklappt. 1994, als Nordkoreas Atomchef Kang Sok Ju den damaligen US-Präsidenten Bill Clinton zu Kompromissen zwang: Für massive Wirtschaftshilfe stellte Nordkorea sein Atomprogramm ein. Wieso, mag sich Pokerspieler Kang denken, sollte das jetzt nicht wieder funktionieren?

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