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Die Schutzmacht fürchtet um ihren Ruf Bernhard Bartsch 25.09.2007. Egal ob Politik, Wirtschaft oder Militärwesen - die Verbindungen zwischen Peking und Rangun sind so eng, dass Birma mitunter als "Chinas 24. Provinz" bezeichnet wird. Bisher war das für die Volksrepublik schmeichelhaft. Doch seitdem die Konfrontation zwischen Demonstranten und Militärregierung zu eskalieren droht, steht auch Birmas politische Schutzmacht unter Druck. Wenn ein Land die Generäle daran hindern könne, ihre Armee gegen das eigene Volk einzusetzen, dann Peking, so heißt es. Dabei ging die chinesische Führung im Juni 1989 selbst mit Panzern gegen friedlich demonstrierende Studenten vor. "Ohne Chinas Unterstützung hätte das Regime nicht bis heute überlebt", sagt der Exilbirmese Aung Saw, Herausgeber des in Thailand erscheinenden Magazins Irrawaddy, das unabhängig über die Situation in seinem Heimatland berichtet, im Gespräch mit der Berliner Zeitung. "Aber Peking hat ein großes Interesse an politischer Stabilität und wird die Regierung zweifellos drängen, auf keinen Fall Gewalt anzuwenden." Denn das Land am Golf von Bengalen ist für die Volksrepublik in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung. Zunächst ist Birma ein Handelspartner, der chinesische Produkte kauft und China mit Ressourcen wie Öl, Gas, Holz und Jade beliefert. Gleichzeitig bietet das Land der Volksrepublik einen direkten Zugang zum Indischen Ozean. Würden die Verbindungslinien in Birma entsprechend ausgebaut, könnten die Kosten für Chinas Rohstoffimporte aus dem Nahen Osten und Afrika künftig deutlich sinken, weil die Schiffe die 5 000 Kilometer lange Fahrt um die südostasiatische Halbinsel vermeiden könnten. Seit Jahren investiert Peking deshalb in Birmas Infrastruktur, vor allem in den Aufbau einer belastbaren Eisenbahnverbindung. Auch eine Pipeline ist im Gespräch. Darüber hinaus hat Birma für China eine wichtige politische Funktion. Das bilaterale Verhältnis beider Länder gilt als Modell der Führungsrolle, die Peking in der Region anstrebt: China bietet wirtschaftliche Kooperation und politische Rückendeckung, ohne sich jedoch in interne Angelegenheiten einzumischen. Seit 1989 hat China Birmas Generälen militärische Ausrüstung im Wert von rund zwei Milliarden Dollar geliefert. Im UN-Sicherheitsrat bremste der Pekinger Vertreter mit seinem Vetorecht mehrfach Initiativen westlicher Länder, den internationalen Druck auf die Junta zu erhöhen. Für viele asiatische, aber auch afrikanische Herrscher, die mit zweifelhafter Legitimation regieren, ist diese Form der Partnerschaft ein attraktives Angebot. Doch gerade Chinas Prinzip der Nichteinmischung stellte Peking nun vor ein Dilemma, analysiert Aung Saw. "Nicht nur die Zukunft des birmesischen Regimes, sondern auch Chinas Ansehen in der Welt steht auf dem Spiel", sagt er. "Falls die Junta Gewalt einsetzt und Peking sie weiter unterstützt, wirft das ein schlechtes Licht auf die Olympischen Spiele in Peking 2008." Ob Chinas Einfluss allerdings ausreicht, um die Generäle zu Reformen und einer Lockerung ihres rigiden Systems zu bewegen, ist für den Exilbirmesen die große Unbekannte im gegenwärtigen Konflikt. "Bisher konnte die Junta sich ihre Arroganz leisten, weil sie China im Rücken hatte", sagt er. "Aber jetzt steht sie gleich aus zwei Richtungen unter Druck." |
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