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Nur 13% der Kambodschaner haben Zugang zu sauberen Trinkwasser. Viele leiden unter Hautkrankheiten und bakteriellen Infektionen. Zigtausende vegetieren als Krüppel dahin, verwundet durch Minen, die jeden Schritt zu einem tödlichen Abenteuer machen. Die Lebenserwartung liegt bei 52 (Männer) bzw. 55 Jahren (Frauen). Von 1000 Säuglingen sterben 105 bei oder gleich nach der Geburt. Die Schreckenszahlen lassen sich beliebig fortsetzen- Visitenkarte eines Landes, dessen Einwohner einst reich und mächtig waren. Doch das war so um das 12. Und 13. Jh., als die Khmer den größten Teil Indochinas beherrschten und in Angkor Wat und Angkor Thom prachtvolle Tempelstädte errichteten. Lange konnten sie sich ihrer Macht und ihres Wohlstandes nicht erfreuen. Erst kamen die begierigen Nachbarn, die sich nahmen, was sie kriegen konnten, dann als Kolonialherren die Franzosen, schließlich (von 1940- 1945) japanische Besatzer, am Ende wieder die Franzosen. Als die 1954, nach verlorenem Indochinakrieg, gehen mußten, hinterließen sie ein unabhängiges, aber fragiles Land unter Führung des schillernden Prinzen Norodom Sihanouk. Dem gelang es anfangs, sein Land mit teils geschickten, teil gewagten Manövern aus dem bald aufflammenden Vietnamkrieg herauszuhalten- doch dann erwischte es ihn und Kambodscha um so heftiger: 1970 wird Sihanouk von dem USA-hörigen Generalleutnant Lon Nol gestürzt; 1973 werfen die USA im Kampf gegen den Vietcong und deren auch durch Kambodscha verlaufenden Ho- Tschi- minh- Pfad mehr Bomben über dem Land ab, als im Zweiten Weltkrieg über Japan; 1975, nach der Niederlage der USA und ihrer Verbündeten, errichten die "Roten Khmer" unter Pol Pot ihre Terrorherrschaft. Mindestens 2 Mio. Menschen werden getötet, zuweilen regelrecht massakriert. Umgebracht wird jeder, der sich irgendwie verdächtigt macht- weil er lesen und schreiben kann, chinesische Eltern hat, eine Brille trägt oder weil sein Gesicht nicht gefällt. 1979 werden die Roten Khmer von den Vietnamesen in den Untergrund gedrängt. Doch sie kämpfen und morden weiter, das Land versinkt im Bürgerkrieg. Erst 1991 wird ein Friedensplan unterzeichnet. Sihanouk, zurück aus chinesischem Exil, wird wieder König, und die nächste Runde blutiger Machtkämpfe beginnt- jetzt zwischen den beiden von der Verfassung vorgesehenen Ministerpräsidenten. Und die Roten Khmer? Im April 1998 stirbt Pol Pot und wird auf freiem Felde eingeäschert. Viele seiner engsten Helfer aber landen in hohen Verwaltungspositionen.

In Kambodscha hat die Regierungspartei von Ministerpräsident Hun Sen die Parlamentswahl klar gewonnen, die für eine Alleinregierung erforderliche Zweidrittelmehrheit aber verfehlt. Die Kambodschanische Volkspartei (CPP) gewann nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis beim Urnengang am 27.07.2003 rund 2,45 Millionen Stimmen, gefolgt von der Oppositionspartei von Sam Rainsy mit 1,13 Millionen Stimmen, wie die Wahlkommission in der Hauptstadt Phnom Penh mitteilte. Drittstärkste Kraft ist demnach mit 1,07 Millionen Wählerstimmen die royalistische Partei Funcinpec, der Juniorpartner in der scheidenden Koalition. Einen Hintergrundbericht finden Sie hier.

König Sihanuk hat im Oktober 2004 wegen schwerer Krankheit abgedankt; sein Sohn Sihamoni wird der Nachfolger. Einen Hintergrundbericht dazu finden Sie hier.

Fast drei Jahrzehnte nach dem Ende der Herrschaft der Roten Khmer  hat die kambodschanische Justiz am 31. Juli 2007 den ersten Verdächtigen an das Tribunal zur Ahndung der Verbrechen der damaligen Herrscher überstellt. Dem unter den Namen Duch bekannten Kang Kek Ieu wird vorgeworfen, das berüchtigte Gefängnis Tuol Sleng geleitet zu haben. Dort sollen 16.000 Menschen gefoltert und dann auf den Killing Fields getötet worden sein. Durch ist einer von nur fünf Verantwortlichen, die vor das Tribunal sollen.

Im Prozess um Verbrechen des brutalen Rote- Khmer-Regimes in Kambodscha hat der frühere Außenminister am 30.06.2008 vor dem Völkermordtribunal Haftverschonung beantragt.

Seine Anwälte argumentierten, dass Ieng Sary (82) zu gebrechlich sei. Es bestehe keine Gefahr, dass der alte Mann flüchte, sagte sein Anwalt Ang Udom. Das Gericht vertagte die Anhörung auf Dienstag. Ieng Sary ist wie seine Frau und drei andere überlebende Führungsfiguren der Roten Khmer wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Ähnliche Anträge der anderen wurden bereits abgelehnt.

Das Rote-Khmer-Regime war Ende der 70er Jahre für den Tod von zwei Millionen Menschen verantwortlich. Die Roten Khmer wollten einen maoistischen Bauernstaat errichten und zwangen die Menschen zu brutaler Feldarbeit. Hunderttausende wurden als Verräter gefoltert und hingerichtet. Andere verhungerten. Die fünf waren nach jahrelangem Gerangel um die Einrichtung des Tribunals Ende vergangenen Jahres festgenommen worden. Die Prozesse sollen im Laufe des Jahres beginnen.

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