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Palästina, seit Jahrhunderten von Arabern bevölkert, wurde im
16. Jh. Teil des osmanischen Reichs. Während des Ersten Weltkriegs rebellierten die
Araber gegen die osmanischer Herrschaft. 1917/18 besetzten
britische Truppen Palästina und warfen mit Hilfe der Araber die Türken aus dem Heiligen
Land. Am 2. November 1917 erklärte der britische
Außenminister Arthur Balfour die Unterstützung Großbritanniens für die
"Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina".
1922 erhielt das vereinigte Königreich das Völkerbundmandat
über das "Territorium Palästina". Aufgrund von Pogromen, insbesondere in
Osteuropa, wanderten viele Juden nach Palästina ein, dessen Bevölkerung 1919/20 überwiegend arabisch war. Zwischen der jüdischen
Minderheit und der arabischen Mehrheit kam es immer wieder zu gewaltsamen
Auseinandersetzungen. 1937 schlug die britische Regierung mit
dem Peel- Plan vor, Palästina in einen jüdischen und einen arabischen Staat aufzuteilen.
Während die Juden dem Plan widerstrebend zustimmten, lehnten ihn die Araber ab. 1939 schränkte das "Weißbuch über Palästina" die
Einwanderung und den Landkauf von Juden ein. Die Judenverfolgung Nazi- Deutschlands im
Zweiten Weltkrieg mit insgesamt 6 Millionen Toten ließen die Zuwanderung dennoch
anschwellen, dass die Zionistenführer 1942 die Errichtung
eines jüdischen Staates in Palästina forderten. Nach dem Krieg lehnten die
palästinensischen Juden die weitere britische Besatzung ab. Ihre paramilitärische
Selbstschutzorganisation Haganah sollte die Juden vor arabischen Übergriffen schützen,
die radikale Untergrundgruppe Irgun machte mit Terrorakten gegen die britischen
"Besatzer" Druck. Am 29. November 1947
befürwortete die UNO den Plan einer Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen
arabischen Staat. (Der jüdische Staat sollte dabei 56% des Territoriums umfassen.) Der
Plan wurde von den palästinensischen Arabern- und den arabischen Staaten- abgelehnt. Noch
vor Erlöschen des britischen Mandats und dem Abzug der britischen Truppen am 15. Mai 1948 hatte der Nationalrat der Juden in Palästina am 14.
Mai den unabhängigen Staat Israel ausgerufen, der unmittelbar darauf von den USA und der
Sowjetunion anerkannt wurde. David Ben- Gurion wurde Israels erster
Premierminister. Der daraufhin am 15. Mai 1948 beginnende
erste israelisch- arabische Krieg dauerte bis Januar 1949.
Die Waffenstillstandsabkommen überließen Israel die Souveränität im Negev sowie über
West- Jerusalem; Israel umfaßte nun knapp 6000 km² mehr als im Teilungsbeschluß
vorgesehen. Der Gaza- Streifen kam unter ägyptischer Kontrolle, Jordanien behielt die
Herrschaft über das Westjordanland und Ost- Jerusalem. Das arabische Palästina
existierte nicht mehr. Durch die Flucht von rund 900.000 palästinensischen Arabern (im
Lande blieben 160.000) aus Israel entstanden in den angrenzenden arabischen Staaten große
Flüchtlingslager. Auch während der Kampfhandlungen hielt die Masseneinwanderung von
Juden an, wodurch die jüdische Bevölkerung (1948 ungefähr
650000) 1951 auf mehr als das Doppelte stieg. Am 11. Mai 1949 wurde Israel Mitglied der Uno. Das "Recht der
Rückkehr" aus der Diasporta, im Juli 1950 in der
Knesset angenommen, verwirklichte das Immigrationsrecht aller Juden. Die Außenpolitik
blieb bestimmt durch das Verhältnis zu den arabischen Staaten und das Problem der
palästinensischen Flüchtlinge. 1956 folgte der zweite
israelisch- arabische Krieg (sogenannter Suez- Krieg). Israel eroberte den Gaza- Streifen
und die ägyptische Sinai- Halbinsel. Unter dem Druck der Uno und der USA verließen die
israelischen Truppen diese Gebiete, eine Uno- Friedenstruppe wurde entlang der ägyptisch-
israelischen Grenze stationiert. 1958 gründeten Exil-
Palästinenser in Kuwait die Befreiungsbewegung Fatah, zu deren Gründungsmitgliedern auch
Jassir Arafat zählte und die bis 1967 etwa 100
Guerilla- Aktionen gegen Israel durchführte. Dem Aufmarsch arabischer Armeen kam Israel
im Juni 1967 zuvor: Im Sechs- Tage- Krieg siegte Israel,
besetzte den Gaza- Streifen, das Westjordanland, Ost- Jerusalem, die Golanhöhen und den
Sinai, ein Territorium, das um ein Vielfaches größer war als das eigene Staatsgebiet.
Dem Waffenstillstand folgte auch diesmal kein Frieden; statt dessen verschärfte sich das
Palästinenserproblem: Hunderttausende kamen nun unter israelische Besatzung und
Militärverwaltung. 1968 übernahm Jassir Arafat den
Vorsitz der 4 Jahre zuvor gegründeten Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO). Am
6. Oktober 1973 begann durch einen ägyptisch- syrischen
Überraschungsangriff der vierte israelisch- arabische Krieg (Jom- Kippur- Krieg), dessen
unentschiedener Ausgang das arabische Selbstbewußtsein stärkte. Dadurch und durch den
Druck der USA kam es zu Friedensbemühungen zwischen Israel und den arabischen Staaten (1974 und 1975 Entflechtungsabkommen mit Ägypten; 1987 Camp David; 1979 Friedensvertrag
mit Ägypten; im April 1982 Rückgabe des Sinai an Ägypten).
Zurückgeworfen wurden die Aussöhnungsbemühungen durch Israels Angriff auf den
irakischen Atomreaktor Osirak 1981, die Annexion der
Golanhöhen 1981, den Beginn der umstrittenen Libanon-
Invasion 1982 oder auch den Angriff auf das PLO-
Hauptquartier in Tunis 1985. Eine Änderung in den
Beziehungen zwischen Israel und der PLO trat erst am 19. Januar 1993
ein, als die Knesset Kontakte zur PLO legalisierte. Einen Tag später begannen die
monatelangen Geheimverhandlungen in der Nähe von Oslo. Im September 1993
schlossen Israel und die PLO zunächst einen Interimsvertrag; 1994
unterzeichneten sie dann eine Vereinbarung über die Autonomieregelung von Gaza und
Jericho. Nach fast 30 jährigen Exil traf Arafat am 1. Juli
1994 in Gaza ein. Im September 1995 vereinbarten
Israel und die PLO die palästinensische Selbstverwaltung für den größten Teil des
Westjordanlandes. Nach der Ermordung des israelischen Premiers Rabin durch einen
rechtsradikalen jüdischen Studenten (1995) kamen die
Friedensbemühungen zwischen Israel und den Palästinensern ins Stocken, da in Israel im
Juni 1996 der konservative Likud- Block mit Premier Benjamin
Netanjahu die Macht übernahm. Trotz der Bemühungen der vergangenen Jahre (Konferenz
in Madrid 1991, Oslo- Verhandlungen 1994)
hat der Nahost- Friedensprozeß keine dauerhafte Entspannung zwischen Israel und den
arabischen Nachbarstaaten schaffen können. Die Ermordung des auf Ausgleich bedachten Rabin
warf den Friedensprozeß zurück; seit der Wahl von Netanjahu, insbesondere seit
dem Baubeginn der jüdischen Siedlung Har Choma im März 1997,
sind die Verhandlungen festgefahren. Der größte Teil des zuvor von Israel besetzten
Gebietes des Gaza- Streifens sowie die Städte Ramallah, Hebron, Nablus, Dschenin,
Jericho, Betlehem stehen inzwischen unter palästinensischer Verwaltung; andere Gebiete
des Westjordanlands werden von Israelis und Palästinensern gemeinsam verwaltet. Die
Golanhöhen sind weiterhin von Israel besetzt, israelische Truppen patrouillieren in der 1985 von ihnen eingerichteten "Sicherheitszone" im
Südlibanon. Die Siedlungspolitik Israels in den besetzten Gebieten sorgt für anhaltende
Konflikte: Die von der Rechtskoalition gebilligte Expansion soll nach Willen der oft
religiös motivierten Juden "Tatsachen schaffen" und damit einen künftigen
Rückzug Israels verhindern oder zumindest erschweren. Amnesty International beklagte auch
für 1997 die an Willkür grenzende
"Verwaltungshaft" von 1900 Palästinensern (Inhaftierung ohne richterliche
Prüfung oder Anklageerhebung), unfaire Militärgerichtsprozesse gegen mindestens 1450
Palästinenser, die Praxis der von offizieller Seite geduldeten Folter ("gemäßigter
physischer und psychologischer Druck"), mindestens 18 möglicherweise illegale
Hinrichtungen oder ungesetzliche Tötungen. Im gleichen Zeitraum kamen 28 israelische
Zivilisten durch Anschläge palästinensischer Terrorgruppen ums Leben, mehr als 200
wurden verwundet. Die israelische Regierung von Ministerpräsident Ehud Barak
(57) stimmte am 8.9.1999 dem Beginn des Truppenabzugs aus
weiteren Teilen des besetzten Westjordanlandes mit überwältigender Mehrheit zu. Die israelischen Behörden haben wegen des Raketenbeschusses aus dem Libanon am 21. Juli 2007 ein "schweigendes Radio" eingerichtet. Damit können auch streng gläubige Juden während des Beschäftigungsverbots am Sabbat vor Angriffen gewarnt werden. Der Radiosender verbreitet die meiste Zeit absolute Stille, nur bei konkreter Bedrohung durch Angriffe werden Warnungen übertragen, teilte die israelische Armee am Freitag mit. Damit werden gläubige Juden aus einem religiösen Dilemma befreit: Während des Sabbat von Freitagabend bis Samstagabend ist ihnen jegliche Betätigung verboten - dazu zählt auch das Ein- und Ausschalten von Radiogeräten. Das "schweigende Radio" können die Gläubigen hingegen vor Beginn des Sabbats einschalten und nach Sabbat-Ende wieder ausschalten, ohne die lebenswichtigen Raketen-Warnungen zu verpassen |
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