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Auf dem Höhepunkt seiner Macht gab Schah Mohammed Resa Pahlewi 1971 zur Feier von 2500 Jahren iranischer Monarchie eines der rauschendsten Feste in der Geschichte des Landes. Zur Rechtfertigung des beispiellosen Pomps, der vor allem die eigene Dynastie glorifizieren sollte, berief er sich auf seinen selbsternannten Ahnherrn Kyros II. (559-530 v. Chr.). Der legendäre König (persisch: Schah) und seine Nachfolger hatten das erste Weltreich der Geschichte begründet. Ihr Territorium umfaßte zeitweilig die heutige Türkei, Ägypten, Afghanistan und reichte sogar bis zum Aral- See. Die Pahlewis aber waren erst 1925 an die Macht gekommen, nachdem Mohammed Resas Vater, Resa Schah, die Kadscharen- Dynastie vom Thron gestoßen hatten. Gegen die wirtschaftliche Ausbeutung durch fremde Mächte- vor allem Russen und Engländer- hatte sich bereits Ende des 19. Jahrhunderts massiver Widerstand formiert, der 1905 zur Konstitutionellen Revolution und 1910 zur Einberufung des ersten Parlaments führte. In der jüngsten Geschichte wurde vor allem Premierminister Mohammed Mossadegh zur Symbolfigur für das Streben nach wirtschaftlicher und politischer Unabhängigkeit. Bis zu seinem Sturz durch den amerikanischen Geheimdienst CIA kämpfte der Regierungschef (1951- 53) für die Verstaatlichung der Erdölproduktion. Untrennbar verknüpft mit der wechselvollen Geschichte Persiens, das 642 von arabischen Heeren besiegt und zum Islam bekehrt wurde, ist der religiöse Richtungsstreit um die Nachfolge des Propheten Mohammed (etwa 570- 632). Die Sunniten wollten ihre Anführer vor allem aufgrund ihrer "religiösen Vorzüglichkeit" gewählt wissen; die Schiiten räumten das Recht zur Führerschaft nur den Nachfahren des Propheten ein- für sie gibt es nur 12 rechtmäßige Imame (weltliche wie geistliche Führer). Der letzte Imam verschwand nach schiitischen Glauben im Alter von 5 Jahren, um sich zur bestimmten Zeit den Gläubigen zu offenbaren und das gerechte Reich Gottes auf Erden zu errichten. Daß bis dahin die Ajatollahs als seine Stellvertreter auch aktiv Politik gestalten und so schon vorzeitig den Gottesstaat errichten, ist das Werk eines religiösen Revolutionärs, der den Schah stürzte und am 1. April 1979 die Islamische Republik Iran ausrufen ließ: Ajatollah Ruhollah Chomeini. Seit der Wahl des Religionsgelehrten Chatami zum Staats- und Regierungschef weht zwar ein Hauch von Wende durch Iran. Ob Chatami aber seinen vergleichsweise weltoffenen Kurs beibehalten kann, ist fraglich. Denn ihm steht als mächtigster Mann des Landes der eigentliche Erbe Chomeinis gegenüber, der religiöse Führer Ali Chamenei. Der wacht mit letzter Autorität darüber, dass die revolutionären Prinzipien eingehalten werden. Eine vorsichtige Öffnung zum Westen, vor allem gegenüber dem Erzfeind USA (dessen Botschaft Chomeinis Revolutionsgarden 1979- 81 für 444 Tage besetzt hielten), wollen er und die religiösen Fanatiker unter den Mullahs ebensowenig mittragen wie mehr Rechte für Frauen oder die Erlaubnis von Parabolantennen zum Empfang internationaler Fernsehprogramme. Der Widerstand gegen eine Liberalisierung manifestierte sich z. B. in der Verhaftung und Verurteilung des Bürgermeisters von Teheran Gholam Hussein Karbatschi, zu 5 Jahren Haft und einer Geldstrafe von umgerechnet 60.0000 DM. Dem Chatami- Gefolgsmann wurde Mißwirtschaft und Veruntreuung vorgeworfen. Die Konservativen dominieren nicht nur die Justiz; sie haben auch im Parlament die Mehrheit. Chatamis Stärke ist sein überwältigender Rückhalt im Volk- 69,1% der Wähler haben ihn zum Staatsoberhaupt gewählt. So konnte er bereits wichtige Zeichen setzen: Er ernannte die in den USA promovierte Chemikerin Massume Ebtekar zur Vize- Staatspräsidentin, die erste Frau in einer so hohen Position. Mit seiner liberaleren Politik hofft Chatami auch, die USA zur Aufhebung ihres Handelsembargos zu bewegen.

Allen internationalen Bemühungen zum Trotz hat der Iran am 09.08.2005 die letzten Siegel an der umstrittenen Atomanlage Isfahan gebrochen, um die Anlage wieder voll in Betrieb zu nehmen. Er holte dazu ordnungsgemäß die schriftliche Zustimmung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) ein, wie der Vizepräsident des iranischen Atomprogramms, Mohammed Saidi, mitteilte. Die Wiederinbetriebnahme der Anlage finde unter der Kontrolle der UN-Behörde statt. Die IAEO hatte am Montag zusätzliche Überwachungskameras in der Anlage angebracht. In Isfahan wird Uran umgewandelt, eine Vorstufe zur Anreicherung. Angereichertes Uran kann sowohl als Brennstoff für Kraftwerke als auch zum Bau von Atomwaffen verwendet werden.

Der Iran hat im Atomstreit gedroht, den Öl-Hahn zuzudrehen und aus dem Atomwaffen-Sperrvertrag auszutreten. Einige Länder, die mit dem Iran Handel trieben, "vor allem im Bereich Erdöl", hätten Teheran im Atomstreit "bislang nicht verteidigt", sagte der iranische Atom-Unterhändler Ali Laridschani am 20.09.2005. Ohne Namen zu nennen, drohte er diesen Ländern damit, zwischen beiden Fragen einen Zusammenhang herzustellen. Wer die nationalen Rechte Irans verteidige, erleichtere auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit, sagte Laridschani. Der iranische Unterhändler drohte zugleich mit einem Austritt Teherans aus dem Atomwaffensperrvertrag. Der Iran steht unter dem Verdacht, seine Verpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag vielfach gebrochen zu haben.

Nach der israelfeindlichen Tirade ihres Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad haben am 28.10.2005 auf einer Kundgebung in Teheran hunderttausende Iraner die Zerstörung Israels gefordert. Mit dem Ruf "Tod für Israel" zogen die Demonstranten durch die Straßen. Ungeachtet internationaler Proteste legte Ahmadinedschad nach: Seine Aussage, Israel müsse von der Landkarte getilgt werden, sei "richtig und angemessen". Israel beantragte den Ausschluss des Irans aus den Vereinten Nationen. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Äußerungen.

Als Reaktion auf die Darstellungen des Propheten in westlichen Blättern schrieb Irans größte Zeitung am 07.02.2006 selbst einen Karikaturenwettbewerb zum Holocaust aus. So solle die vom Westen viel zitierte Meinungsfreiheit ausgelotet werden, gab die Zeitung Hamschahri bekannt. Sie forderte Künstler aus aller Welt auf, mit Karikaturen zur Judenvernichtung im Zweiten Weltkrieg die vom Westen geforderte Meinungsfreiheit zu nutzen. „Die wichtige Frage für Moslems lautet: Erlaubt die Meinungsfreiheit des Westens die Beschäftigung mit Fragen wie den Verbrechen Amerikas und Israels oder einem Zwischenfall wie dem Holocaust, oder ist die Meinungsfreiheit nur dazu gut, die heiligen Werte von göttlichen Religionen zu beleidigen?“, hieß es. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad, der den Holocaust wiederholt geleugnet hat, war in seiner Zeit als Teheraner Bürgermeister auch Leiter dieser Zeitung.

Irans Regierung hat unterdessen aus Protest gegen die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen alle Handelsbeziehungen mit Dänemark abgebrochen. Wirtschaftsminister Massud Mirkasemi erklärte alle Verträge und Verhandlungen mit dänischen Unternehmen mit sofortiger Wirkung für ausgesetzt. „Keine Waren und Güter aus Dänemark dürfen mehr den iranischen Zoll passieren“, sagte er.

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat dem Westen im Falle eines Angriffs auf sein Land mit einem "historischen Schlag" gedroht. Wenn sich die Länder, die schon im Krieg gegen Irak (1980-1988) Bagdad unterstützt hätten, erneut gegen den Iran wenden würden, würde die iranische Nation ihnen einen historischen Schlag versetzen, sagte Ahmadinedschad am 02.01.2007 bei einer Rede in der Provinz Chusestan, die vom Fernsehen übertragen wurde. Der Iran verteidige sein Atomprogramm und werde dies auch künftig tun.

Der Iran hat nach Angaben von Diplomaten mit dem Aufbau von 3000 neuen Zentrifugen in der Atomanlage Natans begonnen. Vorerst sei aber noch keine komplette Produktionslinie fertiggestellt, sagten die Diplomaten am 01.02.2007 am Sitz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) in Wien. Zudem seien die IAEO-Inspektoren daran gehindert worden, Überwachungskameras im unterirdischen Teil der Anlage in Natans zu installieren. Ein Vertreter der iranischen Regierung dementierte beide Teile des Berichts. Weder sei mit dem Aufbau begonnen worden, noch behindere Teheran die Arbeit der UN-Inspektoren.

Der Iran hat die Forderung des UN-Sicherheitsrats nach Einstellung seiner Urananreicherung ignoriert und die Anreicherungsversuche sogar noch verstärkt. Dies geht aus einem Bericht der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEO hervor, der am 22.02.2007 dem Sicherheitsrat in New York vorgelegt wurde.

Das iranische Parlament hat am 06.03.2007 einer Rationierung von Benzin ab dem 22. Mai zugestimmt., Die Regierung werde bis zum 20.04. den Umfang der Rationierung und den Preis für nicht rationieres Benzin festlegen. Die Entscheidung könnte das Land weniger anfälliger für internationale Sanktionen machen.

Mit militärischen Drohgebärden hat der Iran erneut seine unnachgiebige Haltung im Atomstreit mit der internationalen Gemeinschaft demonstriert. Bei einer großen Militärparade in Teheran stellte die iranische Führung am 21.09.2007 die neue Rakete "Ghadr-1" vor, die mit einer Reichweite von 1800 Kilometern Israel und alle US-Armeestützpunkte in der Region erreichen könnte. Präsident Mahmud Ahmadinedschad betonte in einer Rede, sein Land werde sich keinen Sanktionen beugen. Anders als 2006 waren bei der diesjährigen Parade zahlreiche Militärfahrzeuge mit US-feindlichen und antiisraelischen Parolen zu sehen.

Zu Beginn der Parade flogen drei neue iranische "Saegheh"-Kampfjets über die Hauptstadt Teheran hinweg. Gleichzeitig mit der Rakete "Ghadr-1" wurde eine Rakete vom Typ "Schahab-3" enthüllt, deren Reichweite offiziellen Angaben zufolge 1300 Kilometer beträgt. In der Vergangenheit hatten iranische Militärs bereits angegeben, Raketen mit Reichweiten von 2000 Kilometern entwickelt zu haben. Die Parade fand zur Erinnerung an den Iran-Irak-Krieg statt, der 1980 begann und acht Jahre dauerte.

Die Armeefahrzeuge, die auf der Parade gezeigt wurden, trugen Israel- und USA-feindliche Aufschriften wie "Tod Israel", "Tod Amerika" und "kein Iraner und kein Muslim erkennt die Existens Israels an". Auch der provokante Ausspruch Ahmadinedschads, Israel müsse von der Landkarte verschwinden, der 2005 für Aufruhr im Westen gesorgt hatte, war zu lesen.


Hintergrundberichte:

12.06.2009 Mit Gottes Hilfe - Der Iran wählt heute seinen Präsidenten. Amtsinhaber Ahmadinedschad hat gute Chancen - obwohl er selbst Konservative regelmäßig befremdet
14.01.2008 Folgen eines Staatsbesuchs - Vor dreißig Jahren begann die Herrschaft des iranischen Schahs Reza Pahlawi zu zerfallen

Sonderteil:

Stellvertreterkrieg am Mittelmeer

Der Libanon-Konflikt lässt sich nur von außen stoppen. Die Alternative wäre ein Kampf bis zur Erschöpfung der Akteure

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