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Bereits vor mehr als 4500 Jahren entstand eine Hochkultur (Indus- Kultur) mit großen Städten, wie Ausgrabungen von Mohenjo Daro und Harappa im Industal zeigen. Die Arier, Nomaden aus Zentralasien, begründeten um 1000 v. Chr. Das Indien bis heute herrschende Kastenwesen, laut Max Weber "die denkbar unerschütterlichste geburtsständische Gliederung", nach Ansicht auch indischer Kritiker ein perfektes gesellschaftliches Unterdrückungssystems. Um 530 v. Chr. begründete Siddharta Gautama die Lehre des Buddhismus, die zu einer der großen Weltreligionen wurde. 327 v. Chr. drang Alexander der Große bis Indien vor, mußte aber im Fünfstromland (Pandschab) umkehren, da seine Soldaten meuterten. Kurz danach entstand mit der Maurya- Dynastie (320- 185 v. Chr.) das erste indische Großreich, das unter dem zum Buddhismus bekehrten König Ashoka eine neue Staatsphilosophie sozialer Verantwortlichkeit erlebte, nach seinem Tod aber wieder zerfiel. Erst ein halbes Jahrtausend später kam es unter der Gupta- Dynastie zur Bildung eines Zweiten Großreichs. Diese Periode wurde später als goldenes Zeitalter betrachtet mit wirtschaftlicher Prosperität und der Blütezeit der klassischen Sanskrit- Literatur. Von 1000 an eroberten islamische Eindringlinge große Teile Nordindiens und begründeten Anfang des 16. Jh. das Mogulreich, das unter Akbar (1556- 1605) seine Blütezeit erlebte, von der heute noch imposante Baudenkmäler zeugen. In der Folgezeit wurde die Linie der religiösen Toleranz verlassen. Räuberische Glaubensbrüder zerstörten das Reich. Der Perser Nadir Shah verwüstete 1739 Delhi und nahm den Pfauenthron als Beute mit. So hatten die europäischen Kolonialmächte leichtes Spiel in dem Riesenland ohne zentrale Autorität. Die Briten setzten sich gegen portugiesische und vor allem französische Konkurrenz durch. Ihre East India Company erhielt 1765 die Verwaltungshoheit über Bengalen, eignete sich in der Folgezeit große Teile des Subkontinents an und beutete ihn so erfolgreich aus, dass die Aktionäre in London bis zu 200% Devisen kassierten. 1833 verlor die Handelskompanie ihre Privilegien, 1858, nach einem blutig niedergeschlagenen Aufstand eingeborener Soldaten, übernahm die Krone das Juwel des Empires. 1876 nahm Königin Victoria den Titel "Kaiserin von Indien" an und ließ das Land fortan von einem Vizekönig regieren. 1885 formierte sich mit dem Indian National Congress eine Unabhängigkeitsbewegung, die durch den Ersten Weltkrieg und ein Massaker, das der britische General Dyer 1919 unter friedlichen Demonstranten in Amritsar verübte (379 Tote), gewaltigen Auftrieb erlebte. Die charismatische Symbolfigur der Bewegung wurde zu einer Jahrhundertgestalt: Mohandas Karamchand Gandhi, genannt Mahatma, die Große Seele. Ihm gelang es, die Macht der Kolonialherren mit seiner Kampagne des gewaltlosen Widerstands zu zermürben. Als nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs der britische Premier und Empire- Fanatiker Winston Churchill abgewählt wurde, der Gandhi als "halbnackten Fakir" zutiefst verabscheut hatte, war der Weg frei für Indiens Unabhängigkeit- allerdings zu einem furchtbaren Preis. Denn der "Transfer of Power", wie London die überhastete Entlassung seiner kostbarsten Kolonie in die Freiheit unterkühlt taufte, geriet zum blutrünstigen Fiasko: Indiens Muslime, die jahrhundertelang über die Hindu- Mehrheit geherrscht hatten, wollten nun nicht unter Hindu- Regime leben und verlangten ihren eigenen Staat. Der Liquidator der Kolonieherrschaft, Lord Mountbatten, fand keinen anderen Ausweg, als sich dem Ultimatum des Muslimführers Mohammed Ali Jinnah zu beugen: "Indien wird geteilt, oder aber es wird zerstört werden." Indiens Muslime erhielten gegen den leidenschaftlichen Protest Gandhis ihr "Pakistan", je einen Landstrich im Westen und im Osten des Subkontinents. Dessen hastig gezogene Grenzen durchtrennten über Generationen gewachsene Siedlungsgebiete von Hindus, Muslimen und Sikhs- den Pandschab und Bengalen. Während die neuen Herren am 14. und 15. August 1947 in Karatschi und Delhi die Geburt ihrer freien Staaten feierten, gingen sich die Völker in einem beispiellosen Blutrausch an die Kehle, Nachbarn fielen wie besessen übereinander her, folterten, vergewaltigten, plünderten und mordeten Angehörige der jeweils anderen Religion, bis buchstäblich das Blut in Strömen durch die Straßen von Städten wie etwas Lahore rann. Bilanz: etwa 1 Mio. Tote und 12 Mio. Flüchtlinge, eine der größten Tragödien in der Menschheitsgeschichte und Quelle fortdauernder Todfeindschaft zwischen den verfeindeten Brüdern. Gewalt verfolgte den Subkontinent fortan wie ein Fluch. Der gewaltlose Gandhi selbst fiel 1948 unter den Kugeln eines Hindu- Fanatikers. Die beiden neugeschaffenen Staaten begannen ihre Geschichte mit dem ersten von bislang vier Kriegen gegeneinander- um das Himalaja- Fürstentum Kaschmir, dessen Hindu- Maharadscha seine mehrheitlich muslimische Bevölkerung an Indien anschließen wollte. Resultat ist eine noch immer andauernde Teilung des Territoriums entlang der laut internationalen Beobachtern "gefährlichsten Grenze der Welt", vereinnahmte die portugiesische Kolonie Goa (1961), führte Krieg mit China (1962), das die Grenze im Himalaja gewaltsam zu seinen Gunsten korrigierte und verleibte sich das Himalaja- Königreich Sikkim (1975) ein. Delhi intervenierte schließlich auch militärisch im Bürgerkrieg des Nachbarn Sri Lanka. Bürgerkriege plagten aber auch das eigene Land- mit Sikhs im Pandschab, die für einen unabhängigen Staat "Khalistan" kämpften, mit Aufständischen in den abgelegenen nordöstlichen Bundesstaaten. Und kommunale Unruhen mit Tausenden von Opfern brechen landesweit immer wieder zwischen Hindus und Muslimen aus. Der Niedergang der nach fast einem halben Jahrhundert an der Macht verbrauchten Kongreßpartei der Nehru- Gandhi- Dynastie brachte im März 1998 die hindu- nationalistische Bharatiya Janata Party (BJP) an die Regierung, die eine nach innen und außen forciert hinduistische Politik verfolgt. Nur 2 Monate nach ihrem Machtantritt katapultierte Premier Vajpayee Indien durch 5 unterirdische Atomwaffentests in die Reihe der erklärten Atommächte. Er löste damit, da Erzfeind Pakistan dem Beispiel sogleich folgte, auf dem Subkontinent ein ebenso kostspieliges atomares Wettrüsten aus- auf Kosten des Lebensstandards einer Bevölkerung, die in Indien um die Jahrtausendwende die Milliardengrenze überschreiten wird. Der Streit mit Pakistan um die Zugehörigkeit Kaschmirs kann jederzeit wieder offen ausbrechen- diesmal möglicherweise atomar. Separatistische Bestrebungen der Sikhs und anderer Minderheiten stellen ein weiteres Dauerproblem dar. Die wirtschaftlichen Erfolge und das Heranwachsen einer Mittelschicht haben auch neuen sozialen Sprengstoff geschaffen. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist noch größer geworden. Bei den vorgezogenen Neuwahlen zum indischen Unterhaus erreichte das bisherige Regierungsbündnis unter der Führung der Hindu-Partei BJP von Ministerpräsident Atal Bikari Vajpayee am 7.10.1999 die absolute Mehrheit der 543 Mandate. Die oppositionelle Kongress-Partei unter Sonia Gandhi, der Witwe des ehemaligen Ministerpräsidenten Rajiv Gandhi, musste das schlechteste Ergebnis nach der Unabhängigkeit Indiens 1947 hinnehmen. Es war die dritte Parlamentswahl in dreieinhalb Jahren. Vajpayee schaffte es als erster Regierungschef seit zehn Jahren, nicht abgewählt zu werden.  Die Regierungskoalition bestand zuletzt aus zwölf, meist regionalen Interessen verpflichteten Parteien. Vajpayee hatte im April 1999 nach nur 13 Monaten die parlamentarische Mehrheit verloren und stürzte über ein Misstrauensvotum. Jedoch scheiterte die in sich zerstrittene Kongresspartei mit dem Versuch, eine Regierung zu bilden, so dass Präsident Kocheril Raman Narayan das Unterhaus auflöste und Neuwahlen ansetzte. Diese gingen am 3.10.1999 zu Ende; sie hatten sich innerhalb eines Monats über fünf Wahltage erstreckt. Am 6.10. begann die Auszählung. Außenpolitisch steht die Regierung vor einer Entscheidung über den Beitritt Indiens zum Atomteststoppabkommen und vor Verhandlungen mit dem benachbarten Pakistan über den im Sommer 1999 wieder aufgeflammten Konflikt um Kaschmir.

Mit der Bildung von drei neuen Bundesstaaten im Norden, die im Oktober 2000 offiziell in Kraft getreten ist, hat die Furcht in dem Milliarden-Einwohnerland vor blutigen Unruhen und Zerfall der weltweit größten Demokratie zugenommen. Schon verlangen Rebellengruppen mehr Souveränität innerhalb anderer Staaten, wie in Assam, für die sie schon seit Jahrzehnten kämpfen. Streit droht auch in dem zwischen den beiden Atommächten Indien und Pakistan umkämpften Krisengebiet Kaschmir, wo Buddhisten eine souveräne Provinz Ladakh fordern. Dabei steckt vor allem wirtschaftliches Kalkül hinter der ersten Gebietsreform Indiens seit 30 Jahren: Kleine Verwaltungsgebilde haben sich als wirtschaftlich effektiv erwiesen. Die drei Bundesstaaten Chhattisgarh, Uttaranchal und Jharkhand werden aus den ökonomisch kranken Staaten im Norden Madhya Pradesh, Uttar Pradesh und Bihar abgetrennt, die bei den Sozialindikatoren Nahrung, Bildung und Gesundheit die schlechtesten Werte vorweisen. Gleichzeitig soll das Ungleichgewicht zwischen dem kleinsten und größten Staat, 340 zu 1 (Bevölkerung) und 63 zu 1 (Fläche) deutlich verringert werden. Trotz aller politischen Bedenken werden in Indien weitere Gebietsreformen nicht ausgeschlossen, so daß in den kommenden Jahren die Zahl der Bundesstaaten von nun 28 weiter steigen könnten.

Die Atommächte Indien und Pakistan haben die Einrichtung eines Roten Telefons zur Vermeidung von Konflikten vereinbart. Zwischen den Außenministerien beider Länder werde eine sichere Hotline hergestellt, erklärten die Delegationen der lange Zeit verfeindeten Nachbarstaaten am 20.06.2004 zum Abschluss zweitägiger Verhandlungen in der indischen Hauptstadt Neu Delhi. Zugleich bekannten sich Indien und Pakistan zu ihrem Moratorium für Atomtests. Dieses werde nur dann aufgehoben, wenn sich ein Land in seiner Souveränität bedroht fühle.

Die Atommächte Indien und Pakistan haben am 05.08.2004 mit Gesprächen über einen Truppenabzug von einem seit Jahrzehnten umstrittenen Himalaja-Gletscher in der Kaschmir-Region begonnen. Die für zwei Tage angesetzten Verhandlungen zwischen Pakistans Verteidigungsminister Hamid Nawaz Khan und seinem indischen Kollegen Ajai Vikram Singh in indischen Neu-Delhi zielen auf die Entmilitarisierung des Gletschers.

Die Atommächte Indien und Pakistan haben die Einrichtung eines Roten Telefons zur Vermeidung von Konflikten vereinbart. Zwischen den Außenministerien beider Länder werde eine sichere Hotline hergestellt, erklärten die Delegationen der lange Zeit verfeindeten Nachbarstaaten am 20.06.2004 zum Abschluss zweitägiger Verhandlungen in der indischen Hauptstadt Neu Delhi. Zugleich bekannten sich Indien und Pakistan zu ihrem Moratorium für Atomtests. Dieses werde nur dann aufgehoben, wenn sich ein Land in seiner Souveränität bedroht fühle.

Ein Kricketspiel der beiden Nationalmannschaften stand beim ersten Indienbesuch des pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf seit vier Jahren auf dem Programm. Gemeinsam mit Indiens Premierminister Manmohan Singh begrüßte er am 17.04.2005 die rund 30 000 Zuschauer im Stadion in Delhi. Der Besuch, den Musharraf im Vorfeld als historisch bezeichnet hatte, brachte weitere Fortschritte auf dem Weg zum Frieden zwischen den "Erzfeinden" Indien und Pakistan. Sie vereinbarten, die Handels- und Verkehrsbeziehungen auszubauen und sich um eine Lösung des Kaschmirkonflikts zu bemühen.

Die indische Regierung will mit einem groß angelegten, nach eigenen Angaben "revolutionären" Arbeitsprogramm die Armut in den ländlichen Gebieten des Landes bekämpfen. Jedem von Armut betroffenen dörflichen Haushalt soll demnach für 100 Tage im Jahr eine Arbeit verschafft werden, unter anderem im Straßenbau und in der Forst- und Wasserwirtschaft, wurde am 02.02.2006 erklärt.

Im westindischen Bundesstaat Maharashtra häufen sich infolge einer langen Trockenheit die Selbstmorde verarmter Bauern. Im Juli 2006 hätten sich 79 Landwirte das Leben genommen, so viele wie nie zuvor, berichtete die Tageszeitung Times of India. Binnen eines Jahres hätten sich damit 687 Farmer in der Region Vidarbha umgebracht.

In Indien dürfen ab Oktober 2006 Kinder unter 14 Jahren nicht mehr als Angestellte im Haus, in Hotels oder Restaurants arbeiten. Auch wer im Imbiss am Straßenrand und Urlaubsorten Kinder beschäftigt, muss mit einer Strafe von bis zu zwei Jahren Gefängnis oder einer Geldstrafe zwischen
10 000 und 20 000 Rupien (165 bis 330 Euro) rechnen, entschied das indische Arbeitsministerium.

Pakistan und Indien haben am 01.01.2007 Listen über ihre Atomanlagen ausgetauscht. Die 1988 ausgehandelte und 1991 in Kraft getretene Abmachung über den Listenaustausch am Neujahrstag soll Angriffe der beiden verfeindeten Länder auf atomare Anlagen des Gegners verhindern, teilte das pakistanische Außenministerium mit. 2005 wurde zudem eine Telefonhotline eingerichtet, um einen Atomkonflikt zu verhindern. Indien und Pakistan führten in der Vergangenheit drei Kriege gegeneinander, zwei davon um die umstrittene Region Kaschmir im Himalayagebiet.

Erstmals seit 42 Jahren hat ein Personenzug aus Indien am 09.07.2007 die Grenze nach Bangladesch überquert. Hunderte Menschen begrüßten den "Freundschaftszug" mit Blumensträußen, als er am Sonntag in den Bahnhof von Bangladeschs Hauptstadt Dhaka einfuhr. Die Zugverbindung war 1965 eingestellt worden, als Indien und Pakistan - zu dem damals auch Bangladesch gehörte - einen Grenzkrieg austrugen.

Die wegen angeblicher Gotteslästerung angefeindete Schriftstellerin Taslima Nasreen aus Bangladesch ist am 23.11.2007 in Indien unter Polizeischutz gestellt worden, nachdem radikale Muslime bei Straßenprotesten ihre Ausweisung verlangt hatten. Die Autorin wurde von religiösen Eiferern regelrecht von Stadt zu Stadt gehetzt. Am Donnerstag musste Nasreen Kalkutta verlassen, weil Tausende gegen ihre Anwesenheit demonstrierten. Die Polizei setzte sie in ein Flugzeug nach Jaipur, doch die örtlichen Behörden zwangen sie wieder zur Abreise.


Hintergrundberichte:

15.04.2009 Seltsame Allianzen - 714 Millionen Inder wählen ein neues Parlament. Erwartet wird, dass vor allem die unzähligen kleinen Parteien zulegen
29.11.2008 Terror in einem zerrissenen Land
01.10.2008 Verbrannte Bibeln  - In Indien terrorisieren Hindu- Nationalisten die christliche Minderheit
08.07.2008 Indiens Linke kündigt Singh die Koalition auf - Premier besteht auf Atomvertrag mit den USA
02.01.2008 Indiens Frauen erobern die Theken - Das Oberste Gericht hebt ein Gesetz aus der Kolonialzeit auf, wonach nur Männer hinter den Tresen dürfen

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