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Ein Polizistenmörder als Robin Hood 
Yang Jia wurde hingerichtet. Viele Chinesen sehen in ihm ein Opfer der Behördenwillkür.

Justus Krüger

26.11.2008. Yang Jia war ein unauffälliger Typ. Er sah durchschnittlich aus, war zurückhaltend und nicht gerade vom Glück verfolgt. Erst durch eine Verzweiflungstat machte der 28-jährige Arbeitslose von sich reden. Im Juli drang er in ein Polizeiquartier in Schanghai ein und stach zehn Beamte nieder. Sechs von ihnen starben an ihren Verletzungen. Gestern wurde Yang in Schanghai hingerichtet.

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"Yang Jia ist tot, und die Gerechtigkeit ist ebenfalls tot", sagt der Pekinger Anwalt Liu Xiaoyuan, der Yangs Mutter vertritt. "Der Prozess war fragwürdig, und es blieben viele Fragen offen." Unbeantwortet blieb vor allem die Frage, was dran war an Yangs Vorwürfen, er sei von der Polizei misshandelt worden. Nach seiner Aussage hatte eine Gruppe von Polizisten ihn verprügelt. Als seine Klage gegen die Sicherheitskräfte abgewiesen worden sei, seien bei ihm die Sicherungen durchgebrannt. Er habe aus Rache gehandelt, sagte Yang.

Das machte ihn populär. Auf Internetforen bekundeten Chinesen im ganzen Land ihre Sympathie, manche stilisierten ihn gar zum "Robin Hood von Schanghai". Zahlreiche Unterstützer, gekleidet in T-Shirts mit seinem Konterfrei, protestierten vor dem Gerichtsgebäude; eine Gruppe von chinesischen Intellektuellen unterzeichnete eine Online-Petition.

Denn in seinem Fall bündelte sich all der Unmut, den ungestrafte Polizeigewalt und intransparente Gerichtsverfahren in der chinesischen Öffentlichkeit immer wieder entfachen. Erst im Oktober hatten Polizisten im nordchinesischen Harbin einen 22-jährigen Studenten zu Tode geprügelt. Teile der Gewaltorgie wurden zufällig von einer Überwachungskamera vor einem Nachtclub aufgenommen. Das Video kursierte im Internet und rief in ganz China Empörung hervor.

Die unlauteren Methoden sind aber nicht nur außerplanmäßiger Polizeivandalismus, sie spielen auch bei Gerichtsverhandlungen und Todesurteilen eine Rolle. Der UN-Menschenrechtsausschuss beklagte erst vor wenigen Tagen den "weit verbreiteten und routinemäßigen Einsatz von Folter in China". "Zahlreiche Quellen" bezeugten, dass die Polizei im Land Folter anwende, um Geständnisse zu erzwingen. Alles "frei erfunden", konterte das chinesische Außenministerium. China sei gegen Folter und werde weiter "alle möglichen Anstrengungen unternehmen, um die Menschenrechte zu schützen".

Chen Ran sieht das anders. "Mein Vater wurde in der Haft gefoltert und zu einem Geständnis gezwungen," sagt die 31-Jährige, die in den USA lebt. Ihr Vater, der Geschäftsmann und Wissenschaftler Wo Weihan, wurde im vergangenen Jahr wegen Spionage für Taiwan zum Tode verurteilt. Er soll Informationen über ein Raketenprogramm weitergereicht haben. Seine Tochter aber sagt, diese Informationen seien schon vorher in der Presse frei zugänglich gewesen. Außerdem wirft die Justiz Wissenschaftler Wo vor, er habe über den Gesundheitszustand der chinesischen Führungsriege geplaudert.

Wo Weihan wurde im Jahr 2005 verhaftet. Es dauerte zehn Monate, bis er einen Anwalt konsultieren konnte. Die Verhandlungen vor Gericht wurden bis zuletzt unter Ausschluss der Öffentlichkeit und der Familie geführt. "Bis heute weiß ich nicht, was in den letzten vier Jahren mit meinem Vater passiert ist", sagt die Tochter.

Anfang der Woche erhielt sie Bescheid, dass sie ihren Vater heute zum ersten Mal besuchen darf. Sie geht davon aus, dass er noch am selben Tag hingerichtet wird.

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