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Chinas Feldzug gegen die weiße Gefahr 02.06.2008. Wenn jeder Chinese einmal jährlich eine Plastiktüte benutzt, sind das am Ende des Jahres 1,3 Milliarden Plastiktüten. Ganz schön viel. Oder ganz schön wenig? Tatsächlich benutzt nämlich jeder Chinese jeden zweiten Tag eine Plastiktüte, hat die Pekinger Nationale Entwicklungskommission berechnet. Das macht im Jahr gut 237 Milliarden Tüten. Auch wenn diese Zahl jedes Vorstellungsvermögen übersteigt, ist eines wohl klar: 237 Milliarden Tüten sind viel zu viel. Das hat auch die chinesische Regierung erkannt und rückt der weißen Gefahr nun mit einem neuen Gesetz zu Leibe: Geschäfte dürfen künftig keine Gratis-Plastiktüten mehr verteilen. Stattdessen sollen Käufer angeregt werden, ihre Beutel wiederzuverwerten oder haltbare Stofftaschen mitzubringen. Für Chinas Konsumgewohnheiten wäre das ein Epochenwandel, und so bringt die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua auch gleich den sozialistischen Kampfbegriff der "Revolution" in Anschlag. Alte Gewohnheiten müssten "revolutioniert" werden, lasen die Chinesen in den vergangenen Tagen in ihren Zeitungen - und konnten sich sogleich ausrechnen, was sie die Kampagne zu stehen kommt: 0,2 Yuan (1,9 Euro-Cent) sollen Läden künftig für jede Plastiktüte berechnen und außerdem Stoffbeutel für 10 Yuan (93 Cent) im Angebot haben. Beim bisherigen Verbrauch rechnet sich die Jute-Option nach gut drei Monaten. Geschäfte, die gegen das Gesetz verstoßen, müssen mit Strafen von umgerechnet bis zu tausend Euro rechnen. Plastikmüll, der zu einem Großteil aus Tüten besteht, macht in China drei bis fünf Prozent des gesamten Abfalls aus, so die offiziellen Zahlen der Regierung. Mindestens 1300 Tonnen Öl werden täglich für die Herstellung von Plastiktüten verwendet. Mit der neuen Regelung soll der Verbrauch um 90 Prozent fallen, so die Hoffnung der Gesetzesmacher. Doch grau ist alle Theorie. Zwar hatte China die Plastiktüten-Revolution schon im Januar angekündigt, um den Geschäften Zeit zu geben, sich auf die neue Ära vorzubereiten. Doch nur die großen Supermärkte fühlten sich bemüßigt, zum 1. Juni für Tüten Geld zu verlangen. Viele kleine Läden und Marktstände verteilen ihre dünnen Plastikbeutel wie eh und je. Und viele Verbraucher beruhigen sich mit dem Bewusstsein, dass ihre 183 Tüten im Jahr auch keinen großen Unterschied mehr machen.
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