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Milliarden für Sanierung eines Sees in China 
Umweltdesaster gefährdet Trinkwasserversorgung

Bernhard Bartsch

28.10.2007. Eine der größten chinesischen Umweltsünden bekommt ein Preisschild: 108,5 Milliarden Yuan - rund 10 Milliarden Euro - dürfte die Säuberung des Tai-Sees im Nordwesten von Schanghai kosten. Wie die Regierung der Stadt Taizhou auf ihrer Website bekannt gab, hat die Provinzverwaltung die anliegenden Städte und Landkreise angewiesen, diesen Betrag über einen Zeitraum von fünf Jahren einzuplanen.

Chinas mit 2 250 Quadratkilometern drittgrößter See, Trinkwasserquelle für mehr als zehn Millionen Menschen, war im Frühjahr gekippt. Auslöser waren die weitgehend ungeklärten Abwässer von rund 1 300 Fabriken, darunter zahlreichen Chemiewerken. Im Juni war der Tai-See zu einem Drittel mit blau-grünen Algen bedeckt. Allein in der Fünf-Millionen-Einwohner-Stadt Wuxi musste für sechs Tage die Wasserversorgung unterbrochen werden. "Es wird acht bis zehn Jahren dauern, bis das Problem der Wasserverschmutzung im Tai-See im Wesentlichen gelöst ist", hieß es in der Meldung.

Es ist Chinas bisher größte ökologische Aufräumaktion. Weitere dürften jedoch folgen. 700 Millionen der 1,3 Milliarden Chinesen haben kein sauberes Trinkwasser, wie die Pekinger Umweltbehörde schätzt. Chinas sieben größte Flussläufe seien auf einem Viertel ihrer Strecke so verdreckt, dass schon die Berührung Gesundheitsschäden verursache. Seit Anfang des Jahres kippten in China mehrere große Seen, darunter der ostchinesische Chao-See und der Dian-See nahe der südwestchinesischen Stadt Kunming.

Am Tai-See hatten Umweltaktivisten schon lange vor einem ökologischen Desaster gewarnt. Einer von ihnen, Wu Lihong, der über Jahre Wasserproben nahm und seine Ergebnisse veröffentlichte, wurde im August zu drei Jahren Haft verurteilt, weil er angeblich verschmutzende Betriebe erpresst haben soll. Wu sieht darin einen Racheakt lokaler Beamten, die nun fürchten, von höheren Regierungsebenen zur Verantwortung gezogen zu werden.

Verhältnismäßig gute Nachrichten gibt es derweil für den Jangtse. Eine Studie des Wasserforschungsinstituts der ETH Zürich kam kürzlich zu dem Ergebnis, dass es um die Wasserqualität in Chinas längstem Fluss nicht so schlecht stehe wie bisher vermutet. Sie sei "vergleichbar mit anderen großen Flüssen weltweit", erklärte der Geochemiker Beat Müller, der vergangenes Jahr auf einer Strecke von 1 600 Kilometern Wasser- und Sedimentproben genommen hatte. Die Qualität sei sogar besser als im Rhein der siebziger Jahre. Die Konzentrationen von Spurenmetallen wie Blei oder Arsen liege unterhalb der heute geltenden EU-Grenzwerte; bei Chrom und Nickel liege sie nur leicht darüber.

Eine chinesische Studie, wonach der Jangtse de facto "tot" sei, konnten die Schweizer Forscher damit nicht bestätigen. Für eine Sanierung des Flusses gebe es also durchaus noch Hoffnung. Grund sei die große Wassermenge, die durch den Jangtse fließe und Schadstoffe ins Meer spüle. Die Küstengewässer würden allerdings täglich mit 1 500 Tonnen Stickstoff belastet, was auch dort das Wachstum von Blaualgen fördert.

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