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Nach der Aufspaltung der britischen Kolonie Indien in die unabhängigen Staaten Indien und Pakistan wurde das heutige Bangla Desh eine der 5 Provinzen Pakistans. Es war durch rund 1600 km indisches Gebiet von den vier Westprovinzen und dem dortigen Regierungssitz getrennt, kaum ein Einwohner fühlte sich als Pakistani. Der Streit über die neue Amtssprache Urdu, die der volkreichen Provinz mit der Landessprache Bengali aufgezwungen wurde, förderte den Ost-West-Konflikt, separatistische Bestrebungen gewannen an Kraft. Zwar wurden 1954 beide Sprachen gleichberechtigt, aber die Ostprovinz fühlte sich vernachlässigt und betrieb die Abspaltung von Pakistan, vor allem die Awami-Liga drängte auf Selbständigkeit. Bei den Wahlen zur verfassunggebenden Nationalversammlung in Pakistan im Dezember 1970 - die Präsident Aga Muhammed Jahja Khan trotz einer gewaltigen Flutkatastrophe, die den Osten im November heimsuchte, nicht verschieben wollte -  gewann die Awami-Liga in Ostpakistan 167 der 169 Parlamentssitze und damit auch die absolute Mehrheit im gesamtpakistanischen Parlament. Jahja Khan verschob daraufhin die Einberufung der Nationalversammlung. Awami-Führer Scheich Mudschib-ur Rahman andererseits, auch "Tiger von Bengalen" genannt, lehnte Gespräche mit Zulfikar Ali Bhutto, dem Wahlsieger in Westpakistan, ab. Die politischen Auseinandersetzungen eskalierten zum blutigen Bürgerkrieg. Am 26. März 1971 proklamierte Mudschib-ur Rahman die "Volksrepublik Bangla Desh". Westpakistanische Truppen marschierten in den Osten, Rahman wurde verhaftet, eine Million Menschen starben, 10 Millionen flohen nach Indien. Die Flüchtlingswelle, vor allem aber die Aussicht, das verfeindete Pakistan schwächen zu können, veranlaßte Anfang Dezember 1971 die Inder zum Eingreifen. Innerhalb weniger Tage war der militärische Konflikt entschieden, die Trennung von Bangla Desh von Pakistan vollzogen. Jahja Khan mußte gehen, sein Nachfolger Bhutto entließ Rahman aus der Haft, der am 12, Januar 1972 das Amt des Staatspräsidenten von Bangla Desh übernahm. 1975 wurde er bei einem Putsch junger Offiziere erschossen und seine Familie fast ganz ausgerottet. Auch in der Folge war das Geschick des jungen Staates geprägt von Staatsstreichen des Militärs, Ausrufungen des Kriegsrechtes oder des Ausnahmezustandes, manipulierten Wahlen und blutigen Unruhen. Erst in den 90er Jahren erzwang die Awami-Liga mit Streiks faire und freie Wahlen und gewann am 12. Juni 1996 146 von 300 Parlamentssitzen. Seitdem ist etwas mehr Ruhe eingekehrt. Dennoch: latent putschbereite Militär, Flüchtlinge aus dem Nachbarland Myanmar, drohender Separatismus und periodische Naturkatastrophen gefährden immer noch die innenpolitische Stabilität.

Bangla Desh hat im März 2000 das umfassende Teststop-Abkommen für Atomwaffen unterzeichnet. Damit ist es das erste südasiatische Land, daß dieses Abkommen unterzeichnet hat.

Ein Gericht in Bangla Desh hat am 10.04.2003 die Freilassung von 1200 Kindern aus Gefängnissen angeordnet. "Viele der Kinder wurden von der Polizei wegen kleiner Vergehen auf der Straße aufgegriffen, aber diese Fälle kamen nie vor Gericht", sagte ein Anwalt, der sich um die Gefängniskinder kümmert. Auch von den Eltern  ausgesetzte Kinder landeten oft im Gefängnis. Die Richter entscheiden, daß diese Kinder in Heimen untergebracht werden müssen.

Bangladesch ist für Überschwemmungen und Wirbelstürme bekannt und zählt zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Doch die schlimmste Plage der drittgrößten islamischen Nation, so scheint es wieder einmal angesichts der Parlamentswahlen am 22. Januar 2007, sind die Spitzenpolitikerinnen Beghum Khaleda Zia und Sheikh Hassina Wazed. Seit 15 Jahren lösen sich die beiden Frauen bei nahezu jeder Wahl im Amt des Premierministers ab. In der Oppositionszeit setzen sie jeweils alles daran, die 144 Millionen Menschen zählende Nation unregierbar zu machen.

Khaleda Zia, Führerin der Nationalen Partei Bangladesch, hielt sich in den vergangenen vier Jahren mit Unterstützung der fundamentalistischen Islami Oikya Jote, der Vereinten Islamischen Front, an der Macht. Sheikh Hassina, die eine Koalition von 14 Parteien samt Kommunisten führt, unterzeichnete ein Wahlbündnis mit ihren eigenen Islamisten: Der Pakt mit Khelafat Majlish schließt das Versprechen ein, alle Gesetze islamischen Werten unterzuordnen und jeden zu bestrafen, der den Propheten Mohammed beleidigt.

Dabei leidet Bangladesch bereits heute unter den Folgen des wachsenden Einflusses radikaler Islamisten. Im Jahr 2005 erschütterten das Land 500 Bombenanschläge. Frauen, die sich nicht den Forderungen der Fundamentalisten unterwarfen, wurden Opfer von Säureanschlägen. Laut dem indischen Geheimdienst sollen einige Gruppen Trainingslager für El Kaida-Anhänger betreiben.

Doch Sheikh Hassina und Khaleda Zia, deren Parteien 1990 gemeinsam die Militärdiktatur des Landes stürzten, hegen ein so abgrundtiefes Misstrauen gegeneinander, dass ihnen das Schicksal des Landes offenbar gleichgültig ist. Sheikh Hassina ist überzeugt, dass Khaleda Zias ehemaliger Ehemann General Ziauhr Rahman hinter dem Mord an ihrem Vater steckte, der Bangladeschs Unabhängigkeit von Pakistan erkämpfte. Widersacherin Khaleda Zia wiederum macht Hassina für die Ermordung ihres Ehemanns 1981 verantwortlich. Als der frühere US-Präsident Jimmy Carter im Jahr 2004 versuchte, die Frauen zu versöhnen, mochten sie sich nicht einmal gegenseitig anschauen.

Erstmals seit 42 Jahren hat ein Personenzug aus Indien am 09.07.2007 die Grenze nach Bangladesch überquert. Hunderte Menschen begrüßten den "Freundschaftszug" mit Blumensträußen, als er am Sonntag in den Bahnhof von Bangladeschs Hauptstadt Dhaka einfuhr. Die Zugverbindung war 1965 eingestellt worden, als Indien und Pakistan - zu dem damals auch Bangladesch gehörte - einen Grenzkrieg austrugen.


Hintergrundberichte:

30.12.2008 Überwältigende Mehrheit für Awami-Liga   - Frühere Regierungschefin Sheikh Hasina kann wieder regieren. Ihrer Rivalin schaden die Kontakte zu Radikalislamisten

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