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Seit Jahrzehnten ist Venezuela vom Erdöl abhängig. Das Erdöleinkommen trägt rund 50 Prozent zu den Staatseinnahmen bei, macht über 80 Prozent des Exportwerts und rund ein Viertel des Bruttosozialprodukts aus. Für die Regierung Venezuelas hat die Erdölpolitik daher Priorität. Das Erdöl hat Venezuela Wohlstand gebracht, jedoch auch zu einer Erstarrung von Strukturen beigetragen, unter denen das Land bis heute leidet. Wie manch andere Erdölländer hat auch Venezuela es nicht verstanden, den Ölreichtum zur nachhaltigen Entwicklung zu nutzen. Lange Zeit schien das seit Anfang der Sechziger Jahre überall in Lateinamerika herrschende Modell der Importsubstituierung, das im Schutze hoher Zölle und dirigistischer staatlicher Eingriffe den Aufbau eigener Industrien begünstigte, in Venezuela erfolgreicher zu sein als in anderen Ländern, da die negativen Konsequenzen dieser Politik mit dem Öleinkommen abgefedert werden konnten: Große Teile der Ölexporteinnahmen wurden in Form von Subventionen, direkten Einkommen, Sozialleistungen etc. an Unternehmer wie Lohnempfänger weitergeleitet. Im Wesentlichen flossen diese Gelder jedoch in den Konsum. Die Wettbewerbsfähigkeit der venezolanischen Industrie war auf diese Weise nicht nachhaltig zu sichern. Seit Mitte der Achtziger Jahre ging die Investitionsquote drastisch zurück, größere Infrastrukturprojekte wurden kaum noch in Angriff genommen, der Industriepark veraltete zusehends. Bis Mitte der 70er Jahre war Venezuela das Land mit dem höchsten Prokopfeinkommen in Lateinamerika. Im Unterschied zu den meisten übrigen Ländern der Region stagniert das Prokopfeinkommen seither - heute befindet sich Venezuela in Lateinamerika im Mittelfeld. Gleichzeitig sind die Einkommensunterschiede stark gewachsen: 1970 verfügten die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung über 32 Prozent des Einkommens, 1998 waren es über 44 Prozent. Die wirtschaftliche Lage breiter Teile der Bevölkerung hat sich in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich verschlechtert. Heute leben ca. 45 Prozent der Bevölkerung in Armut, davon 20 Prozent in extremer Armut - mit steigender Tendenz. Der Prozess der Globalisierung stellte daher besondere Herausforderungen an die Umstellungsfähigkeit der venezolanischen Gesellschaft. Abwehrreaktionen auf die Liberalisierung des Welthandels waren hier schon früh besonders stark. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Nur etwa 30% der arbeitsfähigen Bevölkerung stehen in einem regulären Arbeitsverhältnis, knapp 20% sind arbeitslos. Arbeitsplätze außerhalb des öffentlichen Dienstes sind Mangelware in Venezuela. Die Erdölindustrie beschäftigt direkt und indirekt nicht einmal 100.000 Menschen. Einige der Sektoren, die in nennenswertem Umfang Arbeitsplätze schaffen könnten, wie die verarbeitende Industrie, Landwirtschaft oder Tourismus, schrumpfen oder stagnieren. Auffangbecken ist der informelle Sektor, in dem über 50 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung beschäftigt sind. Linkes Freihandelsbündnis gegen die USA - Kuba, Venezuela und Bolivien schließen Wirtschaftsabkommen und hoffen auf weitere Mitglieder Wirtschaftliche Kennziffern:
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