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Paraguay ist ein Land ohne Fortüne. Von der Natur stiefmütterlich behandelt, von der Geschichte gebeutelt, von Diktatoren mißbraucht, ist es weit hinter der möglichen Entwicklung zurückgeblieben. Dabei hatte alles eigentlich recht gut angefangen. Ab 1608 gründeten Jesuiten dort prosporierende Gemeinschaften, die über 150 Jahre lang Bestand hatten und den Bewohnern - bis zur Vertreibung durch den spanischen König - Wohlstand und Frieden brachten. Der Niedergang begann 1811, als sich Paraguay für unabhängig erklärte und 1865 einen blutigen Krieg gegen die Nachbarländer Argentinien, Brasilien und Uruguay führte. Nach 5 Jahren war der Krieg verloren, mehr als die Hälfte der Einwohner waren tot, der Rest lebte in Armut. Nach einem kurzem demokratischen Zwischenspiel eskalierten 1932 die Grenzstreitigkeiten mit Bolivien zu einem Krieg. Es ging um den Chaco Borcal, in dem riesige Erdölvorkommen vermutet wurden. Diesmal gewann Paraguay zwar den Krieg und große Teile des Gran Chaco, doch das Land mußte teuer bezahlen: es gab Zehntausende Tote und die Erdölfunde waren denn doch recht bescheiden. Wieder fiel das Land in Armut und Entbehrung zurück. Das Militär übernahm die Macht, die General Alfredo Stroessner als Diktator von 1954 bis 1989 ausübte. Erst danach begann eine allmähliche Demokratisierung des Landes. 1992 wurde eine neue Verfassung, 1993 mit Juan Carlos Wasmosy erstmals wieder ein ziviler Präsident gewählt. 1998 siegte Raul Cubas, wie sein Vorgänger ein Kandidat der Partei des Ex-Diktators Stroessner. Wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen während der Militärdiktatur in Paraguay hat ein Richter am 16.04.2002 in der Hauptstadt Asunción einen internationalen Haftbefehl gegen den ehemaligen Diktator Alfredo Stroessner erlassen. Der mittlerweile 89-jährige Stroessner lebt seit seinem Sturz im Februar 1989 in Brasilien. Aktuelle Entwicklung: Historischer Machtwechsel in Paraguay nach mehr als 60 Jahren: Der als Bischof der Armen bekannt gewordene Fernando Lugo hat die Präsidentenwahl am 20.04.2008 mit 40,7 Prozent klar gewonnen und die seit 1947 ununterbrochen regierende Colorado-Partei damit in die Opposition verwiesen. «Ich werde für die Armen und die Schwachen arbeiten, und dieses Land soll für seine Ehrlichkeit und nicht mehr für seine Korruption bekannt sein», sagte der sozialdemokratisch ausgerichtete Politikneuling nach seinem Sieg bei einer Rede vor Zehntausenden Anhängern. Als Präsident ist er zugleich Chef der Regierung. In den Straßen der Hauptstadt Asunción feierten die Menschen das Ende der Hegemonie der Colorado-Partei. «Lugo hat Herz», sangen sie eines seiner Wahlkampflieder. Amtsinhaber Nicanor Duarte Frutos versprach eine geordnete Übergabe der Macht. Die Colorado-Kandidatin Blanca Ovelar kam auf etwa 31,1 Prozent und gestand ihre Niederlage ein. «Die Ergebnisse sind unumkehrbar, und wir erkennen den Triumph Fernando Lugos an», sagte sie am Abend. In beiden Kammern des Parlaments verfehlte Lugo mit seiner Patriotischen Allianz für den Wandel (APC) jedoch eine Mehrheit und ist deshalb auf Bündnisse mit anderen Parteien angewiesen. Das Parlament spielt im paraguayanischen Präsidialsystem allerdings ohnehin nur eine nachgeordnete Rolle. Die APC besteht aus zehn Parteien und einem Dutzend sozialer Bewegungen von ganz links bis rechts. Auf Platz drei kam mit 21,8 Prozent der frühere Putschist und General im Ruhestand, Lino Oviedo. Platz vier belegte der Unternehmer Pedro Fadul, für den 2,4 Prozent stimmten. Die Angaben beruhten auf Auszählung von 92 Prozent aller Stimmzettel. Neben der Bekämpfung der Korruption hatte Lugo im Wahlkampf eine Agrarreform und eine gerechtere Verteilung der Gewinne aus dem gemeinsam mit Brasilien betriebenen Wasserkraftwerk Itaipú angekündigt. Bei diesen Vorhaben dürfte er allerdings auf erbitterten Widerstand der Großgrundbesitzer, Brasiliens und der Colorado-Partei stoßen. Die Colorado-Partei, die etwa eine Millionen Mitglieder hat und damit die mit Abstand größte Organisation des Landes ist, hatte es seit dem Ende der Diktatur des deutschstämmigen Alfredo Stroessner 1989 nicht geschafft, die Bedürfnisse der breiten Massen zu befriedigen. Obwohl Paraguay ein wichtiger Erzeuger unter anderem von Soja und Rindfleisch ist, deren Weltmarktpreise in den vergangenen Jahren explodiert sind, lebt die Mehrheit der Menschen in Armut. Auch unter Duarte Frutos kam der Geldsegen aus den Agrarexporten nur einer kleinen Minderheit zugute. Zudem gab es immer wieder Skandale mit Politikern und ranghohen Beamten, die in öffentlichen Ämtern binnen kurzer Zeit große Vermögen anhäuften. Während Nachbarländer wie Argentinien und Uruguay sich wirtschaftlich erholen konnten, kehrten deshalb immer mehr Paraguayer der wirtschaftlichen Not in ihrer Heimat den Rücken und wanderten vor allem nach Spanien aus. |
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