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Alle Macht dem Telefon 
Nicaraguas Präsident Ortega regiert von Auslandsreisen aus

Klaus Ehringfeld

08.06.2008. Nicaraguas Präsident Daniel Ortega regiert sein Land über das Telefon. Das haben jetzt zwei seiner Minister ausgeplaudert und sich damit indirekt darüber beklagt, dass der Staatschef mehr im Ausland unterwegs ist als daheim.

Seit der Sandinist vor knapp anderthalb Jahren die Macht in dem zweitärmsten Land Lateinamerikas übernommen hat, ist er um die halbe Welt gereist und hat knapp zwei Dutzend Länder besucht. Er war in Algerien, Belize, Bolivien, Brasilien, Costa Rica, Kuba, Chile, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Honduras, Iran, Libyen, Mexiko, bei den Vereinten Nationen in New York, in der Dominikanischen Republik, in Panama, dem Senegal, Uruguay und Venezuela. Zuletzt war er beim Ernährungsgipfel in Rom, von wo aus er wieder nach Teheran reiste.

Seine Reisen unternimmt der Linkspräsident gerne in einem Flieger, den ihm der libysche Staatschef Muammar el-Gaddafi geborgt hat. Und Ortega reist nicht allein. Seine Frau, seine acht Kinder und Enkel, sowie die Freunde seiner Töchter sind fast immer mit dabei. "Er ruft irgendeinen von uns an und fragt, was denn so los sei im Land", sagte Umweltministerin Juana Argeal. Erst kürzlich, Ende Mai, habe er sich wieder von irgendwo zwischen Panama und Uruguay gemeldet, um zu fragen, wie groß die Schäden durch der Wirbelsturm "Alma" seien, der über Nicaragua hinwegfegte. Auch während des Wirbelsturms "Flix", der Nicaragua Anfang September heimsuchte und mehr als 250 Menschen das Leben kostete, war Ortega nicht im Lande.

Die Opposition nennt den Staatschef nur noch einen "chronisch Reisenden" und wirft ihm die Verletzung der Verfassung vor, da er seine Familie auf die Auslandsreisen nimmt. Dora Mara Tllez, sandinistische Dissidentin und Mitkämpferin Ortegas während der Revolution von 1979 kritisierte, der Präsident habe den Kontakt zu Land und Leuten verloren. "Er bekommt doch von der Realität gar nichts mehr mit". Für Landwirtschaftsminister Ariel Bucardo ist Ortegas Abwesenheit anscheinend kein Problem. "Wir leben heute in einer Welt der einfachen Kommunikation", sagte der Ressortchef. "Auch von seinen Reisen aus führt Ortega das Land, wie es sein muss".

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