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Grippe schwächt Wirtschaft 05.05 2009. Gesundheitsminister José Angel Córdova konnte am Sonntag erstmals gute Nachrichten vermelden. Zehn Tage nach Ausbruch der Schweinegrippe sei in Mexiko das Schlimmste überstanden, sagte er. Die Epidemie habe zwischen dem 23. und dem 28. April ihren Höhepunkt erreicht und klinge allmählich ab. Insgesamt hätten sich in Mexiko 590 Menschen mit dem Virus infiziert. Die Zahl der Todesopfer bezifferte der Minister auf 22. Doch während die Epidemie offensichtlich an Kraft verliert, werden ihre Neben- und Nachwirkungen immer deutlicher. Nicht nur die Wirtschaft, auch der Ruf Mexikos hat an der Grippe schweren Schaden genommen. In vielen Ländern werden Mexikaner in diesen Tagen behandelt wie Aussätzige: Japan verlangt plötzlich wieder Visa von ihnen, in China wurden 71 mexikanische Passagiere nach ihrer Ankunft in Schanghai in Quarantäne genommen, obgleich sie keine Grippe-Symptome aufwiesen. In den USA wird gar offen vor dem Kontakt mit Mexikanern gewarnt. Selbst die Lateinamerikaner machen keine Ausnahme: Peru, Ecuador, Kuba und Argentinien stellten die Flugverbindungen nach Mexiko vorerst ein. Der preisgekrönte mexikanische Schriftsteller Juan Villoro fürchtet, es werde viele Jahre dauern, bis sein Land den schlechten Ruf wieder loswerde, den ihm das A/H1N1-Virus eingebrockt habe. "Mexiko wird weltweit vorgeführt wie die bärtige Frau im Zirkus", sagt er. Die mexikanische Regierung bezeichnete die Behandlung ihrer Landsleute im Ausland als diskriminierend und ausländerfeindlich. Außenministerin Patricia Espinoza sprach von "ungerechtfertigten Maßnahmen" und kündigte an, bei UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und der Welthandelsorganisation Protest gegen die Behandlung der Mexikaner in aller Welt einzulegen. Marcelo Ebrard, Bürgermeister von Mexiko-Stadt, kritisierte, dass die mexikanische Hauptstadt jetzt weltweit als "Schurken-Stadt" dastehe: "Dabei ist überhaupt nicht bewiesen, dass in unserer Stadt der Schweinegrippen-Virus erstmals aufgetreten ist." Die Schweine-Krise trifft Mexiko im denkbar schlechtesten Moment. Das Land spürt als einer der wichtigsten Handelspartner und direkter Nachbar der USA die Weltwirtschaftskrise ohnehin am stärksten in Lateinamerika. Dazu kommt noch der Drogen-Krieg, der das Land an den Rand der Unregierbarkeit gebracht hat. Und jetzt noch die drohende Epidemie. Am schmerzhaftesten sind die Auswirkungen auf die Wirtschaft. Finanzminister Agustín Carstens fürchtet, dass die Krise das Bruttoinlandsprodukt der zweitgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas in diesem Jahr um weitere 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte oder rund 3,3 Milliarden Euro drosseln wird. Schon vor der Grippe-Krise waren die Vorhersagen dramatisch schlecht: Mexikos Zentralbank hatte dem Land den Einbruch des Bruttoinlandsprodukts um rund 4,8 Prozent vorhergesagt. Besonders betroffen ist der Hotel- und Gaststättensektor. In ganz Mexiko haben aufgrund des staatlich verordneten Zwangsurlaubs von einer Woche 35 000 Geschäfte ganz oder teilweise geschlossen 450 000 Beschäftigte in Hotels, Restaurants und dem Tourismussektor sind seit sieben Tagen ohne Job und ohne Geld. Tourismusminister Rodolfo Elizondo schätzt, dass der ausländische Tourismus in den kommenden Wochen um bis zu 85 Prozent einbrechen werde wegen der Schweinegrippe. Nach dem Ölverkauf, den Auslandsüberweisungen und den Auslandsinvestitionen ist der Tourismus die viertwichtigste Devisenquelle Mexikos. |
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