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Die Bloggerin und der Comandante 22.06.2008. Bislang hat der Maximo Líder und Comandante en Jefe, der schwer kranke Fidel Castro, die prominenteste Kubanerin ignoriert. Mehrere Millionen Mal im Monat wird der Blog der 32-jährigen Kubanerin Yoani Sanchez aufgerufen, vor allem von Exilkubanern. Auf der Insel selbst haben erst wenige Zugang zum Internet. Das amerikanische Time Magazine setzte die Bloggerin - neben dem Dalai Lama, George W. Bush, Rupert Murdoch, George Clooney, Bruce Springsteen - vor zwei Monaten auf die Liste der hundert einflussreichsten Personen der Welt. Kurz zuvor hatte die Kubanerin, die in Havanna lebt und auf ihrer Website (www.desdecuba.com/generaciony) über die Mangelwirtschaft und die Verlogenheit der Macht berichtet, den renommierten Journalistenpreis "Ortega y Gasset" erhalten, den die spanische Tageszeitung El País alljährlich vergibt. Sanchez konnte den Preis in Madrid nicht abholen. Das Regime verweigerte ihr die Ausreise. Nun ist dem Alten auf der Insel der Kragen doch geplatzt. Im Vorwort eines Buches, das vergangene Woche in Havanna vorgestellt wurde, bezichtigte Fidel Castro die Bloggerin der Wühlarbeit, die der Imperialismus mit einem Preis honoriere. Sanchez antwortete umgehend auf ihrem Blog: "Weil ich mich attackiert fühle von einem, der unendlich viel mehr Macht hat als ich, der mehr als doppelt so alt ist wie ich und der - wie meine Nachbarinnen aus Kindertagen sagen würden - der Inbegriff der Männlichkeit ist, habe ich beschlossen, die Antwort meinem Mann, Reynaldo Escobar, zu überlassen." Escobar, arbeitsloser Journalist, kommentierte mit scharfer Zunge: "Die Verantwortung, einen Preis anzunehmen, wird nie vergleichbar jener sein, ihn zu verleihen, und Yoani mindestens hat nie einem Korrupten, Verräter, Diktator oder Mörder irgendeinen Orden an die Brust geheftet." Und dann zählt er namentlich auf, wen Fidel Castro mit dem José-Martí-Orden geehrt hat: Nicolae Ceausescu, Mengistu Haile Mariam, Robert Mugabe, Erich Honecker und andere mehr. Er würde gerne wissen, wie Castro zu solchen Ehrungen heute stehe, schrieb der mutige Journalist. Am vergangenen Donnerstag wurden sieben Dissidenten vorübergehend festgenommen. Sie werden unter anderem der "Beleidigung der Person des Comandante en Jefe" bezichtigt, verständlicher: Majestätsbeleidigung. |
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