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Computer für Kubaner 
Raul Castro hebt ein weiteres Verbot seines Bruders auf

Hinnerk Berlekamp

10.05.2008. Die Zeit der "absurden Verbote" sei vorbei, sagte Kubas neuer Präsident Raúl Castro, als er im Februar nach anderthalbjähriger Übergangszeit die Amtsgeschäfte auch offiziell von seinem Bruder Fidel übernahm. Schritt für Schritt macht er sein Versprechen wahr: Seit dem vergangenen Wochenende gibt es auf der Insel nun auch Heimcomputer frei zu kaufen. Zwar gehört in den Schulen die Ausbildung am PC ohnehin seit mehreren Jahren zum Pflichtprogramm, und viele Kubaner zumindest aus dem akademischen Milieu hatten auch schon zuvor zu Hause einen privaten Computer stehen. Doch oft war es ein Mitbringsel von Dienstreisen ins Ausland, das nur mit bergeweise Papieren und nicht selten mit kleinen Erkenntlichkeiten für die Beamten am Zoll vorbeizuschleusen war. Damit solle nun Schluss sein, heißt es in Havanna.

Zuvor hatte die Regierung bereits eine ganze Reihe anderer Verkaufs- und Einfuhrverbote aufgehoben. Einige - etwa für Elektroherde oder elektrisch betriebene Reiskocher - waren einst mit dem chronischen Energiemangel begründet worden. Doch seit die Stromsperren der Vergangenheit angehören, ist diese Rechtfertigung weggefallen.

Der Grund, warum die Kubaner auch keine Video- oder DVD-Recorder kaufen sollten, war ohnehin vor allem in der Aversion Fidel Castros gegen derartigen "Konsumismus" zu suchen gewesen. Sein Bruder Raúl scheint nun entschlossen, die Dinge pragmatischer zu handhaben. Auch den Verkauf von Mobiltelefonen gab er vor drei Wochen frei. Die Zahl der seither abgeschlossenen Handy-Verträge soll sich auf knapp zehntausend belaufen. Bei elf Millionen Einwohnern eine recht überschaubare Größe.

Denn auch wenn der Hunger der Kubaner auf moderne Konsumgüter groß ist - die finanziellen Möglichkeiten sind es bei den allermeisten nicht. Das Durchschnittseinkommen liegt bei 408 Peso, die Mindestrente bei 164 Peso, das wären - tauschte man das Geld komplett in Devisen um - 17 beziehungsweise sieben Dollar. Auch wenn die Wohnung und jene Hälfte der Lebensmittel, die es auf Bezugsschein gibt, nur minimale Beträge kosten, reicht das Rest-Gehalt gerade zum Überleben. Um einen Computer kaufen oder sich gar in einem Luxushotel einmieten zu können - ein weiteres der von Castro aufgehobenen "absurden Verbote" -, bedarf es anderer Einkommensquellen. Zum Beispiel einer regelmäßigen Zuwendung von Verwandten in den USA.

Trotzdem werden die Liberalisierungsmaßnahmen auch von den meisten derjenigen Bürger begrüßt, die auf absehbare Zeit nicht in den Genuss des neuen Luxus' kommen werden. Kaum etwas hatten die Kubaner ihrer Regierung so übel genommen wie die "Turistheid" der 90er Jahre: die Bevorzugung der Ausländer und die Hintansetzung des eigenen Volkes, die dem allerorten verkündeten Gleichheitsideal Hohn sprach. Nun wächst allmählich die Hoffnung auf bessere Zeiten. Als einer der nächsten Schritte, wird spekuliert, könnten die umständlichen und kostspieligen Visa-Verfahren für Auslandsreisen vereinfacht werden. Abgearbeitet ist der Reformstau noch lange nicht.

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