banner_klein.jpg (6301 Byte)

Themen

Afrika
Amerika
Asien
Australien
Europa

Nordamerika
Mittelamerika & Karibik
Südamerika

Argentinien
Bolivien
Brasilien
Chile
Ecuador
Guyana
Kolumbien
Paraguay
Peru
Suriname
Uruguay
Venezuela


Simon Bolivar befreite das Land von der spanischen Herrschaft und wurde der erste Präsident von Groß-Kolumbien (1819 - 1830). Im 20. Jahrhundert sorgte vor allem der Disput über die Rolle der Kirche in Staat und Gesellschaft für einen jahrzehntelangen Zwist zwischen Liberalen und Konservativen.Die Präsidentschaftswahlen von 1946 führten zu einem Bürgerkrieg, der als "La Violencia" (1949 - 1958) mindestens 200.000 Kolumbianer das Leben kostete. Erst eine Verfassungsreform, 1957 von Konservativen und Liberalen beschlossen, leitete das Ende der Gewalt ein. In den 60er und 70er Jahren terrorisierten extreme rechte wie auch linke Gruppen das Land, das trotz Argrar- und Sozialreformen seine Probleme nicht lösen konnte. Drogenkartelle aus Cali und Medellin überzogen Kolumbien mit Mord und Korruption. Der Kampf gegen die Drogenbosse geriet in den 80er Jahre zur Überlebensfrage. 1993 erschossen Regierungstruppen den mächtigsten Mann des Medillin-Kartells, Pablo Escobar, auf der Flucht. 1995 ließ Präsident Ernesto Samper die 7 Bosse des Cali-Kartells festsetzen, sah sich aber selbst wenig später mit massiven Bestechungsvorwürfen konfrontiert: Sampers 94er Wahlkampf sei vom Cali-Kartell mit 6 Millionen US$ geschmiert worden. Bei der Wahl im Juni 1998 gewann erstmals seit 1986 mit Andre Pastrana ein Kandidat der Konservativen. Das große Wohlstandsgefällle verursacht soziale Spannungen, die Drogen- und Gewaltkriminalität ist außer Kontrolle. Mit 24.647 Morden, 1537 Guerilla-Anschlägen und 1822 Entführungen lag Kolumbien 1997 weltweit an der Spitze. Der neue Präsident hat 1999 Gespräche mit der Guerilla aufgenommen, die bisher außer Lippenbekenntnisse beider Seiten eher ein Mißerfolg waren. Rund ein Drittel der 37 Mio Kolumbianer demonstrierten am 24.10.1999 für Frieden und die Beendigung des seit 51 Jahren andauernden Bürgerkriegs in ihrem Land. Es war die größte Massenmobilisierung in der Geschichte Südamerikas. Im Bürgerkrieg kamen allein in den 90er Jahren rund 35 000 Menschen ums Leben. Die Bevölkerung ist des Kämpfens müde. Allein in der Hauptstadt Bogota nahmen über 2 Mio Menschen an einem Demonstrationszug teil. Sie forderten einen sofortigen Waffenstillstand, konkrete Friedensverhandlungen und die Achtung der Bürgerrechte von Zivilisten. Der Konflikt mit der Guerilla kostet das südamerikanische Land nach Berechnungen der Demonstrationsveranstalter jährlich 1,5 Mrd Dollar.

In der Ortschaft La Uribe (160 km südlich von Bogota) begannen zeitgleich Gespräche zwischen Regierungsvertretern und der linken Guerillaorganisation Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (Farc). Die Aufnahme der Verhandlungen wurde von schweren Kämpfen überschattet. Mindestens 19 Guerilleros wurden im südlichen Departement Cauca von Soldaten getötet.

Zur Bekämpfung der Drogenkriminalität in Kolumbien hat der US-Senat ein Milliardenprogramm gebilligt. Mit 94 zu 4 Stimmen stimmte das Gremium am 22.06.2000 dafür, Kolumbien Militär- und Finanzhilfe in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar zukommen zu lassen. Das Geld soll unter anderem für den Kauf und die Wartung von Hubschraubern eingesetzt werden.

Nach über drei Jahren hat der kolumbianische Präsident Andrés Pastrana am 20.02.2002 überraschend den Friedensprozess mit der linksgerichteten Farc-Guerilla für beendet erklärt. Die Rebellen hätten die Wahl gehabt und sich für Terrorismus entschieden und den Friedenswillen der Regierung mit einer "Ohrfeige" beantwortet, sagte der Staatschef in einer Fernsehansprache. Zugleich befahl Pastrana den Streitkräften, in die demilitarisierte Zone von der Größe der Schweiz einzumarschieren, die von den Rebellen der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) gehalten wird. Seit Donnerstagfrüh seien bei 200 Lufteinsätzen 85 "strategische Ziele" in der Farc-Zone bombardiert worden, sagte ein Militärsprecher. Die Entwicklung eskalierte, nachdem am 20.02.2002 ein Flugzeug mit dem Chef des Friedensausschusses des Senats an Bord entführt worden war. Die Tat wird der Farc zugeschrieben, der mit rund 17 000 Kämpfern größten Guerillaorganisation Kolumbiens. Erst vor einem guten Monat hatten sich Regierung und Rebellen nach zähen Verhandlungen darauf geeinigt, am 07.04.2002 ein Waffenstillstandsabkommen zu unterzeichnen. Der Abbruch des Dialogs macht die Eskalation des seit 38 Jahren andauernden Bürgerkriegs zwischen Guerilla, rechten Paramilitärs und Armee, der 200 000 Menschen das Leben gekostet hat, wahrscheinlich. Pastrana bezeichnete die Rebellen als "Drogenhändler, Terroristen und Entführer". Er sei sich bewusst, "dass schwere Zeiten" auf Kolumbien zukommen werden. Der Präsident erkannte der Farc überdies den Status als politische Organisation ab und ordnete den Vollzug der ausgesetzten Haftbefehle gegen deren Führer an.

Venezuela hat seine Truppen an der Grenze zu Kolumbien verstärkt. Aus Kreisen der Streitkräfte wurden am 17.01.2005 aber Spekulationen zurückgewiesen, die Verlegung der 120 Soldaten am Wochenende könne etwas mit den Spannungen mit dem Nachbarland zu tun haben. Damit solle lediglich der Schmuggel von billigem Benzin nach Kolumbien verhindert werden, erklärte General Jaime Escalante.

Die Beziehungen zwischen Venezuela und Kolumbien sind seit der Entführung eines kolumbianischen Rebellen aus Venezuela im Dezember arg belastet. Die Regierung in Bogota hatte zugegeben, die Kopfgeldjäger heimlich mit dem Kidnapping von Rodrigo Granda beauftragt und dafür bezahlt zu haben. Der venezolanische Präsident Hugo Chavez forderte eine förmliche Entschuldigung von Kolumbien. Diese Forderung wurde am 03.02.2005 vollzogen. Einen Hintergrundbericht dazu lesen Sie hier.

Schwere Drogen-Vorwürfe gegen Abgeordnete hat der Vize-Präsident des Parlaments in Kolumbien am 25.08.2005 erhoben: Mehrere Parlamentarier konsumierten Kokain, ranghohe Mitarbeiter der Kongressverwaltung verteilten das Rauschgift, sagte Edgar Artunduaga in Bogota. Sowohl Senatoren als auch Abgeordnete machten sich des Drogenkonsums schuldig.

Die kolumbianische Regierung hat am 05.06.2007 mehrere Dutzend inhaftierte Kämpfer der linken Farc-Guerilla freigelassen, unter ihnen Rodrigo Granda, den "Außenminister" der Rebellen. Pressemeldungen zufolge hatte Frankreichs neuer Präsident Sarkozy um Grandas Freilassung gebeten. Dieser soll als Vermittler tätig werden, um eine Freilassung der von der Guerilla vor fünf Jahren gefangengenommenen Politikerin Ingrid Betancourt zu erreichen, die außer einem kolumbianischen auch einen französischen Pass hat.

Kolumbien hat am 06.07.2007 die bisher größten Massenproteste gegen Geiselnahmen durch Rebellen und paramilitärische Milizen erlebt. Mehrere Millionen Kolumbianer gingen in den großen Städten des südamerikanischen Landes für die Freilassung der landesweit mehr als         3 000 Entführten auf die Straßen. Die katholische Kirche, Familienangehörige der Geiseln und eine regierungsunabhängige Organisation hatten zu den Demonstrationen aufgerufen, die unter dem Motto "Lasst die Gefangenen ohne Bedingungen frei" standen.

In der Hauptstadt Bogota ertönte zur Mittagsstunde ein Konzert aus Pfiffen, Hupen und Glocken. Der Verkehr stand still. Die Demonstranten hatten sich zum Zeichen des Friedens weiß gekleidet und schwenkten weiße Tücher. Ihre Proteste richteten sich vor allem gegen die Farc. Auslöser der Proteste war der Tod von elf kolumbianischen Provinzabgeordneten, die Mitte Juni nach fünf Jahren in Geiselhaft laut Farc bei einem Befreiungsversuch getötet wurden. Die Armee bestritt, dass es einen Befreiungsversuch gab.

Die 1964 gegründete Farc ist die älteste marxistische Armee in Lateinamerika. Sie zählt rund 17 000 Kämpfer. Unter ihren mehr als 700 Geiseln befindet sich die vor mehr als fünf Jahren entführte französisch-kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt.

Kolumbiens Präsident Álvaro Uribe hat am 22.11.2007 dem venezolanischen Staatschef Hugo Chavez überraschend das Mandat entzogen, mit der Guerilla in Kolumbien über eine Freilassung von 45 von den Rebellen entführten Landsleuten zu verhandeln. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bat die Regierung in Bogota, ihre Entscheidung zurückzunehmen. Zu den 45 Entführten gehört die frühere Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, die auch französische Staatsbürgerin ist.

In das Geiseldrama um die kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt kommt Bewegung: Die linksgerichteten Farc-Rebellen kündigten am 19.12.2007 an, Betancourts 2002 entführte Wahlkampfmanagerin Clara Rojas, deren Sohn und die ehemalige Abgeordnete Consuelo Gonzalez freizulassen. Dies sei eine "Geste der Anerkennung" für die Vermittlungsbemühungen des venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez, erklärte die Guerilla. Frankreich erklärte sich bereit, aus der Haft entlassene Farc-Rebellen aufzunehmen.

Nach jahrelanger Geiselhaft sind in Kolumbien Clara Rojas und Consuelo González am 10.01.2008 aus der Gewalt der linksgerichteten FARC-Rebellen freigekommen. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) werde sich um die beiden freigelassenen Frauen kümmern, erklärte die Chefin der IKRK-Mission, Barabara Hintermann, in Bogotá. Venezuelas Präsident Hugo Chávez, der vermittelt hatte, teilte mit, sein Innenminister Ramón Rodríguez Chacín habe ihn telefonisch über die Freilassung von Rojas und González informiert. "Ich sagte beiden: Willkommen im Leben", berichtete Chávez.

Die 44-jährige Rojas war im Februar 2002 zusammen mit der französisch-kolumbianischen Grünen-Politikerin Ingrid Betancourt von den FARC verschleppt worden. Sie bekam während ihrer Gefangenschaft einen mit einem Rebellen gezeugten Sohn, der mittlerweile in einem Waisenhaus in Bogotá lebt. Die 57-jährige Ex-Parlamentarierin González war bereits im September 2001 in die Gewalt der Rebellen geraten.


Hintergrundberichte:

26.11.2008 Kolumbiens Kaffee-Bauern greifen nach Starbucks - Finanzkrise bietet einmalige Chance zum Kauf der Kette
03.07.2008 Die ersten Schritte in Freiheit
25.05.2008 Farc bestätigt Tod ihres Chefs - Marulanda Kolumbiens Rebellenführer starb im März. Neue Hoffnung auf Freilassung der Geiseln
03.03.2008 Kriegsdrohung nach Tod eines Guerilla-Kämpfers - Venezuela und Ecuador schicken Truppen an die Grenzen zu Kolumbien

Zurück nachoben.gif (60 Byte)

Wörterbuch
Synonyme
Woxikon - Online Wörterbuch

a
Navigation


Web erdkunde-wissen.de

Allgemeine Informationen
Link-Datenbank

Pol. System, Einreise & Botschaften
Währung
Klima, Flora & Fauna
Geographie & Fahne
Geschichte & Gegenwart
Bevölkerung
Wirtschaft & Militär
Industrie, Rohstoffe & Landw.
Außenwirtschaft
Verkehr, Umwelt & Energie
Wohlstand & Sicherheit
Entwicklungshilfe
Reiseinformationen

Bildung, Soziales & Kultur
Essen & Trinken
Hintergrundberichte
Medien & Kommunikation

Literatur
Länderfotos
Nationalhymnen

--> Erdkunde
--> Service
--> Seiteninternes

Kommunikation
Gästebuch
Kontakt
Impressum
Suchmaschine