banner_klein.jpg (6301 Byte)

Themen

Afrika
Amerika
Asien
Australien
Europa

Nordamerika
Mittelamerika & Karibik
Südamerika

Argentinien
Bolivien
Brasilien
Chile
Ecuador
Guyana
Kolumbien
Paraguay
Peru
Suriname
Uruguay
Venezuela


Kriegsdrohung nach Tod eines Guerilla-Kämpfers 
Venezuela und Ecuador schicken Truppen an die Grenzen zu Kolumbien

Wolfgang Kunath

03.03.2008. Der Tod des kolumbianischen Guerilla-Führers Raul Reyes, der am Wochenende bei einem Angriff der kolumbianischen Armee auf ecuadorianischem Territorium ums Leben kam, hat die schwerste Krise in Südamerika seit Jahrzehnten ausgelöst. Sowohl Ecuador als auch Venezuela zogen ihre Botschafter aus der kolumbianischen Hauptstadt Bogota ab und kündigten massive Truppenverstärkungen im jeweiligen Grenzgebiet zu Kolumbien an. "Das kann der Beginn des Krieges in Südamerika sein, denn wenn so was in Venezuela geschieht, dann schicke ich Ihnen ein paar Suchois", drohte Venezuelas Präsident Hugo Chavez seinem kolumbianischen Amtskollegen Alvaro Uribe an.

Die kolumbianische Armee war am Sonnabend auf ecuadorianisches Territorium vorgedrungen und hatte Raul Reyes getötet. Reyes galt als die Nummer zwei der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens, Farc, der wichtigsten Guerilla-Gruppe des Landes. Sein Tod gilt als wichtigster Erfolg der kolumbianischen Regierung seit Jahren. Ecuadors Staatschef Correa, der dem linksgerichteten Chavez nahe steht, hatte auf das Kommando-Unternehmen der Kolumbianer am Anfang zurückhaltend reagiert. Uribe habe ihn kurz nach dem Vorfall angerufen und gesagt, die Farc habe die Kolumbianer von ecuadorianischem Gebiet aus angriffen, worauf Kolumbien das Feuer erwidert habe, sagte Correa zunächst.

Stunden später warf er seinem Kollegen jedoch vor, ihn getäuscht zu haben: Kolumbien sei zwei Kilometer tief auf Ecuadors Territorium vorgedrungen und habe dort ein "Massaker" angerichtet, bei dem Reyes und mindestens 15 weitere Dschungelkämpfer im Schlaf getötet worden seien.

Kolumbiens Außenminister Fernando Arajo räumte ein, der Vorstoß nach Ecuador sei "unerlässlich" gewesen, nachdem er zuvor die Verletzung des ecuadorianischen Territoriums abgestritten hatte. Kolumbien warf Correa daraufhin vor, insgeheim enge Kontakte zur Farc unterhalten zu haben. Als Beleg präsentierte Polizeichef Escar Naranjo Dokumente, die sich angeblich auf den drei Computern von Reyes fanden. Danach habe Correa der Farc praktisch Unterschlupf im Grenzgebiet geboten, auf ein Treffen mit der Farc-Führung gedrungen und vorgeschlagen, die Guerilla solle ihm einige Geiseln übergeben, "was seine politische Arbeit dynamisieren würde".

Ecuador wies die Anschuldigungen als gefälscht zurück. Dramatischer noch reagierte Venezuela, das von dem Vorfall gar nicht direkt betroffen ist. Präsident Chavez befahl in seiner wöchentlichen Fernsehsendung seinem Verteidigungsminister, zehn Bataillone an die Grenze zu Kolumbien zu verlegen und ordnete an, die diplomatischen Beziehungen zu Bogota praktisch abzubrechen. "Wir wollen keinen Krieg", rief Chavez aus, "aber wir werden nicht zulassen, dass uns das nordamerikanische Imperium und sein Zögling Uribe spaltet". Chavez beschimpfte Uribe erneut als "Mafioso", "Lügner" und "Verbrecher".

Der jäh aufgebrochene Konflikt ist die schwerste Krise in Lateinamerika seit dem Krieg in Mittelamerika in den Achtzigern. Kolumbien und Venezuela haben noch nie Krieg gegeneinander geführt, der letzte ernste Konflikt liegt 21 Jahre zurück und wurde diplomatisch beigelegt. Beide Länder stehen einander hoch gerüstet gegenüber. Kolumbien hat mit US-Unterstützung eine moderne, in der Verfolgung der Guerilla kampferprobte Armee, während Chavez einen Teil seiner Öl-Gewinne in den vergangenen Jahren für Waffenkäufe und Aufrüstung genützt hat.

Der linke Chavez und der rechte Uribe haben ihre ideologischen Differenzen jahrelang mit Pragmatismus überbrückt. Zu einer jähen Verschlechterung kam es letzten Herbst. Hardliner Uribe, der Konzessionen an die Rebellen ablehnt, hatte dem Amtskollegen zögernd das Mandat erteilt, mit der Farc über Geisel-Freilassungen zu verhandeln. Aber er entzog dem Venezolaner dieses Mandat aus nichtigem Anlass und so brüsk, dass die Beziehungen nachhaltig beschädigt waren. Die Farc ließ dennoch zweimal Geiseln frei - beide Mal mit der kaum verhüllten Absicht, Chavez einen Triumph und Uribe eine Niederlage zu bereiten.

Zurück

Wörterbuch
Synonyme
Woxikon - Online Wörterbuch

a
Navigation


Web erdkunde-wissen.de

Allgemeine Informationen
Link-Datenbank

Pol. System, Einreise & Botschaften
Währung
Klima, Flora & Fauna
Geographie & Fahne
Geschichte & Gegenwart
Bevölkerung
Wirtschaft & Militär
Industrie, Rohstoffe & Landw.
Außenwirtschaft
Verkehr, Umwelt & Energie
Wohlstand & Sicherheit
Entwicklungshilfe
Reiseinformationen

Bildung, Soziales & Kultur
Essen & Trinken
Hintergrundberichte
Medien & Kommunikation

Literatur
Länderfotos
Nationalhymnen

--> Erdkunde
--> Service
--> Seiteninternes

Kommunikation
Gästebuch
Kontakt
Impressum
Suchmaschine